Vor 300 Jahren wurde Schwedens Handelsflotte vernichtet : Die Wahrheit über die Seeschlacht vor Rügen

Einträge des historischen Logbuchs der Fregatte 'Lossen'dapd
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Einträge des historischen Logbuchs der Fregatte "Lossen"dapd

In den Archiven von Kopenhagen und Stockholm stieß der Historiker Joachim Krüger jetzt auf teilweise unbekannte Dokumente über den Verlauf einer Seeschlacht, die sich an diesem Wochenende zum 300. Male jährt.

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28. September 2012, 07:39 Uhr

Dranske/Kopenhagen | Als in der Nacht zum 29. September 1712 der Wind auf Südwest drehte, war das Schicksal der vor Rügen liegenden schwedischen Handelsflotte besiegelt. Mit 16 segelnden Kriegsschiffen, sogenannten Linienschiffen, und mehreren Fregatten machte der dänische Admiral Ulrik Christian Gyldenlove Jagd auf die vor Dranske ankernden Transportsegler.

"Zwei Tage lang dauerte die gewaltige Seeschlacht, an deren Ende 19 bis 20 schwedische Handelsschiffe geentert und weitere 40 verbrannt, zerstört und versenkt wurden", sagt Joachim Krüger. In den Archiven von Kopenhagen und Stockholm stieß der Historiker jetzt auf teilweise unbekannte Dokumente über den Verlauf einer Seeschlacht, die sich an diesem Wochenende zum 300. Male jährt.

Krüger sichtete 300 Jahre alte Logbücher der dänischen Sieger, las Kriegsberichte der beiden kommandierenden Admirale und entdeckte sogar Aufzeichnungen des damaligen Kommandanten der schwedischen Transportflotte, Jacob Krekel. "Alles zusammengenommen ergibt jetzt ein stimmiges Puzzle über das Kampfgeschehen", sagt der 40-Jährige. Bisher bekannte Berichte hätten sich widersprochen, weil sich jede der Seiten als Sieger gefeiert habe. "Aber die verheerende Niederlage der Schweden ist eindeutig."

Im Sommer 1712 hatte der schwedische General Magnus Stenbock von König Karl XII. den Auftrag erhalten, Schwedisch-Pommern gegen die Koalition von Dänen, Polen, Russen und Sachsen zu verteidigen. In Karlshamn stellte er eine 10 000 Mann starke Armee zusammen, die mit 110 Transport- und Versorgungsseglern und unter dem Schutz von 24 Linienschiffen nach Rügen übersetzte. Kurz darauf vernichteten die Dänen die gegnerische Flotte.

Auch drei Jahrhunderte später finden sich noch Reste im drei Meter tiefen Wasser vor Dranske. Nur 50 bis 300 Meter vom Ufer entfernt seien bei wissenschaftlichen Tauchgängen teilweise im Sand steckende Wrackschalen entdeckt worden, bestätigt der Chef von Mecklenburg-Vorpommerns Landesverband für Unterwasserarchäologie, Kai Schaake. "Untersuchungen der Eichenhölzer ergaben, dass die um 1673 geschlagenen Bäume aus der südschwedischen Provinz Schonen stammten."

Auch Brandspuren und Bauweise deuteten eindeutig auf Fahrzeuge aus jener Schlacht. Die Taucher stießen auch auf Überreste eines etwa 20 Meter langen Wracks. Sie vermuten, dass es sich um die schwedische Brigg "Wäduren" handelt, die laut der jetzt gesichteten Aufzeichnungen am 30. September 1712 von den Dänen versenkt worden war. "Insgesamt vermuten wir in dem Seegebiet fast 40 Wracks, sagt Schaake. Sie sollen noch genauer untersucht werden.

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