Bundesintegrationspreis : Die Vorzeigeschule aus Rostock

Meriam Muhamad (l.) aus Jordanien (9) und Shana Kaur aus Indien (10) im Englischunterricht
Meriam Muhamad (l.) aus Jordanien (9) und Shana Kaur aus Indien (10) im Englischunterricht

Integration und Förderung: Grundschule Schmarl für Bundespreis nominiert. 300 Mädchen und Jungen aus fast 20 Ländern lernen dort

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20. November 2017, 05:00 Uhr

Heute dreht sich in der 4a an der Grundschule in Rostock-Schmarl alles ums Haustier. Die zehnjährige Amy erzählt auf Englisch von ihrem Hund Josh – und das klingt noch etwas holprig, aber immerhin sitzen fast alle Vokabeln. Dann tritt Meriam, deren Eltern aus Jordanien stammen, vor die Klasse und danach Shana, die zu Hause Hindi spricht. In der Grundschule ist dieser Nationalitätenmix völlig normal. Fast 300 Kinder aus 20 Nationen lernen in Schmarl, einem „Problemviertel“ Rostocks, das Alphabet, Rechnen und gleichzeitig einen respektvollen Umgang mit anderen.

Dafür gab es bereits Anfang Oktober den Deichmann-Förderpreis für Integration auf Landesebene. „In der Schule übernehmen Kinder und Lehrer Verantwortung für das Klima an ihrer Schule“, lobte damals Sozialministerin Stefanie Drese (SPD). Nun ist die Schule für den Bundespreis der Deichmann-Stiftung in der Kategorie „Schulische Präventivmaßnahmen“ nominiert. „Mit dem Preisgeld könnten wir mit den Kindern wieder in den Zoo, ins Theater, ins Museum“, sagt Schulleiterin Martina Kelsch. Das könnten sich die meisten Familien nicht leisten.

Diana mit russischen und ukrainischen Wurzeln und Shana sind beste Freundinnen. Beiden ist es egal, dass sie nicht die gleiche Hautfarbe haben. Wichtig ist, dass sie immer füreinander da sind und gemeinsam spielen können, sagen beide. Kinder, deren Eltern nicht in Deutschland geboren sind, erklärt Kelsch, bekommen pro Woche zehn Stunden „Deutsch als Zweitsprache“. Sie seien voller Ehrgeiz dabei.

Leonie, die im Englischunterricht vier Reihen weiter sitzt, sagt: „Ich wünsche mir weniger Streit auf dem Hof.“ Und hier setzt die Schule darauf, dass die Kinder gegenseitig Verantwortung übernehmen.

Sozialarbeiterin Juliane Haupt hat sie zu Streitschlichtern ausgebildet: „Jeden Tag haben zwei Kinder Dienst in Warnwesten“. Gibt es irgendwo in der Pause Ärger, können die Kinder zu ihnen kommen. „Die Kinder regulieren sich untereinander“, sagt Haupt.

Integration ist an dieser Schule ein Gesamtpaket: Kinder mit Lernschwächen unterstützen, Sozialkompetenz vermitteln, zuhören und Regeln einhalten, damit kein Rassismus aufkommt. Sollten doch einmal rassistische Äußerungen fallen, gibt es Projekte und Gespräche.

Wer durch die Schule geht, dem fällt auf: Die Lehrerinnen geben ihr Wissen mit einem Strahlen weiter. Schulleiterin Martina Kelsch sagt, ohne ihr Team aus knapp 20 Lehrerinnen, Sozialarbeitern und Bundesfreiwilligen würde das alles nicht funktionieren: „Bei uns wird ein Selbstverständnis vorausgesetzt, die Schüler so zu akzeptieren, wie sie sind.“

Die Jury des Förderpreises hat sich laut Projektleiter Ulrich Effing für die Nominierung der Schmarler Grundschule entschieden, weil sie an den richtigen Stellen ansetzt: „Neben der schulischen Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund und Kindern mit mehrfachen Lernbehinderungen und Entwicklungsverzögerungen, werden auch die sozialen Fähigkeiten der Schüler gefördert.“

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