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Klimaforscher : „Die Sturmschäden nehmen zu“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Klimaforscher Professor Mojib Latif über den Tornado in Bützow und das Risiko von schweren Stürmen oder Wetter-Extremen

Mit Professor Mojib Latif, Klimaforscher am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, sprach Rasmus Buchsteiner über Tornados.

Ein plötzlicher Tornado hat Bützow verwüstet. Handelt es sich um einen Einzelfall, oder wächst das Tornado-Risiko in Deutschland?
Latif: Nicht jeder Tornado wird gemeldet und in Statistiken registriert. Tatsache ist, dass die Sturmschäden in Deutschland zunehmen. Die Meldungen der Versicherungswirtschaft sind hier ein Anhaltspunkt. Es gibt die Tendenz, dass Stürme und Starkregen bei uns zunehmen. Die Erwärmung in Deutschland ist aber deutlich geringer als in den Vereinigten Staaten. Aufgrund der klimatischen Bedingungen sind dort Tornados sehr viel häufiger. Wenn feuchtwarme Luftschichten auf arktische Kaltluft treffen, ergibt sich ein gefährliches Gebräu. Das war auch jetzt in Mecklenburg-Vorpommern zu sehen. Die allmähliche Erwärmung des Mittelmeeres macht solche Konstellationen in Europa immer wahrscheinlicher.
Stürme, Hitze-Sommer mit heftigen Sommergewittern, Orkanböen und Hagel – ist das eigentlich noch normal oder gerät unser Klima völlig durcheinander?
Es gibt global gesehen einen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und einer Zunahme von Wetter-Extremen. Wenn man alle Landregionen der Erde betrachtet, wird diese Entwicklung offensichtlich. Es entspricht auch allen Vorhersagen: Wenn es wärmer wird auf der Erde, verändern sich Wetter und Klima.

Ist Deutschland noch Vorreiter beim Klimaschutz?
Deutschland macht mehr als andere Länder. Sigmar Gabriel möchte gerne alte, schmutzige Kohlekraftwerke besteuern. Das wird die große Nagelprobe, ob es die Bundesregierung trotz des Widerstands ernst meint mit dem Klimaschutz. Wenn sich eine stärkere Belastung der Kohle durchsetzen lässt, wäre Deutschland auf einem guten Weg. Natürlich wird es in diesem Jahr ein neues Weltklimaabkommen geben. Viele Länder haben schon angegeben, welche Beiträge sie leisten wollen. Daran lässt sich erkennen, dass es ein windelweiches Abkommen sein wird. Seit Beginn der 90er-Jahre ist der weltweite CO2- Ausstoß um 60 Prozent gestiegen. Das ist ein Armutszeugnis.

Weitere Artikel über die Unwetterschäden im Land finden Sie auf unserer Dossierseite zu dem Thema: www.svz.de/tornado
 

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