Schwerin : Die Polizei lässt die Puppen tanzen

Christian Sofke und Juliane Auf dem Thie gehören zur Polizei-Puppenbühne.
Christian Sofke und Juliane Auf dem Thie gehören zur Polizei-Puppenbühne.

Das Landeskriminalamt betreibt Prävention für Kinder mit eigener Puppenbühne . Es wird ein Profi-Kollege gesucht

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20. Februar 2018, 12:00 Uhr

Beim Landeskriminalamt (LKA) soll demnächst ein bisschen mehr künstlerischer Sachverstand einziehen. Die Beamten suchen einen Puppenspieler. Ein Profi soll es sein, mit Hochschulabschluss bitte schön.

Das LKA jagt nicht nur Verbrecher, sondern betreibt auch eine eigene Präventionsabteilung. Deshalb steht in einer Garage in Rampe der Transporter der Polizei-Puppenbühne – die einzige in MV.

Seit 1996 tingelt die Bühne schon durchs Land und bislang waren ausschließlich Polizisten mit ihr unterwegs. Nun wollen sie neue Wege gehen in der Abteilung 6. „Wir wollen unsere Fähigkeiten steigern“, sagt Charlotte Eckert, die zuständige Abteilungsleiterin. Das verspricht man sich von einem studierten Puppenspieler. Ein Novum sei das, sagt Eckert. Und schiebt gleich hinterher: „Aber wir haben kein Defizit. Wir könnten auch so weitermachen.“

Auf 180 Veranstaltungen haben es Christian Sofke und seine drei Kollegen im vergangenen Jahr gebracht. Kilometer zählen sie dabei nicht. Dafür Kinder, denen sie erklären, wie sie sicher durch den Straßenverkehr kommen und was es mit Mobbing auf sich hat. Über 200000 sind es bislang. Die Puppenbühne ist so erfolgreich, dass „wir für 2018 ausgebucht sind“, sagt Sofke.

Der 55-Jährige war früher Verkehrspolizist. Heute macht er Verkehrsprävention. Dabei hilft ihm zum Beispiel Karlchen der Frosch. Eine der 52 Figuren, die zum Equipment gehören. Für die Bühne bauen die vier Polizei-Puppenspieler nahezu alles selber. Puppen, Deko, Kulissen, das meiste der Ausstattung entsteht in ihrem Büro.

Mit Puppen, sagt Sofke könne man schnell einen Zugang zu Kindern gewinnen. „Wir sind seit 1996 praktisch mit dem gleichen Stück unterwegs“, erzählt er. Immer mal wieder angepasst an den gesellschaftlichen Wandel, aber der Kern der Botschaft bleibe der gleiche: der Straßenverkehr ist für Kinder gefährlich. Aus Gesprächen mit Erziehern, Pädagogen und den eigenen Kollegen entwickeln sich dann auch neue Themen. Mobbing sei so eins, sagt er. „Das ist noch ganz frisch.“

Sofke und seine Kollegen haben sich freiwillig für die Puppenbühne gemeldet. Zur Begeisterung für die Arbeit mit Kindern kommt der Anspruch an Professionalität. Deshalb ist die Polizei-Puppenbühne keine Laientruppe. Die Beamten fahren zu Weiterbildungen und Festivals, tauschen sich mit Kollegen aus ganz Deutschland aus.

In 20 Jahren hinter der Bühne erlebt man schon einiges. „Wir haben schon in Feuerwehrgaragen gespielt und in Bushallen.“ Häuser mit offenen Dächern waren auch schon dabei. Mit 2,70 Metern Höhe passt die Bühne nun nicht überall hinein.

Der Puppenspieler, der sich zwischen den Polizisten hinter der Bühne einsortieren darf, muss sich auch gleich auf neue Wege einstellen. Die Polizei-Puppenbühne will expandieren. „Im März spielen wir in Stettin“, erzählt Sofke. Sie wollen mit ihrem Programm zukünftig in der Grenzregion auftreten.

Wann der neue Kollege anfängt, steht noch nicht fest. Doch offenbar ist für Puppenspieler der Öffentliche Dienst durchaus attraktiv. „Die Resonanz auf die Ausschreibung ist gut“, sagt Abteilungsleiterin Eckert.

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