zur Navigation springen

Jugendliche Medienscouts : Die Smartphone-Aufklärer

vom
Aus der Onlineredaktion

Risiken, die mit Apps oder sozialen Netzwerken verbunden sind, werden oft unterschätzt. Jugendliche helfen Opfern von Cybermobbing

svz.de von
erstellt am 24.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Jugendliche Medienscouts haben bei der Vorbeugung von Mobbing- oder Sextingattacken im Internet eine zentrale Funktion. „Mit der Kompetenz, die sie in ihrer Ausbildung bekommen haben, können sie Mitschüler informieren, aufklären und sensibilisieren“, sagte die Rostocker Fachanwältin Gesa Stückmann gestern bei der 2. Bundesjugendkonferenz Medien in Rostock. Zu der zweitägigen Konferenz haben sich rund 200 Medienscouts aus ganz Deutschland getroffen, um über Möglichkeiten für die Hilfe von Betroffenen etwa bei Cybermobbing zu beraten. Es sei wichtiger, die Jugendlichen zu beraten, bevor sie im Internet Fehler begehen, mit deren Folgen sie teils über Jahre hinweg zu kämpfen haben, betonte Konferenzorganisatorin Stückmann.

Wenn das Kind im Brunnen liegt, seien die rechtlichen Möglichkeiten sehr begrenzt. Dabei werden die Gefahren durch die wachsende Zahl von Kommunikations-Apps immer größer, sind die Experten überzeugt. So seien Apps, bei denen Jugendliche Songs nachsingen, sich dabei filmen und dies dann posten, „Steilvorlagen für Mobbing“.

Die Medienscouts habe für Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) eine zentrale Funktion darin, Kinder und Jugendliche fit bei der Internetnutzung zu machen und dabei Chancen und Risiken zu erkennen. „Es macht keinen Sinn, dass wir mit erhobenem Zeigefinger den Jugendlichen etwas erklären.“ Entsprechend würde ihr Ministerium mehrere Projekte über den Kinder- und Jugendplan fördern.

„Wir können den Leuten Wege zeigen, wo sie Hilfe bekommen können. Therapieren können wir nicht, dafür sind wir nicht ausgebildet“, betonte der Rostocker Scout Marcel Müller. Die Scouts gehen in die Schulen und halten Vorträge und können darüber auch die notwendigen Kontakte knüpfen. Es sei aber auch klar, dass es junge Leute gibt, die gar keine Hilfe haben wollen. Da seien die Möglichkeiten der Scouts begrenzt.

Nach Angaben der Krankenkasse TK wird laut Studien von Kinder- und Jugendärzten jedes Jahr bei rund
20 000 Jugendlichen die Diagnose Mediensucht gestellt. Bei rund 600 000 Jugendlichen sei die Abhängigkeit so groß, dass sie deshalb keine Ausbildung oder Arbeit im geregelten Umfang antreten können. Es könnten schwere psychische und physische Erkrankungen auftreten. Einer TK-Umfrage zufolge sind etwa die Hälfte der Eltern besorgt, dass ihre Kinder schlechte Erfahrungen durch Mobbing oder Betrugsversuche machen könnten.

Deshalb sei das zentrale Thema die frühe Entwicklung der Medienkompetenz, betonte Thomas Holm, bei der TK für die „Gesundheitsförderung in Lebenswelten“ zuständig. Diese müsse wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge bereits in der vierten Grundschulklasse beginnen. In diesem Alter sei die Smartphonenutzung schon so intensiv, dass es in den weiterführenden Schulen fast zu spät für eine umfassende Kompetenzentwicklung sei.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen