Vogelgrippe in MV : Die Pute bereitet Sorgen

Im Winter 2016/17 wurden in Deutschland wegen der Vogelgrippe 1,2 Millionen Tiere getötet.
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Im Winter 2016/17 wurden in Deutschland wegen der Vogelgrippe 1,2 Millionen Tiere getötet.

Mastbetriebe besonders von Vogelgrippe getroffen. Der Geflügelwirtschaftsverband sucht Lösungen

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16. Mai 2017, 21:00 Uhr

Putenmastbetriebe sind im vergangenen Winterhalbjahr in Deutschland besonders häufig von der Geflügelpest heimgesucht worden.

„Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) stellt Überlegungen an, inwieweit Verfahrenstechniken in der Putenmast angepasst werden müssen, um die Einträge von Viren in die Ställe zu verhindern“, sagte die Referatsleiterin Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit des ZDG, Eva Maria Näser, gestern in Todendorf, Landkreis Rostock. Dort trafen sich Mitglieder des Geflügelwirtschaftsverbandes Mecklenburg-Vorpommern zu ihrer Jahresversammlung.

Einen Grund für die häufigeren Vogelgrippe-Ausbrüche bei Puten sieht Näser darin, dass die Ställe häufiger geöffnet werden, etwa um die Einstreu zu erneuern. Die größten Gefahren, die Viren einzuschleppen, entstünden durch den direkten oder indirekten Kontakt mit Wildvögeln und über kontaminiertes Material, das an Schuhen, Fahrzeugen oder der Einstreu haftet.

Auch die längere Mastzeit sei ein Grund. Puten werden mit 20 Wochen geschlachtet, Hähnchen hingegen bei einem Alter von vier Wochen.

Viren im Futter oder im Tränkwasser gelten als unwahrscheinlich. „Viren bleiben im trockenen Getreide nicht lange vermehrungsfähig und die Weiterverarbeitung von Getreide zum Futtermittel macht ein Überleben der Viren unwahrscheinlich“, sagte sie.

In Ausbruchsuntersuchungen gab es keinen Anhaltspunkt dafür, dass Futter oder Wasser ursächlich gewesen sein könnten. Zum Tränken dürfe kein Oberflächenwasser, sondern nur Trinkwasser verwendet werden.

Auch im nächsten Winter müssen Geflügelhalter mit der Vogelgrippe und ihren Folgen wie der Stallpflicht rechnen. Eine Lösung werde Näser zufolge für die Produzenten von Freilandeiern angestrebt: Die Eier sollen künftig auch nach Ablauf der Zwölf-Wochen-Frist als Freilandeier verkauft werden dürfen, allerdings unter der Prämisse: Hennen müssten Zugang zu einem Wintergarten und damit zu frischer Luft haben.

Bundesweit 1,2 Millionen Tiere getötet

Bundesweit gab es im Winter 2016/17 das bisher schwerwiegendste Geflügelpestgeschehen in Deutschland und Europa seit Beginn der Aufzeichnungen. In Deutschland waren 90 Geflügelhaltungen und 15 Tierparks oder Zoos betroffen. 1,2 Millionen Tiere wurden getötet.

In Mecklenburg-Vorpommern mussten 40 000 Puten in einem Betrieb bei Tribsees (Kreis Vorpommern-Rügen) getötet werden, nachdem dort das H5N8-Virus nachgewiesen worden war.

Der zahlenmäßig größte Fall im Land ereignete sich in einem Legehennenbetrieb in Schwanheide (Ludwigslust-Parchim) mit 106  000 Tieren. Seit Anfang April ging die Zahl der Vogelgrippefälle deutlich zurück. Nach Angaben des Agrarministeriums in Schwerin wurden von November bis April 15 Fälle bei Hausgeflügel und 102 bei Wildvögeln registriert.

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