Schwerin : Die Uhr für das Theater tickt

Das Staatstheater Schwerin ist unter finanziellem Druck - schaffen Stadt und Land die Reform nicht, droht die Pleite. Collage: dens
Das Staatstheater Schwerin ist unter finanziellem Druck - schaffen Stadt und Land die Reform nicht, droht die Pleite. Collage: dens

von
30. Mai 2013, 09:00 Uhr

Schwerin | Es war wieder nur ein "Zwischenbericht". Aber es dauerte: Rund drei Stunden saßen Vertreter von Landesregierung, Kultusministerium, Stadt und der Beratungsfirma Metrum bis in den Mittwochabend zusammen. Thema war der Stand der Untersuchung von Metrum zur zukünftigen Struktur eines "Staatstheaters Mecklenburg".

Die Zeit drängt, denn dem zwar vom Land mitfinanzierten, aber kommunal getragenen Staatstheater Schwerin droht im nächsten Jahr erneut ein Millionen-Defizit. OB Angelika Gramkow machte klar, dass bis September der neue Wirtschaftsplan des Theaters stehen müsse und ebenso die Entscheidung über tragfähige neue Strukturen: "Wenn wir das nicht schaffen, ist das Theater insolvent."

Hintergrund: Die Landesregierung hatte von der Beraterfirma Metrum neun Theaterreform-Konzepte erarbeiten lassen und sich schließlich auf die Detailprüfung der "Staatstheater"-Variante geeinigt. Dabei sollen jeweils in Mecklenburg und Vorpommern die Theater fusionieren und größtenteils in Landesträgerschaft übergehen. Ziel ist es, so viele Stellen und damit Geld einzusparen, dass die beim derzeitigen Zuschnitt der Theater und vor allem der Theaterförderung des Landes (seit 1994 pro Jahr 35,8 Millionen Euro) drohenden Millionen-Defizite beherrschbar bleiben. Der Haken an der Sache: Die Hansestadt Rostock als Träger des Volkstheaters verweigerte sich einer entsprechenden Absichtserklärung - "Letter of Intent" - mit Schwerin und dem Kultusministerium. Die Fusion des Schweriner mit dem Rostocker Theater ist deshalb vorerst vom Tisch.

Details wollten nach der Runde mit Metrum am Mittwochabend weder Staatssekretär Sebastian Schröder (SPD), noch Schwerins OB Angelika Gramkow (Linke) nennen. Es sei ja nur ein Zwischenbericht, so Schröder. Nur soviel: "Die Vorgabe war, dass Metrum sich überlegen soll, wie ein Stellenabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen sozialverträglich zu gestalten wäre." Heißt: Wiederbesetzungssperren bei freiwerdenden Stellen. Kommen nun die vom einst für die Landeshauptstadt erstellten Theater-Sanierungskonzept avisierten 79 Stellenstreichungen wieder ins Spiel? "Diese Zahl spielt natürlich eine Rolle", so Gramkow. Grundsätzlich, so betonten Staatssekretär und Oberbürgermeisterin, sollten alle Sparten des Theaters erhalten bleiben.

Schröder und Gramkow bestätigten die bereits von unserer Zeitung öffentlich gemachten Metrum-Ideen: Fusion mit dem Landestheater in Parchim und Verlagerung des Kinder- und Jugendtheaters sowie der niederdeutschen Fritz-Reuter-Bühne nach Parchim, eventuell auch die Ausgliederung der Schlossfestspiele aus dem Theater. Letzteres vor allem, um zu verhindern, dass eine verregnete Saison den gesamten Finanzplan des Staatstheaters ins Wanken bringt. "Das ist der Stand", so Schröder. Gramkow betonte, die Diskussion mit dem Landkreis Ludwigslust-Parchim als Träger des Parchimer Theaters solle "auf Augenhöhe" stattfinden: "Das bedingt ganz klar, dass wir auch Zugeständnisse machen." Und das Orchester? Eine Abstufung von Traifgruppe A auf B sei weiterhin eine Option, aber bisher kein festgeschriebens Ziel, hieß es.

Wie das "Staatstheater Mecklenburg" in Zukunft aussehen könnte, soll die Beraterfirma Metrum bis Ende Juni/Anfang Juli endgültig ausarbeiten. Eigentlich hatte das Kultusministerium bisher von Ende Mai als Liefertermin für das Konzept gesprochen. "Es gilt: Sorgfalt vor Eile", so Staatssekretär Schröder nun. Angesichts des dem Staatstheater bereits im nächsten Jahr drohenden Drei-Millionen-Euro-Defizits machte OB Angelika Gramkow aber klar, dass bis September eine belastbare Perspektive hermüsse. Immerhin: Sie sei da optimistisch.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen