Die Mörder sind unter uns

Polizisten suchen im Mühlenteich in Neubrandenburg nach dem Kopf der zerstückelten Frauenleiche. Foto: dpa
Polizisten suchen im Mühlenteich in Neubrandenburg nach dem Kopf der zerstückelten Frauenleiche. Foto: dpa

von
29. März 2012, 10:06 Uhr

Rostock | "Der Dicke war’s." Ein merkwürdiger Hinweis am Telefon, genetische Fingerabdrücke auf Einkaufstüten und diverse Leichenteile aus zwei Seen in der Umgebung von Neubrandenburg - das ist momentan alles, was die Polizei bei der Aufklärung eines vermuteten Tötungsverbrechens weiterhelfen kann. Seit Neujahr ermitteln Fahnder bereits in diesem schwierigen Fall.

Gestern ging am Mühlenteich bei Neubrandenburg die Suche nach dem Kopf der zerstückelten Frau weiter. Alle anderen Körperteile sind bereits gefunden worden. Doch die Suche gestaltete sich schwieriger als ursprünglich angenommen. "Das Wasser des Teichs lässt sich nicht so weit ablassen, dass der Boden sichtbar wird", sagte Staatsanwältin Beatrix Komning. Seit am Dienstag das Wehr geöffnet wurde, ist der Wasserspiegel lediglich um 30 Zentimeter gesunken. Taucher stiegen ins trübe Wasser, um nach dem Körperteil zu suchen. Insgesamt waren mehr als 40 Beamte im Einsatz. Mit Wathosen bekleidet bildeten sie eine Kette und suchten zunächst das Ufer des Gewässers ab.

Heute beginnen in Neubrandenburg die Massengentests für alle Männer zwischen 50 und 70 Jahren . Etwa 9000 Männer sind aufgerufen, sich zu beteiligen. Die Ermittler hoffen damit, der Identität der Toten und dem Täter doch noch auf die Spur zu kommen.

Pro Jahr registriert die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern etwa 80 Tötungsverbrechen - Mord, Totschlag und Körperverletzung mit Todesfolge. Die Aufklärungsrate ist hoch und liegt bei über 90 Prozent. "Tötungsdelikte haben bei Ermittlungen absolute Priorität, weil das Leben das höchste zu schützende Rechtsgut ist", erklärt Michael Schuldt, Pressesprecher des Landeskriminalamtes (LKA) in Schwerin.

Nach einer Faustregel der Polizei sind die ersten 72 Stunden nach einem Verbrechen für die Ermittlungen die wichtigsten. Je früher die Polizei am Tatort ist, umso unveränderter ist das Spurenbild. Außerdem erinnern sich Zeugen nur Stunden und Tage nach dem Geschehen besser an Einzelheiten, als nach Wochen oder Monaten.

Etwa 30 Tötungsverbrechen konnten von der Polizei bisher nicht aufgeklärt werden. Einige wenige stammen noch aus DDR-Zeiten. Im Januar 1989 verschwand die 13-jährige Kathrin Jarosch aus Sandkrug bei Lübz auf dem Weg zur Schule. Doch weder die Leiche des Mädchens noch der Täter konnte bisher gefunden werden.

Trotzdem werden die Ermittlungen nicht eingestellt. "Mord verjährt nicht", sagt Polizeisprecher Schuldt. In unregelmäßigen Zeitabständen werden die Akten von Altfällen aus den Regalen geholt und nach neuen Ermittlungsansätzen durchsucht.

Die Hoffnung, den Tätern doch noch auf die Spur zu kommen, nährt sich auch aus der Entwicklung von Wissenschaft und Technik. "DNA-Spuren, die 1990 noch nicht auswertbar waren, helfen uns heute weiter", berichtet Schuldt.

So konnten die Mörder von Antje Struck 12 Jahre nach ihrem Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden, weil eine neue DNA-Analysemethode sie üerführt hatte. Die 15-jährige Rostocker Schülerin wurde am 6. Juli 1996 in der Nähe der Fußgängerbrücke zwischen den Stadtteilen Schmarl und Evershagen bestialisch ermordet.

Im Januar 2008 verurteilte das Landgericht Rostock zwei Russen als Mörder des Mädchens zu lebenslangen Haftstrafen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen