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Seuchengefahr aus dem Osten : Die Schweinepest rückt näher

vom
Aus der Onlineredaktion

Forscher sehen in MV hohes Seuchenrisiko. Vorpommern-Greifswald erhöht Jagddruck auf Wildschweine

svz.de von
erstellt am 06.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Seuchengefahr aus dem Osten: In MV geht die Sorge vor der Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) um. Estland, Lettland, Litauen und immer öfter auch Ostpolen – in Osteuropa werden sowohl in Wild- als auch Hausschweinebeständen vermehrt Fälle gemeldet. Vor allem in den Wildbeständen habe die Zahl der Pestfälle dramatisch zugenommen. Das bereite Sorge, sagte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD): „Noch ist Mecklenburg-Vorpommern nicht betroffen. Ich hoffe, das bleibt so.“

Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) auf der vorpommerschen Insel Riems, hat darüber informiert, dass in den letzten Wochen vor allem in Litauen und an der polnischen Grenze zu Weißrussland die Pestfälle deutlich zugenommen haben. Die Afrikanische Schweinepest ist eine Virusinfektion, von der Haus- und Wildschweine betroffen sein können. Die Seuche war 2007 aus Afrika nach Georgien eingeschleppt worden. Seither breitete sie sich nach Westen aus. In einer letzten Risikobewertung warnen die Tierseuchen-Forscher derweil: „Das Risiko des Eintrags von ASP nach Deutschland durch illegales Verbringen und Entsorgen von kontaminiertem Material wird als hoch eingeschätzt“, schreiben die Riemser Seuchenexperten. Auch das Risiko des Eintrags durch kontaminiertes Schweinefleisch oder daraus hergestellter Erzeugnisse entlang des Fernstraßennetzes durch Fahrzeuge und Personen schätzen die Forscher als hoch ein. An der Risikobewertung habe sich nichts geändert, sagte FLI-Sprecherin Elke Reinking.

Der erste Landkreis in MV hat derweil Konsequenzen gezogen. In der Region Vorpommern-Greifswald wurde wegen der hohen Gefährdung des Schwarzwildbestandes durch die Schweinepest in Osteuropa das Verbot der Treib- und Drückjagden bis zum 31. März 2019 aufgehoben. So sollen der Schwarzwildbestand reduziert und mögliche Infektionsketten unterbrochen werden, teilte die Kreisverwaltung mit. Normalerweise gilt vom 11. Januar bis 31. Juli ein Verbot von Treib- und Drückjagden.

Ein Übergreifen der Schweinepest auf deutsche Bestände hätte verheerende Folgen: Für den Fall müssen Schweinehalter mit milliardenschweren Verlusten rechnen. In MV werden in 162 Betrieben derzeit etwa 770 000 Schweine gehalten. Der letzte große Pestzug hatte in den 90er-Jahren in Deutschland zu großen Schäden geführt. In mehr als 60 Fällen war damals in MV die klassische Schweinepest ausgebrochen. Mehr als 230 000 Tiere mussten zwischen 1992 und 1998 allein in MV gekeult werden. Allein im seinerzeit größten deutschen Schweinezuchtbetrieb in Losten südlich von Wismar mussten 62 000 Tiere getötet werden, um einer Ausweitung der Seuche vorzubeugen.  

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