dokumentART in Neubrandenburg : Die Unterdrückung der Frau

Der weibliche Körper als soziales Konstrukt: Der Film „Infinite Galatea (Galatea endlos)“ überzeugte die Festival-Jury.
Der weibliche Körper als soziales Konstrukt: Der Film „Infinite Galatea (Galatea endlos)“ überzeugte die Festival-Jury.

„Infinite Galatea“: Film zu männerdominiertem Frauenbild gewinnt dokumentART-Hauptpreis

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21. Oktober 2018, 21:00 Uhr

Der französisch-spanische Film „Infinite Galatea (Galatea endlos)“ hat den Hauptpreis des 27. Europäischen Filmfestivals dokumentART in Neubrandenburg gewonnen. „Der Film ist ein Statement zur jahrhundertelangen Unterdrückung der Frau“, sagte Anja Ellenberger von der internationalen Festival-Jury gestern vor Journalisten. Galatea gilt in der griechischen Mythologie als „perfekte Frau“.

Die Produktion sei ein visuelles Essay über den weiblichen Körper und Frauen, deren gesellschaftliches Bild über Jahrhunderte von der männlich dominierten Wissenschaft bestimmt worden sei. Im Wettbewerb waren 44 Filme aus 17 Ländern.

Der 16-Minuten-Collagen-Siegerfilm wurde von den jungen Filmemacherinnen Maria Chatzi, Fatima Flores, Julia Maura, Mariangela Pluchino und Ambra Reijnen gedreht. Sie nutzen historisch-wissenschaftliche Abbildungen und Bilder der heutigen Sexindustrie. Gezeigt wird der weibliche Körper als soziales Konstrukt, das durch die Gynäkologie als Wissenschaft nach deren Vorstellung von Geschlecht, Sexualität und Begierde ideologisch geformt wurde.„Der Film kritisiert die patriarchalische Deutungshoheit anhand einer innovativen Bildsprache“, urteilte die Jury. „Es war ein unheimlich starker Wettbewerb“, erklärte Ellenberger. Die Entscheidung der Jury sei aber schnell und klar für „Infinite Galatea“ gefallen. Der Latücht-Hauptpreis des Schweriner Bildungsministeriums ist mit 5000 Euro dotiert.

Der mit 2000 Euro dotierte Preis für den mutigsten und gesellschaftlich besonders ambitionierten Film ging an die Iranerin Maryam Tafkory. Sie stelle in „Absent Wound (Abwesende Wunde)“ eine junge persische Frau und den Militärdienst im Iran gegenüber. Damit rücke die Trennung von männlichen und weiblichen Räumen in ihrer Heimat in den Blickpunkt. Die in London lebende Tafkory habe ihren Film in ihrem Heimatland nicht zeigen dürfen, hieß es. „Wir sind sehr zufrieden mit dieser Festivalausgabe“, sagte die neue Filmfestleiterin Sarah Adam. Mit allein 30 Filmemachern habe es sehr lebhafte Diskussionen gegeben. Das unterstreiche die Bedeutung des Europäischen Filmfestes in der deutschen Filmszene. Mit 2300 Filmen hatte es einen Bewerberrekord gegeben. An vier Tagen seien rund 3000 Besucher gezählt worden.

Weitere Preise gingen an „Oh Brother octopus (Oh Bruder Tintenfisch)“ des Kölner Studenten Florian Kunert und an „Last Days in Shibati (Letzte Tage in Shibati)“ des Franzosen Hendrick Dussolier. Kunert schuf einen Film über die Verschmutzung der Meere; der Franzose porträtierte Menschen in einem Stadtviertel im chinesischen Shibati, das abgerissen werden wird.

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