Mecklenburg-Vorpommern : Die Polen kommen nicht

Schätzungen der Arbeitsagentur gehen davon aus, dass in den nächsten vier Jahren etwa 4000 Polen nach MV kommen werden. Im gleichen Zeitraum werde die Gruppe im erwerbsfähigen Alter um 50 000 Menschen schrumpfen.

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21. November 2010, 06:28 Uhr

Schwerin | Mit der Freizügigkeit für osteuropäische Arbeitnehmer ab Mai 2011 erwartet die Arbeitsverwaltung in MV keinen Massenzustrom polnischer Arbeitskräfte. "Schätzungen der Arbeitsagentur gehen davon aus, dass in den nächsten vier Jahren etwa 4000 Polen nach Mecklenburg-Vorpommern kommen werden", sagte der Chef der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, Jürgen Goecke. Im gleichen Zeitraum werde die Gruppe der Mecklenburger und Vorpommern im erwerbsfähigen Alter um 50 000 Menschen schrumpfen, weil geburtenstarke Jahrgänge in Rente gehen.

Hoffnungen von Arbeitgebern, polnische Arbeitnehmer könnten den Fachkräftemangel im Land lösen, würden sich damit ebenso wenig erfüllen wie Befürchtungen, Polen könnte Einheimische auf dem Arbeitsmarkt verdrängen. "Polen hat das gleiche demografische Problem wie wir, die Jugendlichen werden knapp", sagte Goecke. In Polen mangele es bereits an Fachkräften, für diese stiegen bereits die Löhne.

Das Vorstandsmitglied der Bundesagentur, Heinrich Alt, rechnet hingegen damit, dass die Freizügigkeit den Abbau der Erwerbslosigkeit vor allem in den neuen Ländern verzögern wird. "Wir rechnen damit, dass künftig jährlich zwischen 100 000 und 140 000 Arbeitskräfte aus diesen Ländern zeitweilig oder dauerhaft einen Arbeitsplatz in Deutschland suchen werden", sagte Alt am Wochenende. Der zusätzliche Wettbewerb werde vor allem im Bereich der An- und Ungelernten entstehen, während diese Konkurrenz für Fachkräfte keine große Bedeutung haben dürfte, betonte Alt. Er appellierte an die Länder, größere Anstrengungen zu unternehmen, damit kein Jugendlicher die Schule ohne Abschluss verlässt. Dass in MV 17 Prozent der Schulabgänger keinen Abschluss hätten, sei alarmierend.

Goecke meinte, dass viele Polen, die im Ausland Geld verdienen wollen, bereits in England und Frankreich sind, wo dies schon länger möglich ist. Und schließlich würden für einen Polen, der sich zum Umzug nach Deutschland entschließt, Ballungszentren wie Hamburg attraktiver sein als MV mit seinen begrenzteren Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten. "Wir werden trotzdem um Polen werben", kündigte Goecke an. So sollen junge Leute für die Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe in MV gewonnen werden. "Hierbei denke ich besonders an Grenzpendler, die weiterhin in Polen wohnen, jedoch in Deutschland ihre Ausbildung machen." In MV blieben schon in diesem Jahr 700 Lehrstellen in der Branche unbesetzt. Es gebe Überlegungen in der Arbeitsverwaltung, einen Vermittlungsservice in Stettin (Szczecin) zu eröffnen, sagte Goecke weiter. Bereits jetzt gebe es auf Polen spezialisierte Europa-Vermittler in den Arbeitsagenturen in Greifswald und Pasewalk.

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