Pipeline-Ausstellung in Greifswald : Die Pfeile der Rentierjäger

Eine Urne mit Leichenbrand aus einem Grab um 250 v.Chr. (Fundort Steinfurth, Landkreis Vorpommern-Greifswald) in der Sonderausstellung „Pipeline: Archäologie“
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Eine Urne mit Leichenbrand aus einem Grab um 250 v.Chr. (Fundort Steinfurth, Landkreis Vorpommern-Greifswald) in der Sonderausstellung „Pipeline: Archäologie“

„Pipeline: Archäologie“ – Eine neue Ausstellung zeigt Funde vom Erdgastrassen-Bau

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06. März 2016, 09:00 Uhr

Knapp 240 archäologische Exponate aus der Steinzeit bis in das 20. Jahrhundert zeigt die Ausstellung „Pipeline: Archäologie“ von Sonntag an in Greifswald. Die Ausstellungsstücke gehören zu den mehreren 10 000 Funden, die zwischen 2007 und 2012 beim Bau der Erdgastrassen Opal und Nel entdeckt, dokumentiert und geborgen wurden, wie Landesarchäologe Detlef Jantzen gestern in Greifswald sagte.

Zu den überraschendsten Entdeckungen gehört ein Gräberfeld von 250 vor Christus, das die Archäologen bei Steinfurth freilegten. Die mit einer Steinplatte abgedeckten Urnen blieben über mehr als 2000 Jahre unbeschädigt. „Als das Grabungsteam die Platte anhob, befanden sich darunter die Urnen mit dem unversehrt gebliebenen Leichenbrand“, sagte Jantzen.

Die Ausstellung nimmt die Besucher auf einen Exkurs durch die Geschichte des Landes mit. Ältester Fund ist eine Feuerstein-Pfeilspitze, mit der Menschen kurz nach Ende der Eiszeit vor 12 000 Jahren in der Mecklenburgischen Seenplatte auf Rentierjagd gegangen waren. Die jüngsten Funde stammen aus einem Kriegsgefangenenlager, das nach Kriegsende 1945 nur wenige Wochen bei Sülstorf (Kreis Ludwigslust-Parchim) existierte.

Die Funde hätten einen enormen Erkenntnisgewinn zur Siedlungsgeschichte des Landes gebracht, sagte Jantzen. So sei in der Völkerwanderungszeit der Nordosten entgegen hergebrachten Vorstellungen keine entleerte Region, sondern von Menschen besiedelt gewesen. In einer Siedlung stießen die Archäologen auf einen Platz, in dem Hirsch in der Grube zubereitet worden war.

Die archäologischen Funde, darunter auch ein Goldsolidus aus dem 6. Jahrhundert, werden in der Ausstellung entlang einer virtuellen Trasse präsentiert. Themeninseln tauchen in verschiedene historische Zeitebenen ein. Rezepte aus der Geschichte wie eine mittelalterliche Biersuppe ergänzen die Schau. Die Ausstellung wurde bereits in Groß Raden gezeigt und geht nach der Station im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald nach Rostock, Neubrandenburg, Stralsund und Wismar.

Die Erdgastrassen Opal und Nel wurden in den Jahren 2009 bis 2012 gebaut. Opal führt von der Anladestelle der Ostsee-Pipeline in Lubmin bei Greifswald nach Süden durch Vorpommern, Brandenburg und Sachsen bis an die tschechische Grenze. Nel leitet das russische Erdgas von Lubmin nach Westen quer durch Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen bis in die Nähe von Bremen.

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