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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 05:05 Uhr

Die Weiße kann Luganda

vom

svz.de von
erstellt am 14.Feb.2012 | 05:01 Uhr

Kampala | Deutschland bibbert sich durchs Wintergrau, doch in Ostafrika hat sich das Wetter kaum verändert. Es zeigt sich unverändert sommerlich warm. 18 Grad plus. Nach fünf Monaten ist es Zeit, für einen Besuch von Daheim. Während ich mit meiner Familie durchs Land reise, sind vor allem die Unterschiede zwischen Deutschland und Uganda wieder stärker in mein Bewusstsein gerückt. Meine Zeit im Land war mehr als ausreichend, um sich an so einige Dinge zu gewöhnen: Schon lange drehe ich mich nicht mehr staunend nach Motorradtaxis um, die sich mit 20 Matratzen beladen durch den ugandischen Verkehr schlängeln. Es ist völlig normal, dass gelegentlich eine ganze Familie mit Sack und Pack auf diesen BodaBodas, wie sie genannt werden, an mir vorbeizieht.

Während meine Eltern sich mit großen Augen umschauen, gehören Hühner, die lebendig kopfüber von Fahrradlenkern baumeln, freilaufende Langhornrinder am Straßenrand, in farbenprächtige Gewänder gekleidete Frauen mit Wasserkanistern auf dem Kopf und Sandstraßen mit halben Meter tiefen Schlaglöchern zu meinem Alltagsbild.

Der Verkehr hier ist ohnehin ein Thema für sich. Mein Vater nannte ihn ein einziges Chaos, worauf ich nur lächelnd antworten konnte: "Aber ein funktionierendes Chaos." In Uganda gibt es keinen Schienenverkehr und deswegen läuft alles über Autotaxis, ausrangierte Kleinbusse aus Japan, die wir Matatus nennen, und BodaBodas, kleine Motorradtaxis. Es gibt weder Fahrpläne noch Bushaltestellen, geschweige denn Abfahrtszeiten und doch kommt man überall zügig los und auch überall an. Allerdings muss man dafür in Kauf nehmen, mit 20 weiteren Menschen in einem Kleinbus eingequetscht zu sein, der in Deutschland ganz sicher niemals durch den TÜV gehen würde.

Auch halte ich schon lange nicht mehr die Luft an oder kralle mich in meinen Sitz, wenn ich den Verkehr in Kampala beobachte. Bis jetzt habe ich in der gesamten Hauptstadt nur drei Ampeln entdeckt. Sonst gelten im Verkehr einfache animalische Regeln: Das Recht des Stärkeren und das Recht des Schnelleren. Auch Hupen statt Bremsen ist eine sehr gängige Methode. Diese Tatsachen machen das Überqueren einer großen Straße oder das Bodafahren stets zu einem gefährliches Abenteuer und fordern vollste Aufmerksamkeit.

Eine weitere Besonderheit beobachte ich oft aus dem Taxi: Das komplette Leben in Uganda findet am Straßenrand statt und so herrscht reges Treiben bis tief in die Nacht. Es wird gearbeitet, an der einen Ecke wird Holz gehobelt, es werden Tore geschweißt und gleich daneben werden auf alten Autofelgen Pommes oder Cassava frittiert. Kinder spielen mit alten Fahrradreifen oder basteln sich aus Bananenfasern ein Gummitwist, Männer spielen Mensch-Ärger-Dich-Nicht und zwischen diesem Wirrwarr tummeln sich auch noch Nutztiere, wie Hühner, Kühe und Ziegen. Die Straßenränder sind kilometerlang von unzähligen kleinen Geschäften gesäumt, die, da sie keinen Stromanschluss haben, nachts nur spärlich von Kerzenlicht beleuchtet werden. Trotz der vielen Unterschiede fühle ich mich hier immer noch sehr wohl, und wenn ich in besagten Geschäften am Straßenrand die Preise auf der lokalen Stammessprache Luganda verhandle, gelten mir dabei oft erstaunte Rufe wie "omuzungu amanyo luganda", die Weiße kann Luganda.

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