Sommerzeit ist Gaunerzeit : Die Tricks der Ferienhaus-Betrüger

Die Polizei warnt auch in dieser Urlaubssaison vor falschen Vermietern an der Ostsee. Mehrere Touristen wurden bereits abgezockt

svz.de von
20. August 2016, 05:00 Uhr

Vielleicht hätten bei Elisabeth M.* die Alarmglocken klingeln müssen - die Konditionen in der Internet-Anzeige für das Ferienhaus im größten Seebad auf der Insel Rügen waren auffallend günstig. Mitten in der Hauptsaison sollte die Unterkunft in Binz für 11 Tage knapp 400 Euro kosten. Ein wahres Schnäppchen. Die Frau buchte, überwies das Geld und machte sich auf zur Ostsee. Doch die Reise ins Ostseebad endete bereits kurz nach der Ankunft mit einer bitteren Enttäuschung.

Das angepriesene Ferienhaus existierte gar nicht. Unter der angegebenen Adresse stand keine Unterkunft für Urlauber, sondern ein privates Wohnhaus. Elisabeth M. versuchte noch den vermeintlichen Vermieter zu erreichen, der hatte ihr schließlich eine Telefonnummer hinterlassen. „Da hat natürlich keiner abgenommen“, weiß Polizeisprecherin Ilka Pflüger in Stralsund. Elisabeth M. war auf einen Betrüger hereingefallen, der sich auf die Abzocke mit falschen Ferienwohnungen spezialisiert hatte.

Die Gauner, die mit dieser Masche arbeiten, sind vor allem in der Urlaubsaison aktiv. Aufs Korn nehmen sie häufig Ostsee-Urlauber. Erst im Juli war ein Ehepaar aus Sachsen den Kriminellen auf den Leim gegangen. Das Paar war auf der Internet-Plattform ebay auf eine Ferienwohnung in Zinnowitz für 360 Euro gestoßen. Ein Mann hatte die Unterkunft angeboten, weil seine Frau angeblich plötzlich erkrankt war. Das Ehepaar willigte ein. Das Geschäft wurde über ein Prozedere abgewickelt, dass laut Anklamer Polizeisprecher Axel Falkenberg „schon sehr nach Betrug riecht“. Die Urlauber und der Betrüger vereinbarten eine Schlüssel- und Bargeldübergabe an einem öffentlichen Ort in Sachsen. „In seriösen Kreisen ist das absolut unüblich“, sagt Falkenberg. Aber die Freude über das Schnäppchen sei vermutlich größer gewesen als die Skepsis. Und immerhin wurde dem Touristen-Paar sogar ein Schlüssel ausgehändigt. Nur der passte nicht ins Schloss der Ferienwohnung.

Bereits wenige Wochen zuvor hatte sich ein ähnlicher Fall in der Region ereignet. Ein anderes Opfer hatte sich Anfang Mai gemeldet. Der Polizei in Stralsund sind für den Ort Binz bislang 12 Fälle bekannt. Der Gesamtschaden liegt bei 3000 Euro. „Verbindungen zu den einzelnen Vorfällen werden natürlich geprüft“, betont Polizeisprecherin Pflüger. Wie viele Menschen bislang in Mecklenburg-Vorpommern auf falsche Vermieter hereingefallen sind, ist derzeit nur schwer zu ermitteln. Das Landeskriminalamt kann dazu lediglich sagen: „Seit einigen Jahren kommt es bundesweit vermehrt zu Anzeigen im Zusammenhang mit dem Anbieten von Ferienwohnungen im Ostseeraum.“

Die Maschen der Betrüger sind nicht immer sofort zu durchschauen. „Sie sind sehr erfinderisch“, sagt Axel Falkenberg. Die Täter würden sich beispielsweise Fotos von echten Ferienwohnungen aus dem Netz ziehen und dann auf selbst erstellten Internetseiten veröffentlichen. Aber auch auf vermeintlich sicheren Vermittlungsportalen treiben sie mitunter ihr Unwesen, etwa indem sie die Zugangsdaten der echten Vermieter hacken und dann deren Accounts übernehmen.

Ermittlungen gegen die FeWo-Betrüger gestalten sich alles andere als einfach. Vor allem wenn die Täter im Internet agieren und der Kontakt mit den Opfern ausschließlich schriftlich erfolgt, wird es für die Ermittler schwierig, ihnen auf die Schliche zu kommen. „Die können dann theoretisch überall sitzen und die Taten begehen“, erläutert Ilka Pflüger. Die geprellten Urlauber könnten dann auch keine Personenbeschreibung abgeben. Die Ermittlungen würden dadurch sehr aufwendig.

Einer der größten Schwindler in diesem Metier hielt die Polizei fast zwei Jahre lang auf Trab. 2014 waren in der Region Kühlungsborn 60 Urlauber mit falschen Ferienwohnungen übers Ohr gehauen worden. Der Schaden betrug rund 50 000 Euro. Nach den Tätern wurde sogar mit Phantombildern gefahndet. Erst im März 2016 konnte die Betrugsserie aufgeklärt werden. Die entscheidende Spur zum Hauptverantwortlichen erhielten die Fahnder nach einem Beitrag in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“. Nach der erneuten Veröffentlichung eines Phantombildes und eines Bandes mit seiner Stimme waren mehrere Hinweise eingegangen. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Tatverdächtigen Anklage wegen Betruges erhoben. Er soll geständig sein. Der Prozess ist für die kommende Woche vor dem Amtsgericht in Rostock angesetzt. Doch Nachahmer sind längst aktiv, wie die jüng-sten Fälle zeigen.

*Name geändert

 So wird die Wohnung  sicher reserviert

• Vorsicht, wenn der  komplette Mietpreis im Voraus verlangt wird. Üblich sind eher 10 bis 30 Prozent des Gesamtmietpreises.   Noch besser: Erst bezahlen, wenn das Feriendomizil  bezogen wird.

• Skepsis ist angebracht, wenn bei Angeboten   nur eine E-Mail-Adresse und/oder eine Handy-Nummer angegeben ist. Eigentlich sollte die vollständige Adresse und alle Kontaktdaten des Anbieters,Vermieters oder der Agentur angegeben sein. Genauso wie die Geschäftsbedingungen.

• Die für das Domizil  angegebene Adresse  über Google Maps lokalisieren und nachschauen, ob dort überhaupt  ein Ferienhaus steht.  Ein weiterer  Experten-Ratschlag:    Örtliche Touristeninformation anrufen und sich über die Existenz   der angegebene  Unterkunft und den  Vermieter erkundigen.

•  Das Landeskriminalamt in MV rät, die Buchung eines Feriendomizils am   besten über einen Reiseveranstalter oder einen lizensierten Ferienhausvermittler durchzuführen.

• Bei der Onlinebuchung

sollte darauf geachtet werden, dass der Anbieter    mit einem    TÜV-Zertifikat oder dem Siegel vom Verband Deutscher Ferienhausagenturen (VDFA) verifiziert ist. 

• Sichere Bezahlformen wie etwa Kreditkarten nutzen.  Bezahldienste wie Western Union oder MoneyGram gelten eher als unsicher, weil sie nicht nachzuverfolgen sind.

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