Tierrecht : „Die Menschen lernen kaum dazu“

Mit der Ferienzeit steigt die Zahl der Tiere, die ausgesetzt werden
Mit der Ferienzeit steigt die Zahl der Tiere, die ausgesetzt werden

Die Zahl der ausgesetzten Tiere nimmt im Sommer bundesweit auf bis zu 70 000 zu.

svz.de von
05. Juni 2016, 18:26 Uhr

Viele Tierheime im Land rüsten sich für die Sommerzeit, doch der Anlass dafür ist alles andere als erfreulich. Mit Beginn der Ferienzeit steigt die Zahl der Tiere, die ausgesetzt werden, berichten Betreiber der Heime. Der Deutsche Tierschutzbund geht davon aus, dass bundesweit alleine in den Sommermonaten rund 70 000 neue Tiere in den Tierheimen aufgenommen werden müssen, vor allem Hunde, aber auch Katzen, kleine Heimtiere oder Reptilien. Eine Zahl, an der sich trotz vieler Aufklärungskampagnen wenig ändert, sagt Sprecher Marius Tünte.

Im Tierheim Dorf Mecklenburg bei Wismar ist das Phänomen bekannt. Vize-Chefin Astrid Hohenberg steht dem Verhalten der Halter hilflos gegenüber. „Die Menschen lernen kaum dazu. Es werden doch genügend Pensionsplätze für Haustiere angeboten“, sagt sie. Ihr Tierheim bietet für 14 Euro am Tag einen Platz an. Immerhin 162 Tierhalter machten im vergangenen Jahr davon Gebrauch.

Auch in der Hansestadt Rostock werden Tiere ausgesetzt, bestätigt der Chef des Veterinäramtes, Steffen Zander. Das gelte vor allem für Kleinnager wie Mäuse, Kaninchen oder Meerschweinchen. Einen Anstieg der Fallzahlen bei Hunden beobachtet er nicht. „Das Tierschutz-Bewusstsein der Rostocker hat sich weiterentwickelt.“

Wenn ausgesetzte Tiere im Heim landen, müssen sie oft aufgepäppelt werden, bevor sie an neue Besitzer vermittelt werden können, sagt Hohenberg. Im vergangenen Jahr wurden in Dorf Mecklenburg insgesamt 216 Katzen und 141 Hunde angeliefert. Auch wenn darin die Tiere mitgerechnet werden, die gefunden und den Haltern zurückgegeben werden konnten, seien es doch mehr als in den Jahren zuvor gewesen. „Es ist gerade die Ruhe vor dem Sturm“, berichtet Angelika Streubel vom Tierheim Schlage bei Rostock mit Blick auf die kommenden Wochen. Dabei sind der Fantasie der Tierhalter, ihre Tiere loszuwerden, keine Grenzen gesetzt. Vom Anleinen und „Vergessen“ an der Autobahnraststätte bis hin zum Aussetzen im Wald.

Die örtlichen Tierschutzvereine helfen mit der Aktion „Nimmst du mein Tier, nehm’ ich dein Tier“. Dabei betreuen Halter ihre Tiere gegenseitig, sagt Marius Tünte vom Tierschutzbund. Mit der Annahme von solchen Angeboten umgehen die Tierhalter auch mögliche Strafen. „Denn das Aussetzen von Tieren kann mit bis zu 25 000 Euro bestraft werden.“

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