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Mecklenburg-Vorpommern

19. November 2017 | 11:33 Uhr

Reportage : Die „ostdeutsche Route 66“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Heimat, Freiheit, Sehnsucht – der MDR porträtiert die legendäre B96.

svz.de von
erstellt am 18.Jul.2017 | 12:00 Uhr

83 Jahre alt ist die Fernstraße, die Menschen, Orte und Abenteuer auf 520 Kilometern miteinander verbindet. Für DDR-Bürger war die damalige F96 die wichtigste Nord-Süd-Verbindung des Landes. Die Strände der Ostsee, das geteilte Berlin und die Gebirge Sachsens lagen an ihren Rändern. Der Rostocker Schriftsteller Marc-Uwe Kayser bezeichnete die Straße in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ als „ostdeutsche Route 66“ – eine Straße, an der man all das sehen kann, was den Osten im Wesentlichen ausmacht.

Noch heute führt die B96 einmal quer durch Ostdeutschland. In zwei Teilen erzählt die MDR-Reportage „Die B96 – Legendäre Fernstraße“ von Ilka Kettner und Iris Schülke nicht nur Asphaltgeschichte, sondern blickt auf Regionen, Landschaften und Menschen.

Die einzige Konstante in der Geschichte der Straße war die Zahl 96. Die Planer der Weimarer Republik nummerierten 1932 erstmals alle Fernstraßen des Landes durch. Die Fernverkehrsstraße „FVS96“ war geboren. Die Nationalsozialisten änderten den Namen in „R96“, wobei das R für „Reich“ stand. Mit Hitlerdeutschland fiel 1945 auch der Buchstabe. Die DDR nannte ihre wichtigste Hauptverkehrsachse F96. Der Volksmund mochte es schlichter und sprach nur von „der 96“.

Die MDR-Reportage startet in Königswartha in Sachsen mit Ludwig Jatzwauk und Wolfgang Wittrien. Alle vier Jahre bringen die Männer vom „Oldtimer-Club Feuerfest Wetro“ an die 300 Oldtimer auf die Straße. Das erste Mal veranstalteten sie die Tour im Sommer 1989. Schon die Organisation des Vorhabens auf der längsten Fernstraße der DDR war ein Abenteuer.

Wer heute in Richtung Berlin fährt, stößt im Süden der Hauptstadt auf zwei B96. Der Grund: Ein Teil der Straße verlief vor 1961 durch Westberlin. Nach dem Bau der Mauer verlegte die DDR-Führung die Straße in den Osten, um einen durchgängigen Verlauf in der Hauptstadt zu gewährleisten. Nach der Wiedervereinigung erhielt das westliche Teilstück den Namen „B96“, das östliche „B96a“. Am Ende der Route erzählt die Leipzigerin Christine Schimanski in der TV-Reportage über ihr Arbeitsleben an der Straße. Sie verschlug es 1969 nach Sassnitz und sie landete hinter der Rezeption im Rügen-Hotel, einer der begehrtesten Adressen im Norden und Devisenbringer für den Staatshaushalt. Die Fernstraße brachte Urlauber aus der ganzen DDR Richtung Ostsee. Dabei war der Rügendamm ein staugeplagtes Nadelöhr durch seine alte Zugbrücke, die alle paar Stunden hochgeklappt wird. Die Rettung kam mit Martin Steinkühler. Der leitende Ingenieur berichtet in der Sendung, wie er mit dafür sorgte, dass der Verkehr seit 2007 auf der neuen Rügenbrücke entspannt bis an die Ostsee rollen kann.

Die heutige B96 ist kürzer, weil die regionalen Verkehrsämter ihre Straßen unabhängig voneinander planen. Heute fehlen in Brandenburg und vor allem in Vorpommern viele Kilometer. Besonders durch die Autobahnen verlor die „ostdeutsche Route 66“ endgültig an Bedeutung. Noch einmal der längsten Fernstraße Ostdeutschlands folgen, ist heute ab 20.45 Uhr auf MDR möglich. Der zweite Teil folgt am 25 Juli.



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