zur Navigation springen

Flutgefahr an der Küste : Die Ostsee kommt näher

vom

Der Meeresspiegelanstieg an der Ostseeküste erfordert millionenschwere Investitionen in die Küstenschutzanlagen. Die Auswirkungen auf die Strände und Dünen könnten gravierend sein.

Schwerin/Greifswald | Der Meeresspiegelanstieg an der Ostseeküste erfordert in den nächsten Jahrzehnten millionenschwere zusätzliche Investitionen in die Küstenschutzanlagen. Nicht nur die Deiche müssten verstärkt werden, sagte Umweltminister Till Backhaus (SPD). Gravierend könnten mit dem steigendem Wasserniveau auch die Auswirkungen auf die Strände und Dünen sein, die dann mit deutlich höheren Aufwendungen als heute geschützt werden müssten. Um Strände und Dünen zu erhalten, würden jährlich für fünf Millionen Euro rund 500 000 Kubikmeter Sand aufgespült. "Bis zum Ende des Jahrhunderts könnten sich die erforderlichen Mengen durchaus verdoppeln." Eine konkrete Gesamtsumme für die zusätzlichen Aufwendungen konnte der Minister noch nicht nennen. Die wissenschaftlichen Untersuchungen zu dieser Problematik stünden erst am Anfang.

Im Sommer 2011 hatten sich die Länder Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein darauf verständigt, künftig bei der Bemessung der Küstenschutzanlagen einen "Klimazuschlag" von 50 Zentimeter zu verwenden. Damit reagierten die Länder auf Prognosen von Klimaforschern, die bis 2100 auch für die Ostseeregion deutlich stärker steigende Pegel voraussagen. Bisher orientierte sich das Bemessungshochwasser am Wasserstand der Extrem sturmflut von 1872 und berücksichtigte einen Betrag von 20 Zentimeter pro Jahrhundert für den Meeresspiegelanstieg.

Seit 1991 wurden in MV rund 317 Millionen Euro in den Küstenschutz investiert. Nach Einschätzung von Backhaus wird es selbst bei Beibehaltung des bisherigen Investitionsniveaus noch rund 20 Jahre dauern, bis alle im Zusammenhang bebauten Gebiete an Mecklenburg-Vorpommerns Küsten auf einheitlichem Niveau geschützt sind. Theoretisch wäre es möglich, den Zeitraum von 20 Jahren zu verkürzen, wenn mehr Mittel bereitstünden. Das Land investiert nach Angaben des Umweltministeriums jährlich rund 20 Millionen Euro in den Küstenschutz. Damit sei die Leistungsfähigkeit des Landes erschöpft.

Backhaus warnte aber davor, sich in absoluter Sicherheit zu wägen. "Es kann immer Naturereignisse geben, denen die Küstenschutzanlagen nicht gewachsen sind. In Mecklenburg-Vorpommern gelten rund 1000 Quadratkilometer als überflutungsgefährdet", sagte Backhaus. In diesen Gebieten befänden sich zahlreiche Ortschaften, deren gesicherte Entwicklung nur mit Sturmflutschutzeinrichtungen gewährleistet werden könne. Backhaus verwies auf einen Sonderrahmenplan, über den Bund und Länder bis 2025 rund 453 Millionen Euro zusätzlich für den Küstenschutz bereitstellen, um vorausschauend auf den Klimawandel reagieren zu können. MV erhalte aus diesem Programm insgesamt 50 Millionen Euro.

Größtes Neubauprojekt ist derzeit der insgesamt 32,6 Millionen Euro teure Sturmflutschutz für die Hansestadt Greifswald. Kernstück dieser Maßnahme ist der Bau eines Sperrwerkes im Ryck, das 2014 fertiggestellt werden soll. Durch seine gefährdete Lage weise die Stadt mit rund 250 Millionen Euro bei einer Sturmflut allein ein Achtel des Schadenspotenzials des Landes auf. Das Schadenspotenzial im gesamten Bundesland wurde im Jahr 1994 auf rund zwei Milliarden Euro geschätzt.

zur Startseite

von
erstellt am 18.Dez.2011 | 06:55 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen