Die Stufen, die die Welt bedeuten

DJ Ötzi, Peter Kraus, Heiko Reissig und Eva Lind - Sie alle schritten die illuminierten Stufen hinab zu ihrem Publikum. Fotos: Lars Reinhold
DJ Ötzi, Peter Kraus, Heiko Reissig und Eva Lind - Sie alle schritten die illuminierten Stufen hinab zu ihrem Publikum. Fotos: Lars Reinhold

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13. Juli 2012, 05:18 Uhr

Auf den ersten Blick sind es nur ein paar Stufen, die, oft prunkvoll verziert oder effektheischend beleuchtet, großen Stars einen Rahmen für den Beginn und das Finale ihres Auftritts bieten. Auf den zweiten Blick aber sind Showtreppen viel mehr. Sie sind Elemente, die jeden Bühnenbildner zu kreativer Auseinandersetzung anregen. Und sie sind Mittel zur Verbindung von Ebenen, die es Regisseuren und Dramaturgen erlauben, die Handlung ihrer Stücke in eine dritte Dimension zu führen. Nicht zuletzt sind Treppen immer wieder Orte entscheidender Zäsuren, wenn beispielsweise die Angebetete in sanftem Schritt die Stufen hinab zu ihrem wartenden Verehrer schreitet.

Seit einigen Jahren schmückt sich auch die Elblandbühne anlässlich der Festspiele mit schmucken Stufen, über die nahezu alle großen Stars, die seitdem auf der Alten Ölmühle das Publikum verzückten, hinabgeschritten sind, darunter die Österreichische Starsopranistin Eva Lind, die Musicaldarstellerin Deborah Sasson aus den USA und natürlich auch der Wittenberger Tenor und Gründer der Elblandfestspiele Heiko Reissig.

Dabei ist der Auftritt der "Stufen, die die Welt bedeuten" bei den Elblandfestspielen bereits deren drittes Leben. "Die Treppe, die seit einigen Jahren hier in Wittenberge zum Einsatz kommt, war einst Bestandteil einer großen, halbrunden Bühnenkonstruktion mit 35 Metern Durchmesser, die für einen Versicherungskonzern entworfen wurde", erinnert sich Eventplaner Heiner Schwer. "Die Hamburg Mannheimer hat sie 2007 für eine große Jahrestagung bestellt und auch nur dieses eine Mal eingesetzt. Normalerweise werden solche speziell nach Kundenwünschen angefertigten Bühnen nach einmaligem Gebrauch entsorgt, denn niemand will zweimal die gleiche Bühne. Eigentlich unvorstellbar, denn wir reden hier über rund 50 000 Euro."

Schwers Firma lagerte die Bühne erst einmal ein und nutzte sie ein Jahr später in anderer Konfiguration erneut für eine Präsentationsveranstaltung. Letzter offizieller Einsatz der Bühne war bei einem Sparkassenfest, für das aber nur ein Teil der Elemente eingesetzt und zusätzlich mit Leuchtelementen versehen wurde. "Dazu haben wir in die Stufen so eine Art Weihnachtsbaumbeleuchtung einfach reingetackert, und es funktionierte", sagt Schwer und muss grinsen. "Ziemlich improvisiert das ganze."

Inzwischen eigentlich zur Entsorgung vorgesehen, erhielt Heiner Schwer schließlich die Anfrage aus Wittenberge, eine Showtreppe für die Elblandfestspiele 2008 zu organisieren. "Allerdings wurden hier nur zwei Treppenelemente der ursprünglichen acht benötigt, und die mussten auch noch so umgebaut werden, dass sie übereinander gestellt die heute bekannte Festspieltreppe bilden."

Seitdem lagern die zwölf Stufen in der Elbestadt, um an zwei Abenden im Jahr Weltstars ihrem Publikum entgegenschreiten zu lassen, und obwohl von der einst beeindruckenden Bühnenkonstruktion mit gerade einmal zwei Treppenelementen nur noch ein Bruchteil übrig blieb, bereichert sie seitdem die Festspiele. "Regisseur Peter Faber war begeistert und integrierte das neue Element sofort in die Dramaturgie der Show", sagt Heiner Schwer. Auch für das Fernsehteam, das sich zudem um die Konstruktion eines Geländers gekümmert habe, boten sich mit der schicken Treppe neue, ungewohnte Einstellungen.

"Im ersten Leben liefen DJ Ötzi und mehrere Vorstände großer Firmen über die Stufen, im zweiten Leben war es Peter Kraus", resümiert Schwer. "Nach dem halben Leben bei der Sparkasse hat die Treppe hier bei den Elblandfestspielen mit Sicherheit ihre Heimat gefunden und wird noch viele Stars kommen und gehen sehen.

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