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Bundesverdienstkreuz : Die Welt ein bisschen besser bauen

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Schweriner Architekt Joachim Brenncke wird heute mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet

Joachim Brenncke ist ein Glückspilz: Aufgewachsen auf dem Hof der Familie in Wulfsahl bei Parchim prägte den heute 60-Jährigen die religiöse Erziehung der Großmutter und der tiefe Glaube, dass jeder Verantwortung für andere und für das Gemeinwohl zu tragen hat.

Mit einem Spitzen-Abitur ergatterte er einen der wenigen Architektur-Studienplätze der DDR in der Bauhausstadt Weimar. „Der christliche Ansatz meiner Herkunft plus die Architektur, das zusammen ergibt die Chance und den Antrieb für mich, die Welt besser machen zu wollen“, sagt er.

Mit dem Ingenieurs-Diplom in der Tasche bekam der frisch gebackene Architekt 1983 im Schweriner Stadtbaubetrieb eine Stelle. Doch mit seinen Ideen biss er dort oft auf Granit. „Ich wollte keinen gesellschaftlichen Widerstand, nur, dass das was wir bauen auch funktioniert und Zukunft hat“, erinnert er sich. Und dass die bauliche Vergangenheit Ostdeutschlands nicht ausgelöscht wird und dafür Geschichtslosigkeit in Städten und Dörfern durch profanes Bauen Einzug hält.

Mit eigenen Händen stemmte er sich in den Achtzigern gegen den Verfall eines der ältesten Gebäude der Schweriner Schelfstadt – des 1698 errichteten Fachwerkhauses Puschkinstraße 20. Mit Pappe stopfte er Löcher im Dach zu und hielt das Gebäude trocken. Schließlich empfahl sein Gutachten nicht den von der Stadt geforderten Abriss, sondern den Erhalt, während Nachbarhäuser gesprengt wurden. Die Initiative „Rettet die Schelfstadt“ rief die Bürger auf den Plan, mit dabei auch Brenncke.

Letztlich sei es aber die Wende 1989 gewesen, die diesen Stadtteil Schwerins am Leben hielt, sagt er. Er machte sich bereits am 1. Mai 1990 als einer der Ersten seiner Zunft selbstständig. Sein erster Auftrag als freier Architekt kam von der Stadt: So übernahm Brenncke die Notsicherung seines „Schützlings“ in der Puschkinstraße 20. „Ein Herzenswunsch ging in Erfüllung, das Haus blieb.“ Heute ist es privatisiert, saniert und beherbergt Wohnungen.

Daneben trat Brenncke vehement für seinen Berufsstand ein. „Es ging darum, den Architekten wieder eine Stimme zu geben.“ Er gehört zu den Mitbegründern der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern. Seit 1991 ist er deren Präsident und seit 2001 Vizepräsident der Bundesarchitektenkammer. Seit 2007 gestaltet Brenncke die Akademie für Nachhaltige Entwicklung im Land maßgeblich inhaltlich mit. Ehrenamtlich berät er ländliche Gemeinden mit einem „mobilen Gestaltungsbeirat“, hält Vorträge über die Wechselwirkung von Zukunftsfähigkeit ländlicher Räume und Baukultur.

„Vor allem an der Küste müssen wir aufpassen, dass wir unsere gebaute Identität nicht verlieren“, warnt der Experte. Mit dem anhaltenden Bauboom drohe in manchen Ostseebädern eine „Versiegelung in der Fläche“. Die Tendenz zum historisierenden, teilweise billigen Bauen sogenannter Kulissenarchitektur bereite ihm Bauchschmerzen, sagt der Kammerpräsident.

Anlässlich des Tages der Deutschen Einheit erhält der Schweriner am heutigen Mittwoch in Berlin das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland. Sein Ziel sei es, die Zukunftsfähigkeit des ländlichen Raums zu stärken und die Identität einer Region zu erhalten, heißt es zur Begründung. Er freue sich sehr über die Auszeichnung, sagt Brenncke. „Sie ist eine Anerkennung für ehrenamtliches Engagement.“

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