Till Backhaus : Die teure Liebe des Ministers

Fordern Hunderttausende zurück: Landwirtschaftminister Till Backhaus und sein Anwalt Florian Asche
Foto:
1 von 2
Fordern Hunderttausende zurück: Landwirtschaftminister Till Backhaus und sein Anwalt Florian Asche

Ein Trecker, ein Nobel-Audi Q7 und jede Menge Geld: Landwirtschaftsminister Backhaus streitet mit Ex-Freundin vor Landgericht

svz.de von
19. November 2014, 20:45 Uhr

Juristischer Schlagabtausch im Rosenkrieg: Streit um Hunderttausende Euro, einen Traktor und einen Nobelschlitten Audi Q7 – das Zivilverfahren von Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gegen seine Ex-Freundin, die Schäferin Mandy Wehr, nimmt kein Ende. Gestern öffentliche Verhandlung vor dem Landgericht Rostock – voller Verhandlungssaal 228a. Ein so großes Interesse wie am Minister und der Schäferin würden Zivilgerichte sonst nicht kennen, scherzte Backhaus’ Anwalt Florian Asche noch vor Verhandlungsbeginn vor allen besetzten Besucherplätzen. Das Erscheinen der Kontrahenten hatte Richterin Sonja Dilling angeordnet. Backhaus hatte Urlaub genommen und war im Saal, Wehr hatte sich wegen der Erkrankung ihres einjährigen Kindes von ihrem Anwalt vertreten lassen.

Trecker und Q7: Der Streit um die Fahrzeuge währt schon seit Jahren. Damals, als der Minister der Schäferin auf ihrem Hof noch finanziell unter die Arme gegriffen hatte, hatte das Paar die Fahrzeuge gekauft. Seit der Trennung Ende 2010 erheben beide Anspruch auf Trecker und Q7 – auch nach dem vor einem Jahr getroffenen Teilurteil, das Mandy Wehr zur Herausgabe der Treckerpapiere verpflichtet hatte, nach der gestrigen Verhandlung ebenso.

In dem Verfahren scheint Backhaus seine Großzügigkeit jetzt auf die Füße zu fallen. Hier gab es für die damalige neue Freundin 4000 Euro zum Kauf von Pferden, da ein paar Tausender für einen Ofen, immer wieder Geld für die Finanzierungsraten für Stall und Scheune, Zehntausende Euro für ausstehende Pachtzahlung und ein ums andere Mal Liquiditätshilfen für Mandy Wehrs Betrieb sowie 50 000 Euro für Zahlungen ans Landesförderinstitut, dazu An-, diverse Raten- und die Schlusszahlung für den Kauf des Audi Q 7 (Neupreis ab 54 000 Euro) – ein teure Liebe. Finanzhilfen über drei Jahre listet Richterin Dilling gestern auf. Ursprüngliche Ansprüche von weit mehr als 200 000 Euro, die der Minister nach der zerbrochenen Liebe zurückhaben will. Das Auto, den Traktor, alles habe er bezahlt, gebürgt habe er zudem, meinte Backhaus: „Der Traktor und der Audi Q7 gehören mir.“ Wehr habe das Geld dazu gefehlt. Es habe von Anfang an eine Vereinbarung gegeben, sich im Fall der Fälle einvernehmlich zu trennen – auch finanziell, erklärte Backhaus gestern vor Gericht. Daraus ist nichts geworden. Zweifel an einer derartigen Vereinbarung bei Wehrs Anwalt: „Wenn sie alles hätte zurückzahlen sollen, wäre die Beziehung sofort aus gewesen.“

Längst ist die Liebe erbittertem Streit gewichen. Alle Einigungsversuche seien bisher fehlgeschlagen, meinte Richterin Dilling. Schon vor der juristischen Auseinandersetzung habe er mehrere Versuche für eine gütliche Einigung unternommen, sagte Backhaus – umsonst.

Zumindest mit einem Großteil des Geldes kann Backhaus offenbar rechnen. Bereits in einem ersten Hinweisbeschluss im vergangenen Jahr machte Richterin Dilling deutlich, dass sie einen großen Teil der Ansprüche für berechtigt ansehe. „An der rechtlichen Einschätzung hat sich nichts geändert“, meinte sie gestern. Zwischen 145 000 und 155 000 Euro dürften „berechtigte Klägerforderungen“ sein, rechnete Dilling zusammen. Hinter anderen Forderungen sehe sie Fragezeichen – für Getränkerechnungen, Barabhebungen, Kreditkartenbuchungen in Höhe mehrerer Tausend Euro. Und so winkt Backhaus gestern immer wieder ab, als die Richterin nach Nachweisen fragt – geschenkt, Forderung fallengelassen.

Im Treckerstreit aber nicht: Widersprüche um fehlende Unterlagen, die den Treckerkauf durch Backhaus belegen könnten, um Vollmachten, die nicht auffindbar sind, um einen Kaufvertrag für den Riesen-Audi, bei dem sich Backhaus nicht mehr erinnern kann, wer denn einst den Kaufvertrag unterschieben habe. Um einen Traktor, den der Landwirt, dem Backhaus nach eigenen Angaben nur aus der Patsche helfen wollte, möglicherweise zweimal verkauft hat: Immer wieder neue Widersprüche in dem Zivilverfahren. Erst ein Kaufvertrag per Handschlag, später ein geschlossener Kaufvertrag oder doch zwei, einen über 10 000 Euro und einen über 25 000 Euro? Darüber streitet das Pärchen seit Monaten. Gestern Backhaus’ überraschende Aussage, dass das vorgelegte Papier ein „nachgezeichneter Vertrag“ sei, mit Daten aus dem Treckerhandbuch und nachträglich bestätigt. Auch Zeugenaussagen konnten gestern nicht für Klarheit sorgen. Der Trecker-Verkäufer erschien erst gar nicht vor Gericht – Krankmeldung seit Wochenbeginn. Und auch der Nachbar des Landwirts konnte sich gestern zwar anhand von Tagebuchaufzeichnungen an die Ankündigung des Treckerverkaufs an Backhaus erinnern. Genauere Angaben blieb er aber schuldig.

Das Verfahren gerät immer mehr zum juristischen Männerspiel der Anwälte vor Gericht. Nebelkerzen werfe Wehrs Verteidigung, die das Verfahren nur in die Länge ziehen sollen, beklagt Backhaus’ Anwalt Florian Asche. Die Aussagen Backhaus’ seien „gelogen und nicht richtig“, kontert Wehrs Rechtsbeistand Markus Picha. Es gebe keine Zweifel: Der Audi Q7, den Backhaus inzwischen nutzt, für den er aber den Fahrzeugbrief einfordert, gehöre seiner Mandantin.

Erst das Prügelverfahren nach dem Fahrradunfall mit einem Mercedes-Fahrer im vergangenen Jahr, dann der Treckerstreit, später Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts der Unterschlagung und des Prozessbetrugs – Backhaus steht unter juristischem Dauerbeschuss. Noch lässt die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen ruhen und wolle den Ausgang des Zivilverfahrens abwarten. Der Treckerstreit hat indes längst das Oberlandesgericht erreicht – Backhaus’ Ex-Freundin wehrt sich gegen die Herausgabe der Papiere.

Viel liege ihm daran, dass das Verfahren endlich zum Abschluss und er „endlich zur Ruhe“ kommen könne – auch wegen seiner Familie, die durch das öffentliche Verfahren belastet werde, bittet Backhaus gestern zum Schluss. Mal sehen: In acht Wochen hat Richterin Dilling einen Verkündigungstermin angesetzt, am 14. Januar 2015, 12 Uhr – nächster Akt im Rosenkrieg.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen