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Mecklenburg-Vorpommern

25. November 2017 | 01:18 Uhr

Die Rückkehr der Fischadler

vom

svz.de von
erstellt am 17.Apr.2012 | 02:01 Uhr

Waren | Die ersten Fischadler sind aus ihren afrikanischen Winterquartieren wieder zurück in Mecklenburg-Vorpommern. Der erste Horst auf einem der Strommasten, der in diesem Jahr bezogen wurde, steht in Jägerhof bei Waren. Aber auch in Boek bei Rechlin und in Federow (alle Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) haben sich die Greifvögel mit der mächtigen Flügelspannweite von 1,70 Meter bereits häuslich niedergelassen.

Laut "Adlervater" Dietrich Roepke liegen die Vögel gut im Zeitplan. Der 84-Jährige hat sich seit Ende der 1950er-Jahre dem Studium der Fischadler verschrieben. Er hat schon Generationen von Fischadlern beringt, um mehr über ihr Verhalten und ihre Lebensweise zu erforschen. Zwar darf der Warener, der früher als Rundfunkmechaniker gearbeitet hat, seit einigen Jahren nicht mehr selbst die Hochspannungsmasten besteigen, er ist aber bei allen Beringungen von Fischadlern in der Mecklenburgischen Seenplatte dabei.

"Es sind meist die Männchen, die zuerst kommen", erzählt Roepke. Die seien dann für den Nestputz verantwortlich. "Die Männchen sind deutlich bodenständiger als die Weibchen", berichtet er.

Jahrzehntelange Forschungen hätten ergeben, dass die Männchen meist an den Geburtsort zurückkehren. Maximal in einem Radius von 30 Kilometern von ihrer Geburtsstätte suchen sie sich ein Nest. Die Weibchen sind da anders, sie lassen sich auch schon mal in einer Entfernung von mehr als 200 Kilometern nieder.

1955 gab es auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommern gerade mal noch 67 Brutpaare, 1975 nur noch 35, informiert Roepke.

Der konsequente Schutz der Tiere und der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel hätten dafür gesorgt, dass der Adlerbestand in Deutschlands Nordosten inzwischen auf rund 180 Brutpaare angewachsen ist. Beliebtester Nistplatz sind die Hochspannungsmasten der Energieversorger. Vier von fünf Brutpaaren finden sich dort. Nur wenige bevorzugen hohe Bäume wie Kiefern.

"Wir wissen noch längst nicht alles über die Fischadler", räumt Roepke ein. So sei nach wie vor nicht klar, wa rum sie beispielsweise sich nicht direkt an der Ostsee ansiedeln. Die meisten Fischadler brüteten an der Seenplatte, zunehmend auch in Brandenburg. Nach wie vor sind in den westlichen Bundesländern nur sehr wenige Fischadler zu finden.

Fischadler ernähren sich ausschließlich von frischem Fisch. "Früher dachte man, dass die Tiere nur in sauberem Wasser jagen", sagt Roepke. Das sei ein Trugschluss gewesen, Fischadler holten sich den Fisch überall her, und am liebsten werde er lebend verspeist.

30 Prozent der Jungvögel überleben die ersten zwei Jahre nicht. "Sie sind einfach zu unerfahren. Sie fliegen irgendwo gegen, setzen sich einfach auf die Erde oder halten den langen Flug nicht durch.

Man hat ursprünglich gedacht, dass die Jungen die ersten zwei, drei Jahre bis zur Geschlechtsreife in Afrika bleiben. Aber auch das hat sich als falsch herausgestellt, es wurden schon Einjährige hier gesichtet", berichtet der Experte. Viele Adler würden auch in Afrika sterben.

Einem Fischadlerpärchen direkt ins "Wohnzimmer" schauen kann man seit einigen Jahren in der Nationalparkinformation in Federow im Müritz-Nationalpark. Über dem Nest ist eine Kamera angebaut, die Live-Bilder aus dem Horst liefert. Dort ist in der vergangenen Woche ein Adlerweibchen eingetroffen, das wohl schon zum sechsten Mal in Federow ist. Am Samstag folgte dann ein männlicher Vogel. Es soll der Adler sein, der schon seit zwölf Jahren den Horst anfliegt. Er hat schon den ersten Hecht abgeliefert.

Dietrich Roepke ist auf die neue Brutsaison vorbereitet, die Ringe der Vogelwarte Hiddensee liegen bereits auf seinem Tisch, es sind 140 Stück. Die Brutzeit beim Fischadler liegt zwischen 37 und 42 Tagen, nach 56 Tagen sind die Adlerjungen flugfähig. Dann hat Roepke alle Hände voll zu tun: Das Zeitfenster ist sehr klein, um die Jungvögel zu beringen.

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