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Goldberger gedenken der Opfer : Die unvergessene Tragödie

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auf den Tag genau jährt sich der Teileinsturz der Walter-Husemann-Schule. Goldberger gedenken heute der Opfer

„Für mich ist der Schuleinsturz ein Stück meines Lebens, er wird mich immer begleiten! Es war an einem Freitag, dem 13. August 2004, um 11.42 Uhr.“ Dies hat Jessica Appelt, damals Schülerin der Walter-Husemann-Regionalschule Goldberg in einem Brief geschrieben. Heute, auf den Tag genau zehn Jahre nach dem Unglück, sind diese Zeilen noch immer auf der Internetseite der Schule zu finden.

Die Nachricht vom Schuleinsturz in Goldberg verbreitete sich damals deutschlandweit. Auch Pastor Kornelius Taetow erinnert sich, obwohl er noch gar kein Pastor in der Region war. „Ich befand mich damals noch in der Ausbildung“, erzählt er. Heute Abend um 19 Uhr will er in der Evangelischen Kirche Goldberg an das Unglück erinnern, der Verunglückten gedenken. Auch Peer Grützmacher – damals noch kein Bürgermeister der Stadt – kann sich noch gut an den Tag erinnern. „Ich habe die Nacht danach kaum geschlafen, war froh darüber, dass den Lehrern und Schülern nichts passiert war. Dennoch sind fünf Menschen gestorben. Das ist noch heute schlimm“, sagt der heutige Bürgermeister der Stadt Goldberg.

„Der Schuleinsturz war sehr hart für mich. Als die Schule am 13. August 2004 um 11.42 Uhr eingestürzt ist, saß ich im Kunstraum und hatte gerade AWT. Auf einmal vibrierte alles. Jeder aus meiner Klasse war erschrocken. Dann sahen wir die große Staubwolke. ... Frau Hög stürzte in den Raum und sagte ganz aufgelöst: ,Alle ganz schnell raus!‘“, erinnert sich eine andere Schülerin. Auch Schulleiterin Gisela Hög schrieb in einem Brief ihre Gedanken zur Tragödie damals auf: „Gegen 11.40 Uhr erschüttert ein dumpfes Dröhnen das Schulhaus. Ich stürze aus dem Sekretariat und sehe nur noch Trümmer, Staub und Teile eines herabgerissenen Gerüstes. Unfassbar! Der hintere Gebäudeteil ist eingestürzt. In meinem Kopf hämmerte es – Evakuierung! Innerhalb von vier Minuten ist das Schulhaus leer. Wenig später habe ich Gewissheit. Kein Schüler und kein Lehrer ist verletzt.“ Doch fünf Bauarbeiter verlieren am 13. August vor zehn Jahren  ihr Leben, fünf weitere werden schwer verletzt.

Der Verunglückten soll heute gedacht werden. „Jedes Jahr treffen wir uns am Schulgebäude, um  11.40 Uhr – zum Zeitpunkt des Einsturzes“, erzählt Bürgermeister Peer Grützmacher. An die Verstorbenen erinnern auch  fünf Stieleichen, die die Stadt damals vor dem neuen Haupteingang der Regionalschule gepflanzt hatte. „Als Träger haben wir eine Verantwortung, der wir jedes Jahr am 13. August nachkommen. Ich persönlich finde es ein schönes Symbol, mit Eichen, mit etwas Lebendigem an die Opfer der Katastrophe zu erinnern“, so Peer Grützmacher.

Auch der damalige Kreiswehrführer Dietmar Arendt kann sich an den Einsturz erinnern – so als wäre es erst gestern gewesen: „Als Kreisbrandmeister hatte ich mit vielen anderen Kameraden und mehreren zivilen Kräften den größten Einsatz als Einsatzleiter zu bewältigen. In meiner 13-jährigen Tätigkeit als Kreiswehrführer war es ein einschneidendes Geschehnis.“

Der Schuleinsturz beschäftigte  im Nachgang die Justiz. Der  Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe bestätigte die Urteile des Landgerichts Schwerin vom Juli 2007, indem er die Revisionsanträge verwarf. Grund für den Einsturz war demnach, dass beim Abbruch einer tragenden Wand im Erdgeschoss die Abstützung unzureichend war. Nach den „rechtsfehlerfreien Feststellungen des Landgerichts“ trug laut BGH der Bauunternehmer die Hauptverantwortung für die Bausicherheit. Der Mann wurde  wegen vorsätzlicher Baugefährdung, fahrlässiger Tötung und Körperverletzung zu zweieinhalbjähriger Haft verurteilt, zwei Mitangeklagte dagegen  freigesprochen.

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