zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

12. Dezember 2017 | 05:47 Uhr

Geschichte : Die Teehaus-Verschwörung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Treffen zu Hitler-Attentat vor 70 Jahren fand in Klein Trebbow statt. Heute erinnern Ausstellungen daran.

Ein einsam gelegenes Schloss mit urwüchsigem Park und einem stillen See – Klein Trebbow in Mecklenburg scheint wie geschaffen für die Planung einer Verschwörung. Ostern vor 70 Jahren gingen in dieser Idylle die Verschwörer des Hitler-Attentats vom 20. Juli 1944 spazieren und trafen dabei hochbrisante Absprachen zum geplanten Staatsstreich, der späteren „Operation Walküre“.Mit Bedacht hatten Claus Schenk Graf von Stauffenberg und Fritz-Dietlof von der Schulenburg Klein Trebbow ausgewählt. „Der Mantel der Geschichte ist hier vorbeigerauscht“, sagt der Vorsitzende des Fördervereins Denkstätte Teehaus Trebbow, Ulrich Ivo von Trotha.

Schulenburg, zunächst leidenschaftlicher Nazi, ab 1938 jedoch im Widerstand aktiv, war 1943 in Berlin nicht mehr sicher. Er, seine Frau Charlotte und die sechs Kinder kamen bei Schulenburgs Schwester Tisa unter, der Schlossherrin von Klein Trebbow. Fernab von Berlin schien ein Treffen mit Freunden an den Feiertagen kaum aufzufallen. Während Schulenburg wegen seiner Kontakte zu Sozialdemokraten, Gewerkschaftern und Widerständlern eine Schlüsselrolle in den Vorbereitungen für den 20. Juli spielte, sollte dem 36 Jahre alten Stauffenberg später selbst die Ausführung des Attentats zukommen. Das Ostertreffen in Klein Trebbow war ein wichtiger Meilenstein. Derweil im Herrenhaus bereits Flüchtlinge lebten und einige Angestellte linientreue Hitler-Verehrer waren, zogen sich die Grafen ins Teehaus zurück. Bei Wanderungen durch den Wald suchten sie angeblich Erholung in der Einsamkeit. Tatsächlich aber besprachen sie die Umsturzpläne.

Die Trebbower Gespräche drehten sich wohl nicht nur um die Wahl des Attentäters, der Zugang zu Adolf Hitler hatte. Vor allem ging es um die Zeit danach, wie von Trotha berichtet. Geheime Pläne wurden geschmiedet für eine künftige Spitze von Staat und Militär, wie sich aus Zeitzeugenaussagen nach dem missglückten Attentat rekonstruieren ließ. „Was genau besprochen wurde, wird nie mehr herauszufinden sein, da die Beteiligten umgebracht wurden“, sagt von Trotha. „Wortprotokolle sind unrealistisch, Konspiration war das Gebot der Stunde“, betont auch der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Johannes Tuchel. Zwischen Stauffenberg und Schulenburg habe es viele Kontakte vor dem 20. Juli gegeben. „Ostern in Klein Trebbow aber bot die Gelegenheit, unbehelligt in Ruhe und völliger Abgeschiedenheit konzentriert die Umsturzplanungen zu besprechen.“ Das Netzwerk der Widerstandskämpfer soll in diesem Sommer mit Ausstellungen in Wismar, Schwerin, Klein Trebbow und Tressow bei Wismar, dem Stammsitz der von der Schulenburgs, beleuchtet werden. Organisiert werden sie von dem 2003 gegründeten Verein Denkstätte Teehaus Trebbow. Von den Verschwörern gegen Hitler könne man auch heute noch viel lernen, meint von Trotha.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen