Milchbanken in MV : Die Muttermilch machts

In Neubrandenburg und in Greifswald gibt es eine Frauenmilchbank.
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In Neubrandenburg und in Greifswald gibt es eine Frauenmilchbank.

Für Frühchen mehr als Gold wert: In MV können Frauen überschüssige Muttermilch spenden.

svz.de von
04. September 2017, 06:00 Uhr

Die kleine Johanna schmatzt, dann fallen ihr beim Trinken an Mamas Brust die Augen zu. Das drei Monate alte Baby wächst prächtig, obwohl es noch Muttermilch übrig lässt. Die pumpt ihre Mama ab und spendet sie dem Klinikum Neubrandenburg.

Vor allem Frühchen brauchen Muttermilch, die aus Sicht von Ärzten viel mehr ist als nur Nahrung. Wenn die eigene Mutter keine oder noch keine Milch hat, ist Milch von fremden Müttern die zweitbeste Option. Sie liefert neben menschlichen Eiweißen, Fetten und Kohlehydraten auch Immunstoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. „Bei Frühgeborenen besteht ein hohes Risiko für eine tödliche Darminfektion“, sagt die Greifswalder Medizinerin Anja Lange. Mit Frauenmilch aufgezogene Frühchen erkrankten kaum daran. Auch die Langzeitprognosen dieser Babys seien günstiger: Sie haben seltener Übergewicht und Allergien, das Gehirn entwickelt sich besser. Wenn eine Mutter nicht oder noch nicht stillen kann, ergebe sich die Notwendigkeit von Frauenmilchspenden, schlussfolgert Lange.

Anfang der 1990er Jahre wurden in Ostdeutschland wie schon zuvor im Westen die Frauenmilchsammelstellen an Krankenhäusern geschlossen. „Das war das erste, was nach der Wende wegfiel“, sagt eine Schwester der Geburtsklinik am Hanse-Klinikum Stralsund. In Stralsund wurde Frauenmilch auch aus anderen Krankenhäusern gesammelt und aufbereitet.

Heute haben in MV von 16 Kliniken mit Geburtshilfestationen nur zwei eine Frauenmilchbank – in Greifswald und Neubrandenburg. In den anderen Kliniken sagen die Mitarbeiterinnen: Das gibt es schon lange nicht mehr. Schwerin hat zwar noch eine Milchküche, sie wird aber nur im Einzelfall genutzt. Das Gesundheitssystem finanziert Frauenmilchbanken nicht. Die Kosten dafür trügen die Kliniken selbst, sagt Lange. Eine Kostenanalyse für Greifswald soll im Rahmen einer Doktorarbeit gemacht werden.

Auch in Neubrandenburg und Greifswald war die Tradition der Frauenmilchspende nach 1990 unterbrochen. Greifswald begann 2014 wieder damit, Neubrandenburg schon 2007. „Das Know-how war noch da“, erinnert sich Schwester Daniela Thees. Anfangs größer geplant, soll die Frauenmilchsammelstelle heute nur den Eigenbedarf der Neubrandenburger Klinik decken. Planbar ist der nicht. „Wenn ein Überschuss da ist, wird er auch zum Verkauf angeboten“, sagt Thees. In den Vorjahren hatte die Klinik meist vier bis fünf Spenderinnen, derzeit gibt es nur eine. Die 34-Jährige hat im Mai ihr zweites Kind bekommen. Ihre Hebamme habe ihr gesagt, dass sie gut zwei Babys ernähren könnte, berichtet sie. „Der Aufwand für das Abpumpen ist relativ gering, wenn man weiß, dass man damit Kindern helfen kann, die keinen so guten Start ins Leben hatten.“

Werden Kinder zu früh geboren, kann es sein, dass es vier oder fünf Tage dauert, bis ihre Mutter Milch hat. Oftmals müsse nur diese Zeit überbrückt werden, erläutert Schwester Daniela. Frühchen brauchen sehr wenig: Bei einem Geburtsgewicht von 500 Gramm bekommen sie zwölf Mal täglich einen halben Milliliter in den Magen sondiert.

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