Die Raupen erreichen den Bundestag

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03. Juli 2012, 05:17 Uhr

Prignitz/Berlin | Prignitzer Behörden sind aufgewacht: Nach monatelangem Schweigen und tatenlosem Zusehen, will der Landkreis 2013 rechtliche Voraussetzungen schaffen, um den Eichenprozessionsspinner zu bekämpfen. Dieser Ankündigung war eine Artikelserie unserer Zeitung vorausgegangen, in der Betroffene, Ärzte, Waldbesitzer und der Landkreis Havelland mit seinem Lösungsansatz zu Wort kamen. Unterstützung kommt nun auch von der Bundespolitik. Die Berliner SPD-Fraktion widmet sich der wachsenden Spinnerpopulation und stellt eine Anfrage an die Bundesregierung. Diese liegt im Entwurf unserer Redaktion vor.

Die Fraktion stellt klar, dass "das Gefahrenpotential des Eichenprozessionsspinners sowohl in Bezug auf die menschliche Gesundheit als auch als Schaderreger der Eichenbestände nach einer effektiven Bekämpfungsstrategie verlangt". Doch dafür reiche die Rechtslage derzeit nicht aus. In ihren Fragen an die Bundesregierung will die SPD wissen, welche Maßnahmen die Bundesregierung ergriffen hat, um die weitere Verbreitung der Raupen einzudämmen, die Bürger zu schützen.

Die Regierung wird aufgefordert, aufzuschlüsseln, welche Bundesländer wie intensiv befallen sind. Zugleich solle die Regierung eine Prognose wagen, wie hoch die ökologische und gesundheitliche Gefahr für den Menschen in den nächsten Jahren sein wird. Anders als vielfach behauptet, kommt die SPD-Fraktion zu der Erkenntnis, dass schlimmstenfalls ganze Waldbestände absterben könnten. Dabei stützt sie sich auf Untersuchungen und Aussagen des Julius-Kühn-Instituts (JKI).

Bereits im März, als Prignitzer Behörden die Gefahren noch herunter spielten und keine gemeinsame Bekämpfung als nötig erachteten, gab es ein Fachgespräch zwischen JKI und dem Bundesinstitut für Risikobewertung. Gemeinsam forderten die Experten eine Strategie zur Bekämpfung des Schädlings. Welchen Beitrag wolle dafür die Bundesregierung leisten, fragt die SPD weiter.

Sie will ebenfalls wissen, welche Pflanzenschutzmittel zulässig seien und geht noch darüber hinaus, indem sie fragt: "Welche Pflanzenschutzmittel stehen ... im Rahmen von Notfallsituationen für eine Bekämpfung zur Verfügung? Zugleich soll die Regierung erklären, ob so eine Notfallsituation durch das starke Auftreten der Raupen zumindest punktuell existiert. Weitere Fragen beziehen sich auf die Zulassung chemischer Mittel. Diese wird allgemein als bürokratisch bezeichnet, muss unter anderem in jedem Jahr neu beantragt werden. Diese Ungewissheit erschwere aus Sicht regionaler Behörden die Planung einer effektiven Bekämpfung.

Gibt es eventuell Alternativen zu den bisher bekannten Pflanzenschutzmitteln bzw. wird daran praxisorientiert geforscht, lautet eine weitere Frage. Die SPD nimmt dabei auch Bezug auf eine Pheromon-basierte Bekämpfungsstrategien wie sie beispielsweise erfolgreich im Weinbau praktiziert werde.

Abschließend greift die Bundestagsfraktion den finanziellen Aspekt auf. Kommunen, Wald- und Grundstücksbesitzer müssen die Bekämpfung für ihre Flächen bzw. auch für darauf stehende Einzelbäume selbst finanzieren. Experten weisen wiederholt daraufhin, dass nur eine geschlossene Aktion Erfolg bringe, da sich ansonsten die Population von nicht bekämpften Bäumen erneut ausbreiten könne. Deshalb fragt die SPD: "Sieht die Bundesregierung Möglichkeiten, die Kommunen und Privatwaldbesitzer in ihren Bemühungen zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners sowohl finanziell als auch organisatorisch zu unterstützen?"


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