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Schwerin: Bundestreffen der Schultheater : Die Stars unter den Schultheatern

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In der Schule ist eh dauernd Theater? Nicht auf diesem Niveau: In Schwerin treffen sich von Sonntag an die 16 besten Schüler-Ensembles Deutschlands. Das Festival soll auch dem Schultheater in MV einen Schub geben.

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erstellt am 11.Sep.2013 | 11:43 Uhr

Schwerin „Also, man kann zumindest den Ansatz erkennen, was es werden soll.“ Goethe-Gymnasium, Mittwoch, Aula-Foyer des Schweriner Goethe-Gymnasiums. Es ist Probe – Silke Gerhardt arbeitet mit den Tänzerinnen von „Lysistrate“ . Wenige Tage noch, dann werden die Gymnasiastinnen am 15. September ihr aktuelles Stück „Einen Schuh verlieren...“ auf der großen Bühne des Staatstheaters tanzen – als Eröffnung für das Bundestreffen der besten deutschen Schultheater-Gruppen. Gerhardt, die nicht nur seit zwei Jahrzehnten das Schüler-Ensemble leitet, sondern im Vorstand des Bundesverbandes Theater in Schulen (BVTS) ist, ist Cheforganisatorin des Festivals. „Der Probenplan ist längst Makulatur“, sagt sie mit zuversichtlicher Verzweiflung. Auf ihre Truppe kann sie sich aber verlassen. Ella Lucas zum Beispiel atmet gerade tief durch. „Das Schultheater-Treffen macht uns stolz – wir trainieren extra hart“ , sagt sie. Seit drei Jahren tanzt die Zwölftklässlerin bei „Lysistrate“.

Szenenwechsel, gestern, Schloss: In der Landespressekonferenz geht offiziell der Vorhang auf für das „Schultheater der Länder 2013 – Theater der Bilder“. Die Zahlen: Aus jedem Bundesland reist ein Schüler-Ensemble an – ausgewählt von der Jury des BVTS. 16 Gruppen also. Der Startschuss des Festivals fällt am Abend des 15. September, bis zum 21. September stehen dann Workshops für die Schüler, Podiumsdiskussionen, Spielleitertreffen für die Lehrer, Stückbesprechungen auf dem Programm – und natürlich zeigen die Jugendlichen ihre Inszenierungen. Party machen sie natürlich auch. Spielorte sind die Bühne im Kino Capitol und im Großen Haus des Staatstheaters. Mit rund 300 Schülerinnen und Schülern rechnet Cheforganisatorin Gerhardt, 150 Teilnehmer der Fachtagung kommen noch dazu.

Das Bundestreffen, das der BVTS seit 1985 jedes Jahr unter dem Titel „Schultheater der Länder“ in einer anderen Stadt organisiert, ist nicht nur Austausch zwischen den Ensembles gedacht – sondern auch als Schaufenster und Anregung für Schulen und Lehrer, die bisher noch kein Theater machen. BVTS-Vorstandsmitglied Gunter Mieruch betont, zwar gebe es in elf Bundesländern mittlerweile Theater als Abiturfach, „aber in der Grundschule haben wir noch Nachholbedarf“. Der Bundesverband habe sich mit seinem Partner, der Stiftung Mercator, das Ziel gesetzt, das Fach Theater an allen Schulen und in allen Schulformen zu etablieren. Mieruch: „Wir wollen in den nächsten Jahren mit der Stiftung eine Qualitätsoffensive starten.“

In Mecklenburg-Vorpommern ist aus Sicht des Schultheater-Bundesverbandes viel zu tun. „Lysistrate“–Leiterin Silke Gerhardt ist auch Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Darstellendes Spiel (LAGDS) – und betont: „Das Bewusstsein für die Bedeutung von Schultheater ist nicht bei allen da.“ Zwar hat MV am Goethe-Gymnasium mit „Lysistrate“ und der Theatergruppe „Taggs“ gleich zwei Ensembles, die immer wieder beim Schultheater der Länder, bei den Berliner Festspielen und auch bei internationalen Treffen für Aufsehen sorgen. Konkurrenz haben die beiden Truppen aber selten. Es gebe einfach zu wenig Schultheater-Ensembles im Land, sagt Silke Gerhardt: Aus Rheinland-Pfalz sei ein rundes Dutzend Anmeldungen für die Fachtagung eingetroffen – aus MV viel weniger. „Das ist auch die Resonanz dessen, wie stiefmütterlich das Fach Darstellendes Spiel in den vergangenen Jahren behandelt worden ist“, sagt Gerhardt. Dabei biete die Rostocker Hochschule für Musik und Theater (HMT) einen hervorragenden Studiengang für Lehrer an, die sich so als Schultheater-Spielleiter qualifizieren können. „Es wäre schön, wenn diese jungen Kollegen im Land bleiben könnten. Aber Schultheater führt hierzulande ein Nischendasein.“ Ein Beispiel: Nur an sieben Gymnasien in MV gebe es Theater als Grundkurs in der Oberstufe. Noch ein Beispiel: Grundschulen bieten Theater nur für die Kinder an, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen. „Unverständlich“, nennt Gerhardt das.

Aber warum überhaupt Theater in der Schule? Bei diesem Schulfach gehe es nicht darum, künftige Schauspieler auszubilden, betont Anne-Kathrin Holz, Spielleiterin bei „Taggs“ und Sprecherin des Schultheater-Treffens: „Beim Musikunterricht fragt ja auch niemand danach, ob die alle Musiker werden.“

Modernes Schultheater ist längst kein Abspielen von Klassikern mit Haupt- und Nebenrollen mehr. Die Ensembles, die nach Schwerin kommen, haben klassische oder moderne Stoffe adaptiert oder ganz eigene Inszenierungen erarbeitet. Beim Fach Theater oder „Darstellendes Spiel“ gehe es darum, „einen anderen, eigenen Zugang zur Welt zu öffnen“, sagt Holz. Schultheater, das sei kein starfixiertes Einzelkämpfertum, sondern immer Projektarbeit: „Es ist das künstlerische Fach, das am weitesten über ein ,Ich mache es alleine‘ hinausführt. Alles, was ganzheitlich gebildete Menschen heute können müssen, können sie im Schultheater lernen.“

So, und nun zurück zur Probe. Goethe-Gymnasium, Foyer der Aula. Silke Gerhardt ruft das Ensemble aus der Pause. Der Probenplan ist zwar längst Makulatur und auf Kante genäht: „Wir haben nicht mehr viel Zeit.“ Der Bildungsminister hat sich angesagt, viele interessierte Kollegen ebenso. Und die Chancen, dass vom Schweriner Bundestreffen ein Schub für das Schultheater im Nordosten ausgeht, stehen nicht schlecht. Silke Gerhardt erinnert sich an ihre erste Einladung zum Bundestreffen, 1995 war das, in Hamburg: „Auf diesem Festival bin ich damals mit dem Schultheater-Virus infiziert worden.“
Philip Schroeder

Die Teilnehmer



Baden-Württemberg
Albeck-Gymnasium und Theaterclub Sulz:
„Effi Briest oder Marionetten ins Leben
gestellt“, 17.9, 9 Uhr, Capitol

Bayern
Gymnasium bei St. Stephan Augsburg:„Körper“, 17.9., 11 Uhr, Staatstheater

Berlin
Rosa-Luxemburg-Oberschule Berlin:
„Circus“, 18.9., 17 Uhr, Staatsheater

Brandenburg
Schiller-Gymnasium Königs Wusterhausen: „A Clockwork Orange – frisch
gePRESSt“, 19.9., 20.15 Uhr, Capitol

Bremen

Oberschule Kurt-Schumacher-Allee:
„Zerreißprobe“, 20.9., 17 Uhr, Capitol

Hamburg

Heinrich-Heine-Gymnasium:
„Lost Boys“, 19.9., 11 Uhr, Staatstheater

Hessen

Ernst-Göbel-Schule Höchst: „Claviga“,
19.9., 17 Uhr, Staatstheater

Mecklenburg-Vorpommern
Goethegymnasium Schwerin:
„Einen Schuh verlieren…“ 15.9., 20 Uhr, Staatstheater Schwerin (Eröffnungsgala)

Niedersachsen
Integrierte Gesamtschule Roderbruch Hannover: „HH Haarmann, Hannover“
17.9., 20.15 Uhr, Capitol

Nordrhein-Westfalen
Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium
Remscheid: „Die Verwandlung“
17.9., 17 Uhr, Staatstheater

Rheinland-Pfalz
Hofenfels-Gymnasium Zweibrücken: „NICHTS was im Leben wichtig ist“
18.9., 11 Uhr, Staatstheater

Saarland
Gymnasium am Stadtgarten Saarlouis: „Crash“, 19.9., 9 Uhr, Capitol

Sachsen
Mittelschule der Palucca Hochschule für Tanz Dresden: „ErfinderGeistMaschine“
18.9., 9 Uhr, Capitol

Sachsen-Anhalt

Geschwister-Scholl-Gymnasium
Magdeburg: „Herr der Fliegen“,
20.9., 9 Uhr, Capitol

Schleswig-Holstein
Gymnasium Wentorf:„Zombieland“,
18.9., 20.15 Uhr, Capitol

Thüringen
Goethe-Gymnasium Weimar: „Wenn du, dann anders!“, 19.9., 11 Uhr, Staatstheater

Karten

für die Vorstellungen im Theater:
Telefon 0385 / 5300 123
für die Vorstellungen im Capitol:
gerhardt@sdl2013.de

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