Kolumne von Theresia Crone : Die unterschätzte Generation

Unsere Gastautorin ist 17 Jahre alt und Vorsitzende des Rates für Umwelt und Nachhaltigkeit MV (kurz: RUN).

von
21. April 2020, 05:00 Uhr

Meiner Generation wird oft nachgesagt, dass wir egoistisch sind. Als am Sonntag der Hashtag „Schulboykott“ in den Twitter-Trends war, müssen sich viele ähnliche Gedanken gemacht haben. Ein oft genannter Vorwurf: Die Schüler haben einfach nur keine Lust auf Schule.

Auch meine älteren Brüder haben besonders viel Spaß mir zu erklären, dass ich aus einer anderen Generation sei, nur weil ich nach der Jahrtausendwende geboren wurde. Ich sei mit sozialen Medien aufgewachsen und dort ginge es sowieso nur um Selbstdarstellung. Ja, meine Generation sei egoistisch und selbstzentriert.

Oft habe ich mir selbst schon an den Kopf gefasst, wenn ich Gleichaltrige gesehen habe, die stundenlang ihre Selfies bearbeiten, um sie dann auf Instagram hochzuladen. In solchen Momenten erinnern meine Brüder mich zu gerne daran, dass ich nicht viel besser bin.

Und dann gibt es Momente, in denen ich so stolz bin, Teil genau dieser Generation zu sein. Als ich am Sonntag in die Twitter Trends geguckt habe, hatte ich genau dieses Gefühl. Egal, was man von dem Anliegen, die Schulen länger geschlossen zu halten, denkt, ist es beeindruckend, dass Schülerinnen und Schüler sich einbringen. Viele haben Angst, Familienmitglieder, die zu den Risikogruppen gehören, zu infizieren. Sie machen sich für ein Anliegen stark, das in der Motivation alles andere als egoistisch ist. Sicherlich gibt es auch ein paar Schüler, die einfach nur länger „Corona-Ferien“ haben wollen, aber die große Mehrheit macht sich begründete Sorgen. – Schon wieder. Denn bereits mit dem Aufschwung der Klimabewegung hat meine Generation bewiesen, dass wir eben doch mehr können, als Selfies bearbeiten. Mit den Klimaprotesten haben wir schon gezeigt: Wir verstehen unter Demokratie ein Mitspracherecht, was über „alle vier Jahre Wahlen“ hinausgeht. Uns ist wichtig, dass unsere Sorgen ernst genommen werden, besonders wenn es um unsere Zukunft geht.

Am Sonntag wurde mir also klar, das, was meine Generation eigentlich bewegt, ist alles andere als egoistisch. Auch wenn wir Jugendlichen noch einiges lernen können, mache ich mir keine Sorgen mehr darum, ob wir etwas von Demokratie verstehen, ob wir egoistisch oder unpolitisch sind.
Wenn meine Brüder mich also das nächste Mal aufziehen, werde ich die Selfiebearbeitung unterbrechen und sie genüsslich fragen: „Was hat eure Generation denn schon politisch erreicht?“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen