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Die Zahl der Sozialbestattungen steigt : Die Not, unter die Erde zu kommen

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Immer mehr Menschen in MV können sich die Beerdigung ihrer Angehörigen nicht leisten. In 814 Fällen übernahmen 2010 die Sozialbehörden die Kosten für die Bestattung. Das Land folgt damit dem Trend in ganz Deutschland.

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erstellt am 15.Mär.2012 | 10:16 Uhr

Schwerin | Immer mehr Menschen in Mecklenburg-Vorpommern können sich offenbar die Beerdigung ihrer Angehörigen nicht leisten. In 814 Fällen übernahmen 2010 die Sozialbehörden die Kosten für die Bestattung. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes waren es 328 Fälle und somit 67 Prozent mehr als noch 2006. Das Land folgt damit dem Trend in ganz Deutschland, wo die Zahl der sogenannten Sozialbestattungen ähnlich rasant auf 22 650 stieg.

Seit 2004 zahlen die Krankenkassen kein Sterbegeld mehr. Stattdessen müssen die Hinterbliebenen die Bestattungskosten übernehmen, falls der oder die Verstorbene dafür kein Geld beiseite gelegt oder eine Versicherung abgeschlossen hat. Wer nicht genug Geld hat, kann in der Regel beim Sozialamt beantragen, dass die Kosten der Beerdigung übernommen werden. In einigen Fällen zahlt das Amt auch, wenn einem Verwandten nicht zuzumuten ist, die Bestattung zu bezahlen - etwa wenn die Familie schwer zerrüttet war.

Unterdessen sind die Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern offenbar bemüht, die Kosten für die Sozialbestattungen zu senken. Während sie 2006 im Durchschnitt noch 2200 Euro zahlten, waren es 2010 nur noch knapp 1400 Euro. Zusätzlich zu den Sozialbestattungen müssen die Kommunen auch für jene Verstorbenen die Bestattungskosten übernehmen, die keine Hinterbliebenen haben oder diese nicht ermittelt werden können. Sie machen zum Beispiel in Schwerin und in Stralsund weniger als ein Prozent der Bestattungen aus. Welche Kosten übernommen werden, ist von Amt zu Amt verschieden. Richtwert seien "die ortsüblichen Verhältnisse, damit keine Unterschiede spürbar sind", so eine Sprecherin des Landkreises Mecklenburger Seenplatte, in dessen Gebiet im vergangenen Jahr 137 Sozialbestattungen anfielen. Was "angemessen" ist, werde vom Amt festgelegt. Sonderwünsche wie Eichensarg oder Grabmal würden aber in der Regel nicht bezahlt.

In Schwerin machen die Sozialbestattungen ungefähr sechs Prozent aller Beerdigungen aus. 2010 wurden in der Landeshauptstadt 1119 Menschen zu Grabe getragen. Die Stadt zahlt an mittellose Hinterbliebene höchstens 1585 Euro für eine Erdbestattung oder 1225 Euro für eine Urnenbestattung - wobei allerdings ein teurer Sarg nicht dadurch "erkauft" werden kann, indem man auf den Trauerredner verzichtet. Hinzukommen können bis zu 500 Euro für ein Grabmal. Die Grabpflege wird von den Sozialämtern in der Regel nicht bezahlt. Diese Arbeitsleistungen könnten den Hinterbliebenen zugemutet werden, sagt Eva Schubert vom Städtischen Friedhof in Stralsund. Zudem sei Grabpflege wichtig, um seine Trauer zu bewältigen.

Volker Arndt sieht die Sparsamkeit der Kommunen bei den Sozialbestattungen mit Sorge. "Unter einem gewissen Preis ist eine würdige Bestattung nicht zu haben", sagt der Vorsitzende des Bestatterverbandes Mecklenburg-Vorpommern. 800 bis 1000 Euro sei das notwendige Minimum für eine Bestattung - Krematorium, Friedhofsgebühren und Grabpflege sind darin nicht enthalten. Einige Kommunen wollen dem Bestatter jedoch nur 400 Euro zahlen, behauptet Arndt. Außerdem hielten sich einige Behörden nicht ans Gesetz, zum Beispiel wenn sie dem Toten Kissen und Decke im Sarg verweigern oder wenn sie Angehörigen eine oft kostengünstigere Urnenbestattung aufdrängen. "Urne oder Erdbestattung dürfen die Betroffenen jedoch aussuchen", so Arndt, falls der Verstorbene dies zu Lebzeiten nicht geregelt hat. Nicht jede Knauserigkeit ist jedoch gegen das Gesetz, betont Arndt. Es lasse aber zu viel Spielraum, so dass "man keine klare Linie hineinbekommt".

Michael Glaser vom Städte- und Gemeindetag sieht keinen Grund für landesweit einheitliche und engere Regeln. "Hauptsache ist doch, die oder der Tote wird würdig bestattet und den Steuerzahler kostet es nicht zu viel."

Was ist eine Sozialbestattung?

Die Bestattung eines Menschen auf Kosten der öffentlichen Hand wird als Sozialbestattung bezeichnet. Die Sozialämter zahlen dann für eine Bestattung, wenn mittellose Verstorbene keine Angehörigen haben oder die Hinterbliebenen finanziell nicht in der Lage sind, die Kosten zu tragen. Auskünfte zu Sozialbestattungen erteilen die Sozialabteilungen der Kommunen.

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