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Millionen für Pensionen von fünf Kammer-Beschäftigten : Die teuren Chefs der IHK

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Die Vorsorgezahlungen für die längst ausgeschiedenen oder entlassenen Chefs der drei IHKs im Land kommen den Mitgliedsfirmen teurer zu stehen als bisher bekannt. Vor allem die Schweriner Unternehmen müssen zahlen.

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erstellt am 13.Dez.2012 | 08:38 Uhr

Schwerin | Die Vorsorgezahlungen für die Chefs der drei Industrie- und Handelskammern in MV kommen den Unternehmern teurer zu stehen als bisher bekannt: Die Mitgliedsfirmen müssen mit mindestens einer Million Euro für die Pensionen offenbar längst ausgeschiedener oder entlassener Kammermanager aufkommen, geht aus dem Transparenzbericht des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervor. Die etwa 190 Mitarbeiter der drei Kammern gehen hingegen weitgehend leer aus - bis auf 25 000 Euro bei der IHK Rostock sind für sie keine Altersvorsorgeleistungen vorgesehen.

Vor allem die Schweriner Unternehmen müssen zahlen: Von ihnen werden schon die landesweit höchsten Durchschnittsbeiträge verlangt. Jetzt müssen sie auch noch mit 476 261 Euro für die Pension eines Kammermitarbeiters aufkommen - die höchste Vorsorgeleistung aller drei Kammern. Für wen das Geld in der Bilanz ausgewiesen wird, wollte Kammer-Präsident Hans Thon nicht sagen: "Das sind personengebundene Daten."

Dabei dürfte es sich aber um den 2009 vor die Tür gesetzten Hauptgeschäftsführer Klaus-Michael Rothe handeln. Der hatte sich 2009 mit dem neuen Kammerpräsidium überworfen und war abberufen worden. Ihm war u. a. der Bau des 14 Millionen Euro teuren Kammergebäudes angekreidet worden. Rothe erhielt eine Abfindung von 400 000 Euro, für die die Mitgliedsfirmen ebenso aufkommen mussten wie künftig für seine Pension. Rothe war Anfang der 90er-Jahre als Jurist von der Kammer Kiel nach Schwerin gekommen und hatte auf die bis dahin bei West-Kammern übliche Pensionsvorsorge gedrungen. Die Ost-Kollegen gingen leer aus. Die Pensionsbelastungen für die Kammern seien damals schon so hoch gewesen, dass in Ost-Kammern Rückstellungen für die Altersvorsorge gar nicht erst eingeführt worden seien, erklärte Thon.

Pikant: Ausgerechnet 2008, im Jahr als das Präsidium nach der Kammerwahl abgelöst worden war, wurde die Pensionsvorsorge in der Bilanz mehr als verdoppelt - von 175 749 Euro auf dann 425 562 Euro, geht aus dem Bericht hervor. Ex-Kammerpräsident Jörgen Thiele begründete den Etatsprung mit der Umstellung auf die doppelte Buchführung in der Kammer. Jedenfalls seien "auf keinen Fall Verträge vor der Wahl verändert worden", sagte Thiele. "Das hätte ich nicht mitgemacht."

Indes sind auch vier Kammerchefs in Rostock und Neubrandenburg Pensionszahlungen sicher. Rostock hat 355 568 Euro in der Bilanz stehen - für drei Beschäftigte, die in der Vergangenheit und zum Teil noch heute in einer Leitungsposition tätig waren oder sind, teilte die Kammer mit. Die Verpflichtungen sei die IHK Mitte der 90er-Jahre eingegangen. "Damals war dieses Vorgehen bei IHKs deutschlandweit Usus", sagte eine Sprecherin. Heute würden hingegen keine Altersversorgezusagen mehr gegeben. Neubrandenburg muss für einen Fall zahlen, verschweigt aber trotz Transparenzoffensive mit Verweis auf personengebundene Daten die Höhe der Rückstellungen.

Im Vergleich zu westdeutschen Kammern halten sich die drei IHK in MV aber deutlich zurück. West-IHK weisen hunderte Millionen Euro in ihren Bilanzen als Pensionsrückstellung aus - in der Spitze Stuttgart mit 73 Millionen, Frankfurt am Main mit 64 Millionen Euro und Hamburg mit 60 Millionen Euro. Bundesweit müssen 76 der 80 IHK für Pensionen in Höhe insgesamt von 935 Millionen Euro aufkommen.

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