Die Perlen in der weißen Bucht

Die Innenarchitektur bezieht sich auf Materialien und Pflanzen, die an der Küste vorkommen, etwa Sand, Wasser, Holz, Hagebutten oder Schilfgras. Die Zimmer im Dorfhotel prägt  ein warmes Rot, das mit Erdtönen kombiniert wird. Die Appartements sind mit ein bis drei Schlafzimmern ausgestattet und verfügen über eine Küchenzeile mit Geschirrspüler, Mikrowelle und Ceranherd.
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Die Innenarchitektur bezieht sich auf Materialien und Pflanzen, die an der Küste vorkommen, etwa Sand, Wasser, Holz, Hagebutten oder Schilfgras. Die Zimmer im Dorfhotel prägt ein warmes Rot, das mit Erdtönen kombiniert wird. Die Appartements sind mit ein bis drei Schlafzimmern ausgestattet und verfügen über eine Küchenzeile mit Geschirrspüler, Mikrowelle und Ceranherd.

Mecklenburg-Vorpommern ist um eine „Strandperle“ reicher: Mit der „Weißen Wiek“ in Boltenhagen (Nordwestmecklenburg) wurde gestern „eine Lücke zwischen Travemünde und Kühlungsborn“ geschlossen. Mit seinen beiden Hotels und der Marina zählt das neue Ferienresort zu den größten Tourismusprojekten Deutschlands. Wir haben auf dem 118 000 Quadratmeter großen Areal hinter die Kulissen geblickt.

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02. Mai 2008, 11:11 Uhr

Fast auf den Tag genau zehn Jahre ist es her, als Heinrich Krumme das ehemalige Militärgelände auf der Halbinsel Tarnewitz betrat. „Die Sonne schien, wir hatten wenig Angst.“ Gute Voraussetzungen, eine millionenschwere Entscheidung zu treffen.

„Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“, riet einst Altkanzler Helmut Schmidt. Unternehmer Krumme ging zum Notar. „Ich hatte einen Traum.“ Jenen, von der Weißen Wiek – einem der ehrgeizigsten Tourismusprojekte Deutschlands.

Im Laufe der Jahre musste der Schleswig-Holsteiner „viele Frösche küssen“. Mehr als einmal drohte das „touristische Leuchtfeuer“ zu erlöschen. Verhandlungen mit Holländern über die Marina scheiterten. Auch Banker sprangen nicht sofort vor Begeisterung in die Luft.

Ein andermal brachten mehr oder weniger zufällige Begegnungen Krummes Traum entscheidende Schritte weiter. Der Hamburger Jan-Oliver Meding etwa malerte gerade in der Schule seiner Kinder, als eine Frau den Architekten anspricht, ob er nicht die Projektentwicklung in Tarnewitz inne habe. Es ist die Frau von Andreas Hundsdörfer. Der Geschäftsführer der heutigen Sea-Site GmbH betrieb damals die Marina Schlutup. Ihr Mann habe Interesse an einer Zusammenarbeit für die Marina Boltenhagen. Zehn Tage später sind die Verträge unter Dach und Fach. Inzwischen sitzt auch Europas größter Ferienhotelier, die TUI Hotel&Resorts, mit zwei Hotelmarken im Boot. Auch die Banken geben grünes Licht, das Land steuert Fördermittel bei. Insgesamt fließen gut 100 Millionen Euro in die Anlage, 44 Millionen davon aus Fördertöpfen von Bund, Land und EU. „Eine architektonisch gelungene und touristische sinnvolle Investition“, so Ministerpräsident Harald Ringstorff.

Alle Zimmer zeigen zum Meer
571 Tage, nachdem die erste Erde umgegraben wurde, ist Heinrich Krummes Vision gestern schließlich Wirklichkeit geworden: Die Weiße Wiek ist eröffnet. Das maritime Herzstück der Anlage ist die Marina Boltenhagen, die Liegeplätze für 290 Schiffe bietet. Yachten bis zu einer Länge von 50 Metern werden zum Teil direkt an der „Baltischen Promenade“ festmachen.

Zu dem neuen Urlaubsrevier gehören außerdem zwei Hotels in typischer Bäderarchitektur. Wie an einer Perlenschnur aufgereiht, ziehen sich die weißen Häuser mit abgesetzten Farbanstrichen und weißen Holzbalkonen die 1000 Meter lange Promenade vom Hafen bis zum Strand entlang. Während das autofreie Dorfhotel mit seinen 191 Appartements, einen Baby-, Kinder- und Jugendclub ganz und gar auf Familien eingestellt ist, zielt das Iberotel mit ebenso vielen Zimmern und einem großen Wellnessbereich auf Pärchen und Alleinreisende ab. Insgesamt verfügt das Resort über 950 Betten.

„Alle Zimmer zeigen zum Meer“, verweist Kathleen Heilig auf eine Besonderheit der Anlage. Ob Wünsche, Anregungen oder Beschwerden, die Boltenhagenerin ist im Hotel erste Ansprechpartnerin für die Gäste, zu neudeutsch „Guest Relation Manager“. In den vergangenen Tagen ist sie unzählige Male die Anlage auf und ab gelaufen, hat Neugierige durch das gut 110 000 Quadratmeter große Areal geführt: durch Appartements und Suiten, in den Wellnessbereich, zu den Kinder- und Jugendclubs, durch Restaurants und Bars. Inzwischen kennt sie jeden Quadratzentimeter. „Hier werden wir zur Fußballeuropameisterschaft eine Großleinwand aufstellen“, sagt sie beim neuerlichen Rundgang und zeigt auf eine schwimmende Bühne an der Marina.

Dorfhotel ausgebucht
„Wir sind begeistert, vor allem von den Angeboten, die für Kinder bereitgehalten werden“, sagt Anett Bosch. Die Berlinerin verbringt mit ihrer Familie und Freunden das lange Maiwochenende in der neuen Ferienanlage. „Ich bin überrascht, wie gut die Appartements gedämmt sind. Obwohl sich hier so viele Familien mit Kindern aufhalten, hört man aus den Nachbarwohnungen gar nichts.“

Das Urlaubs- und Freizeitresort wird insgesamt 180 Arbeitsplätze schaffen, von denen 18 für Auszubildende vorgesehen sind. In der Hochsaison verstärken zusätzliche Saisonkräfte die Teams. Etwa 70 Prozent der Mitarbeiter stammen aus der Region. Im ersten Jahr rechnen die Betreiber mit einer durchschnittlichen Auslastung von 65 Prozent.

Die Sonne scheint auch gestern, als Projektinitiator Heinrich Krumme zur Eröffnung anreist. Angst hat der 65-Jährige auch jetzt nicht, wo es um die Wirtschaftlichkeit der Anlage geht. Für dieses Wochenende versprechen die Reservierungen eine Auslastung von bis zu 75 Prozent. Ähnlich verlaufen die Vorbuchungen für Pfingsten. Für Juli und August ist das Dorfhotel bereits ausgebucht.


Der typische Meck-Pomm-Urlauber...



ist nach Daten des Tourismusverbandes MV (TMV)
Stammkunde
durchschnittlich 47,5 Jahre alt .
verfügt über ein Haushalts-Nettoeinkommen von 2550 Euro.
reist mit Partner ohne Kinder
reist mit dem Auto an.
fährt regelmäßig in den Urlaub.
Kommt zu je 50 Prozent aus den alten und neuen Bundesländern
war auch schon des öfteren am Mittelmeer.
übernachtet am häufigsten im Hotel für durchschnittlich
47 Euro pro Person oder in Ferienhaus /FeWo für je 23 Euro
gibt durchschnittlich 20,50 Euro pro Tag aus.
verbringt hier mit durchschnittlich 7 Tagen den Jahresurlaub.
bewertet nach Schulnoten die Unterkünfte mit 1,94, die Gastronomie mit 2,3, die
Freizeitmöglichkeiten mit 2,43.
erwartet viel Natur, Ruhe, einen schönen Badestrand und Sonne
bevorzugt Urlaub in Ostseebädern
hat seine Reise geplant
und bucht direkt über den Vermieter
möchte sich aktiv betätigen (baden, wandern, radeln...)


Die Badewanne der Deutschen



Mecklenburg-Vorpommern ist im Sommer die größte Badewanne der Deutschen. Das war das klare Ergebnis der Sommerurlaubsanalyse 2007 des Europäischen Tourismus Instituts (ETI) mit Sitz in Trier. Danach konnte MV seinen Spitzenrang als beliebtestes Inlandsziel der deutschen Sommerurlauber behaupten und den Vorsprung um einen Prozentpunkt ausbauen. Der Studie zufolge verbrachten 21 Prozent - das entspricht jedem fünften deutschen Sommerurlauber - ihre Ferien in Mecklenburg-Vorpommern. Dahinter kam Ganzjahres-Primus Bayern mit 17 Prozent der Sommerurlauber vor Schleswig-Holstein mit knapp 16 Prozent sowie Niedersachsen und Hessen. Auch bei der Zufriedenheit liegt der Nordosten nach Angaben des Tourismusverbandes MV vorn: Nur aus Bayern kehrten die Sommerurlauber ebenso glücklich zurück wie aus Mecklenburg-Vorpommern. Sie vergaben für beide Bundesländer die Note 1,7. Es folgen Baden-Württemberg und Niedersachsen mit der Note 1,8. Schleswig-Holstein-Urlauber gaben ihrem Sommerreiseziel die Note 2,0. „Das ist ein Kompliment an unsere Gastgeber aber kein Ruhekissen“, betonte TMV-Geschäftsführer Fischer. „Wenn wir uns auch in Zukunft vorn platzieren wollen, müssen wir beim Service weiter zulegen und uns an internationalen Maßstäben messen lassen.“


Die 27-Millionen-Marke im Visier



Die Tourismusbranche geht mit hohen Erwartungen in das an diesem Wochenende kräftig anlaufende Saisongeschäft. Nach zweistelligen Zuwachsraten in den ersten beiden Monaten 2008 hatten in MV bereits 486 000 Gäste insgesamt 1,75 Millionen Mal übernachtet. Das entspricht einer Steigerung von 10,6 Prozent bei den Ankünften und zwölf Prozent bei den Übernachtungen gegenüber 2007. Im Gesamtjahresergebnis standen 26,3 Millionen Übernachtungen zu Buche – mehr als jemals zuvor in MV gezählt wurden. Kein Wunder, dass die Touristiker neue Rekorde angehen wollen.

Tourismusverbands-Präsident Mathias Löttge prophezeite bereits: „Wenn nicht unvorhergesehene Widrigkeiten auftreten, können wir in diesem Jahr erstmalig an der 27-Millionen-Marke kratzen.“ Dies entspräche einer Steigerung der Übernachtungszahlen um fast drei Prozent. Große Reiseveranstalter signalisieren laut Löttge, dass es in ein ausgeprägtes Interesse an Urlaubsangeboten in MV gibt. Dies bestätigten auch Buchungsplattformen, die teilweise von Steigerungen bei den Buchungen im zweistelligen Prozentbereich sprechen.

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