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Die Sprache des Meeres mit dem Herzen verstehen

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erstellt am 07.Aug.2013 | 12:07 Uhr

Für Renate Petra und Jörg Mehrwald ist die Ostsee die schönste Badewanne der Nordhalbkugel. Einen Besuch beschreiben die Autoren von "111 Gründe, die Ostsee zu lieben" als Appetithäppchen, das Lust auf ein 111-Gänge-Menü macht. Lust darauf, die Sprache des Meeres mit dem Herzen zu verstehen. Doch was ist der besondere Reiz am größten Binnenmeer Europas? Und wie ist die Idee zur Urlaubslektüre entstanden? Dazu sprach Verena Teske mit den Autoren des Buches.

Mit Ihrer Liebeserklärung an die Ostsee zeigen Sie, dass Sie Ihr Herz an das Meer verloren haben. Wie und wann ist denn die Idee zu Ihrem Buch entstanden?

Jörg: Das Buch entstand aus Liebe zu einer Naturschönheit und aus der Erfahrung langer Jahre. Wir rätselten, ob wir 111 Gründe zusammenbekämen. Bei 200 haben wir uns entschlossen, das Buch zu machen. Das Manuskript entstand innerhalb einer Handvoll Monate. Und wir hätten noch mehr Material für eine Liebeserklärung im Seesack.

111 Gründe sind es geworden. Was macht die Ostsee so einzigartig?

Renate Petra: Ziel war es, Schönheit und Fülle in unserem eigenen Land zu zeigen. Auf ein Meer aufmerksam zu machen, das an den Küsten Qualitäten bietet, die sich inzwischen mühelos mit denen des Mittelmeeres oder anderer Tourismus-Zentren messen lassen kann. Vor allem aber, die besondere Vielfalt der Ostsee und ihren Charme zu beschreiben.

Frau Mehrwald, Sie wurden an der Ostsee geboren. Herr Mehrwald, Sie lebten in Baden-Württemberg. Hatte dies Einfluss auf die Umsetzung Ihrer Ideen?

Renate Petra: Geboren bin ich im Ostseebad Kühlungsborn. 30 Jahre Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen, dann knapp 30 Jahre Baden-Württemberg haben mir gezeigt, dass Heimat im Herzen stattfindet. Das ist oft die Region, in der man seine Wurzeln hat. Und meine Heimat ist das Meer.

Die Arbeitsteilung ergab sich aus der Situation heraus. Ich habe die Struktur des Buches geplant und die Texte mit Überschriften versehen. Außerdem recherchierte ich unter anderem zu Themen wie Bernstein, Kreide, Störtebeker, Hanse, Vineta, FKK, Gorch Fock, regionale Produkte und Ostseewellenlied.

Jörg: Ich stamme aus Mitteldeutschland und lebte fast 30 Jahre in Baden-Württemberg, in einer der schönsten Gegenden Deutschlands. An die Ostsee zu ziehen, war der Wunsch meiner Frau.

Für die Urlaubslektüre widmete ich mich dem Bade- und Erholungsparadies Usedom in Ostvorpommern und der Insel Hiddensee. Ansonsten entstanden die Einzelbeiträge im Buch je nach Vorliebe. Da wir seit längerer Zeit publizieren, wissen wir, dass Teamarbeit nur funktioniert, wenn jeder Seins macht.

Sie sagen, dass Ihr Buch als Urlaubslektüre neben Badehose und Sonnencreme in keiner Strandtasche fehlen darf. Für wen ist das Buch gedacht?

Renate Petra: Zielgruppe sind alle, die sich an der Ostsee mit kurzweiligen Geschichten über Landschaft und Leute entspannen wollen. Und das ohne "Sight-Seeing-Abhaken-Stress". Unser Buch ist kein Reiseführer und wir tummeln uns auch nur an der deutschen Ostseeküste. Die Geschichten sind für See-Süchtige, für Urlauber, Kulturinteressierte, Touristen, Naturfreunde und Ostseeliebhaber eben, die meistens immer an ein und denselben Ort fahren und endlich einmal mehr erfahren wollen. Über Dranske im Nordwesten Rügens und die Strände Richtung Kap Arkona zum Beispiel oder über die Geschichte zum Bismarckhering bis hin zu Geheimtipps.

An den Ostseestrand gehört eindeutig der Strandkorb. Was macht ihn zum Kultobjekt und was zeichnet seinen Nutzer aus?

Jörg: Sobald der Nutzer vor seinem Strandmöbel steht, wird er zum berechnenden Zeitgenossen, denn jetzt gilt es, Windrichtung, Sonneneinfallswinkel und störende Nachbarschaft abzuschätzen und den eigenen Erholungswert durch den besten Standort des Mobiliars zu erhöhen.

Was macht den Reiz der Ostseeküste für Mecklenburg-Vorpommern aus?

Jörg: Das Reizvolle an der Küste in MV ist, dass der moderne Teil der Ostsee-Küste hier steht, bedingt durch die Wende und die Restaurierung großer Teile der Bauten. So sind beeindruckende Bäder auf Rügen wieder aufgeblüht und Usedom hat mit seinen Kaiserbädern einen internationalen Stand der Bäder-Architektur erreicht, der unserer Meinung nach einmalig ist. Die Schutzlandschaften sind vorbildlich und der Naturschutz hat ein nie da gewesenes Niveau erreicht. Der Teil der Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern hat weit mehr zu bieten außer Badespaß - Geschichte, die weit zurück reicht und eine Tradition, die immer noch gern an der DDR festgemacht wird, was viel zu kurz greift.

Mit Fehmarn, Usedom, Rügen oder Poel hat die Ostsee auch eine bemerkenswerte Insel-Vielfalt zu bieten. Warum haben Sie sich für ein Insel-Special zu Hiddensee entschieden?

Jörg: Hiddensee mögen wir besonders wegen der unberührten Natur.

Nobelpreisträger Gerhart Hauptmann sagte von Hiddensee, es sei das geistigste der deutschen Seebäder. In der Tat verbrachte hier die Elite vor 1933 ihren Urlaub - Künstler und Intellektuelle, die das gesamte 20. Jahrhundert prägten, wie Freud, Einstein oder Fallada.

Die Ostsee-Bäderarchitektur bietet mit der Kombination verschiedener klassischer Baustile eine imposante Einmaligkeit. Kleine Fischerdörfer entwickelten sich zu modernen Seebädern. Wann entstand diese vielfältige Bäderkultur?

Renate Petra: Seit dem 19. Jahrhundert hatte man insbesondere das Großbürgertum, Adelige, Unternehmer, Prominenz aus der Politik und andere Vermögende und Hochwohlgeborene als Kur- und Vergnügungsgäste im Visier, die sich Urlaub an der See leisten konnten. So baute man den Stiftern und Gönnern und allen künftigen Quartiergästen diese wunderschönen, verlockenden Nesterchen, mit lauschigen Balkönchen und schnörkeligen Holzveranden. Hoteliers, Pensionsbetreiber und einheimische Quartiervermieter waren natürlich darauf bedacht, beständig Gäste an die See zu holen. In den Badeprospekten warben die Seebäder sogar damit, mückenfrei zu sein. Seit 1891 fuhren Sonderzüge zwischen Berlin und der Ostsee.

Was hat die Ostsee, was die Nordsee nicht hat?

Jörg: Die Ostsee ist im Gegensatz zur Nordsee immer da und der Zutritt zum Strand ist frei. Das Reizklima der Ostsee ist für viele gesünder und verträglicher als das Klima am Mittelmeer.

Was sind Ihre persönlichen Top 10 der schönsten Orte an der Ostseeküste?

Renate Petra:

1. Der Logenplatz am Strand beim Sonnenuntergang. Die Farbspiele am Horizont sind durch die Wolkenbildung besonders malerisch.

2. Der Strandkorb, der Geborgenheit und totale Entspannung bietet.

3. Eine Insel in der Ostsee, denn jede Insel hat ihre Besonderheiten.

4. Der beste Platz im Fischlokal. Mit Blick auf das tosende Meer frisch gebratenen Aal, Hering oder Zander zu essen.

5. Das Aussichtsdeck auf einem Fahrgastschiff. Nichts geht über den frischen Wind und die Nähe zu den Möwen und den Wellen.

6. Der Leuchtturm, denn schon der Blick in die Ferne ist ein Erlebnis.

7. Fensterplatz in der Tauchgondel, der viele kleine Überraschungen bietet, die es in der Ostsee zu entdecken gibt.

8. Dem Sonnenaufgang auf einem Segelboot entgegenzusegeln ist etwas, das man nie vergisst.

9. Die Steilküsten der Ostsee sind sehr reizvoll.

10. Und das Bett nach einem tollen Badetag. Die Seeluft macht müde und lässt viele Besucher tief und fest schlafen und erholt erwachen.

Was möchten Sie Ostsee-Besuchern mit auf den Weg geben? Gibt es eine Art Ostsee-Knigge, also Dinge, die Touristen im Umgang mit den Einheimischen beachten sollten?

Jörg: Man sollte an der Ostsee nie zu laut sein. Hier kommt jeder gut an, der den Ball flach hält. Aber das ist Geschmackssache. Inzwischen sind die Einheimischen an den Tourismusbetrieb gewöhnt und sie leben auch davon. Man sollte sie aber nie unterschätzen, denn das norddeutsche Temperament mag oft behäbig wirken, aber dahinter kann ein sehr fixes Denken stecken.

111 Gründe, die Ostsee zu lieben
Ein Liebeserklärung an die Küste des Bernsteins, Störtebekers und der Strandkörbe,
Renate Petra Mehrwald und Jörg Mehrwald
256 Seiten, Farbteil / Taschenbuch
ISBN 978-3-89602-975-1
Originalausgabe
9,95 Euro (D)
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2013

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