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Leserforum : Die wichtigsten Antworten zum Erbrecht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach den Leserforen mit Notar- und Steuerberaterkammer fassen wir alles Wissenswerte zur Nachlassgestaltung noch einmal zusammen

svz.de von
erstellt am 25.Apr.2014 | 12:00 Uhr

„Weniger als ein Viertel aller Deutschen haben ihre Nachlassfragen geklärt“, weiß Dr. Katrin Kölbl, die Geschäftsführerin der Notarkammer Mecklenburg-Vorpommern. Zwar greife dann die gesetzliche Erbfolge, doch sie passe oft nicht zu den individuellen Gegebenheiten und führe schlimmstenfalls dazu, dass jemand erbt, den man freiwillig nie bedenken würde.

Es gilt also, sich beizeiten über das Erbrecht zu informieren und dann bewusst Vorsorge zu treffen. Wir haben unsere Leser zusammen mit Notar- und Steuerberaterkammer dabei unterstützt und zu zwei Informationsabenden eingeladen. Die wichtigsten dort gestellten Fragen beantworten wir auf dieser Seite.


Wie errichte ich ein wirksames Testament?
Eine Möglichkeit ist die handschriftliche Errichtung des Testaments, entweder allein oder gemeinschaftlich mit dem Ehegatten. Dabei ist darauf zu achten, dass das Testament eigenhändig geschrieben und unterschrieben sein muss und es sollten Ort und Datum verzeichnet sein. Bei gemeinschaftlicher Errichtung reicht es aus, wenn ein Ehegatte das Testament schreibt und beide unterschreiben. Daneben gibt es die Möglichkeit der Testamentserrichtung beim Notar. Das notarielle Testament hat viele Vorteile: es kann nicht verloren gehen, die Geschäfts- und Testierfähigkeit wird vom Notar geprüft und bescheinigt, der Inhalt wird klar und juristisch eindeutig formuliert und der Notar berät bei der sinnvollen Nutzung der Gestaltungsmöglichkeiten. Außerdem spart die Errichtung eines notariellen Testaments den Erbschein. Das notarielle Testament genügt gemeinsam mit dem gerichtlichen Eröffnungsprotokoll als Nachweis der Erbenstellung gegenüber Banken, Behörden und Gerichten (Grundbuchamt und Handelsregister).
Welche Vorteile hat ein „Berliner Testament“?
Ein Berliner Testament ist nur Ehegatten vorbehalten. Dabei setzen sich die Eheleute gegenseitig zu Alleinerben ein und bestimmen die Kinder als Erben des Überlebenden. Der Vorteil liegt darin, dass der Überlebende nach dem Gesetz an den gemeinsamen Willen gebunden ist, man sich also auf die Verfügung des anderen verlassen kann. Eine Abänderungsbefugnis für den überlebenden Ehegatten ist allerdings regelbar. Ist sie nicht geregelt, ist das Testament nach dem Versterben des ersten Ehegatten bindend.
Was unterscheidet das Testament vom Erbvertrag?
Ein Erbvertrag bindet die Vertragspartner ähnlich wie das Berliner Testament. Es steht dagegen auch nicht Verheirateten offen (z.B. Lebensgefährten, Vater und Sohn etc.). Der Umfang der Bindung kann individuell gestaltet werden. Ein Erbvertrag ist immer notariell zu beurkunden.
Wann ist eine Testamentsvollstreckung ratsam?
Die Testamentsvollstreckung ist ein wichtiges Instrument der Testamentsgestaltung. Sie löst Probleme, die entstehen können, wenn z.B. die Erben noch minderjährig sind, Erbengemeinschaften oder behinderte Menschen als Erben bestimmt werden. Wichtig dabei ist, einen guten Vollstrecker zu benennen und diesem präzise Anweisungen zu erteilen. Als Testamentsvollstrecker können Notare, Rechtsanwälte, aber auch Angehörige tätig werden.
Wann sollte man ein Testament errichten?
Sofort nach qualifizierter Beratung, denn gerade bei jungen Leuten passt die gesetzliche Erbfolge selten. Für Notfallvorsorge ist es nie zu früh und je geringer das Vermögen umso preiswerter ist die notarielle Beratung. Ein Testament kann man zudem jederzeit ändern.

Meine Mutter hat vor 25 Jahren vor einem Notar des Staatlichen Notariats der DDR ein Testament errichtet. Ist das noch gültig, auch wenn sich die Vermögensverhältnisse geändert haben?
Testamente aus DDR-Zeiten sind nach wie vor gültig. Haben sich die Vermögens- oder Familienverhältnisse gravierend geändert, sollte der Inhalt überprüft und eventuell ein neues Testament erstellt werden.
Welche Rolle spielt eine Schenkung im Pflichtteilsrecht?
Pflichtteilberechtigte (Abkömmlinge, Ehegatten, Eltern), die beim Erbfall gesetzliche Erben wären, aber aufgrund letztwilliger Verfügung nichts oder zu wenig erhalten, haben einen Pflichtteilsanspruch. Er beträgt die Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbanteils. Die Berechnung erfolgt anhand des Netto-Nachlasses. Der Pflichtteil wird ausschließlich durch Geldzahlung erfüllt. Ein einvernehmlicher und notariell beurkundungspflichtiger Verzicht auf den Pflichtteil ist oft nicht erreichbar. Daher verringern potentielle Erblasser ihr Vermögen oft durch lebzeitige Übertragungen. Die Berücksichtigung unentgeltlich übertragener Gegenstände ist bei der Pflichtteilsberechnung erst ausgeschlossen, wenn seit Übertragung zehn Jahre vergangen (§ 2325 Abs. 3 HS. 1 BGB) sind. Diese Zehn-Jahresfrist beginnt nicht zu laufen bei Vorbehalt umfangreicher Rechte (Nießbrauch, Wohnungsrecht). Bei Übertragung auf Ehegatten beginnt die Zehn-Jahresfrist erst mit Beendigung der Ehe (§ 2325 Abs. 3 HS. 2 BGB).
Mein Freund und ich sind nicht verheiratet. Ich habe ein Kind, er drei. Derzeit investieren wir in den Bau eines Einfamilienhauses, das Grundstück dazu gehört mir. Wie können wir uns gegenseitig absichern, wenn einer von uns versterben sollte?
In nichtehelicher Lebensgemeinschaft sind Sie gegenseitig nicht erbberechtigt und müssen selbst tätig werden. Sie können jeder ein Testament zugunsten des anderen errichten. Der Nachteil besteht jedoch darin, dass jeder sein Testament ohne Wissen des anderen ändern kann. Empfehlenswert wäre ein notarieller Erbvertrag, mit dem beide Partner sich erbrechtlich binden und der nicht einseitig geändert oder widerrufen werden kann. Zu bedenken sind dabei die Pflichtteilsforderungen der jeweiligen Kinder sowie die erbschaftsteuerliche Belastung.
Mein Schwiegervater ist verstorben. Seine Frau lebt noch. Ein Testament hatte er nicht gemacht. Schwiegervater hatte aber mehrere Grundstücke, auf einem davon leben wir. Meine Frau hat noch einen Bruder. Was passiert jetzt?
Da kein Testament vorliegt, ist die gesetzliche Erbfolge eingetreten. Danach bilden die Ehefrau – also Ihre Schwiegermutter – zur Hälfte und beide Kinder des Vaters mit je einem Viertel eine Erbengemeinschaft. Die drei Mitglieder der Erbengemeinschaft müssen sich einigen, wie der Nachlass insgesamt auseinandergesetzt werden soll und somit auch, was mit den Grundstücken passieren soll. Die Einigung ist in einem Erbauseinandersetzungsvertrag festzuhalten, der notariell zu beurkunden ist.
Meine Frau und ich haben gemeinsam ein Grundstück auf dem ein Kredit lastet, den wir beide abtragen. Unsere beiden Kinder sind noch minderjährig. Wie sorgen wir erbrechtlich vor?
Sie sollten dafür Sorge tragen, dass keine Erbengemeinschaft entsteht, da die Kinder noch minderjährig sind. Bei jeder Entscheidung zum Grundstück würde dann das Familiengericht mit am Tisch sitzen. Eine Erbengemeinschaft entsteht, wenn Sie nichts tun und im Todesfall eines Ehepartners die gesetzliche Erbfolge eintritt. Empfehlenswert ist die Errichtung eines gemeinschaftlichen Testamentes oder eines notariellen Erbvertrages mit gegenseitiger Erbeinsetzung. Da zum künftigen Nachlass ein Grundstück gehört, sollte das Testament beim Notar errichtet werden. Das erspart den Erbschein.

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