Prozess : Die Mauer des Schweigens

Neubrandenburger Rocker haben die Bandidos vertrieben und sollen einen Drogenring aufgebaut haben.
Neubrandenburger Rocker haben die Bandidos vertrieben und sollen einen Drogenring aufgebaut haben.

Heimische Rocker sollen den Rückzug der Bandidos in Neubrandenburg für einen eigenen Drogenhandel genutzt haben

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04. Februar 2014, 22:00 Uhr

Im Drogen-Prozess gegen Mitglieder des Rockerclubs Mongols MC in Neubrandenburg stehen die Richter vor einer Mauer des Schweigens. Nach den vier Angeklagten haben gestern auch fünf mutmaßliche Komplizen vor Gericht die Aussagen verweigert.

Die zumeist arbeitslosen Männer im Alter zwischen 21 und 32 Jahren, gegen die ebenfalls ermittelt wird, nutzten eine Regelung, nach der sie sich vor Gericht nicht selbst belasten müssen. Jetzt erhofft sich die Kammer um Richter Carl Christian Deutsch Aufschluss von umfangreichen Telefonüberwachungen, die in den nächsten Prozesstagen angehört werden sollen.

Zudem wird aus polizeilichen Vernehmungen von Angeklagten und Zeugen zitiert. Den vier Angeklagten im Alter von 20, 25, 32 und 34 Jahren wird banden- und und gewerbsmäßiger Drogenhandel in 20 Fällen vorgeworfen. Nach der Zerschlagung der Rockergruppe MC Gremium, die an einem Erpressungsfall zerbrach, und dem Verdrängen der Bandidos aus Neubrandenburg wollten die Mongols laut Ermittlungen die Drogenszene übernehmen. Als Haupttäter gelten laut Staatsanwaltschaft der 25-Jährige und der 20-Jährige, die „Präsident“ beziehunsgweise „Vizepräsident“ der Mongols sein sollen.

Auf die Spur der Gruppe kam die Polizei durch die Überwachung der Telefone von Februar bis Juli 2013. Die Gespräche sind auf rund 20 CDs gespeichert, die die Kammer den Verteidigern gestern übergab.

Nach einer Reise nach Bremen, wo vermutlich wieder Nachschub an Muskelaufbaupräparaten und Drogen geholt werden sollte, wurden der 20-Jährige und der 25-Jährige Ende Juli festgenommen. Die Verteidigung bezweifelt bisher, dass die Beweise der Anklage für eine Verurteilung ausreichen.

Die Übergabe von 2,5 Kilogramm Drogen in Bremen war nicht zustande gekommen, weil die Bremer Polizei die dortigen Rocker mit den Drogen kurz vorher festgenommen hatte. In der Hansestadt sind die Rocker wegen krimineller Umtriebe komplett verboten.

Als „besonders wichtig“ schätzt die Staatsanwaltschaft in diesem Fall eine Aussage des 20-Jährigen ein, der sich bei der Polizei zu der Bremenreise und den Geschäften geäußert hatte. Ein Bekannter hatte zudem erklärt, dass nach dem Zusammenbruch der Bandidos in Neubrandenburg, Neustrelitz und Malchin ein guter Markt für Stoff und Muskelaufbaupräparate war. Dabei habe jeder gewusst, dass das Marihuana und die Amphe-tamine aus Bremen stammen und dass diese über die Mongols „vertickt“ werden.

Mit den Telefonmitschnitten wurde den Ermittlern auch das Vokabular der Gruppe bei ihren Geschäften bekannt. So sprach einer der Zeugen in einer polizeilichen Vernehmung davon, dass er bei dem 25-Jährigen „eine DVD ,Herr der Ringe‘ bestellt hatte“. Damit sei Kokain gemeint gewesen, zitierte Richter Deutsch den Zeugen. Eine andere Formulierung für Drogennachschub war laut Polizei „ein Eimer Farbe.“

Der Prozess findet seit Anfang Januar bereits unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt, da sich ein Polizeibeamter am Gericht von Rockern bedroht fühlte. Nun sichert die Polizei alle Gerichtszugänge, Besucher müssen sich durchsuchen lassen, Prozesszuschauer auch ihre Handys abgeben, damit Betroffene nicht gegen ihren Willen fotografiert werden.

Der Prozess wird sich laut Gericht noch etwas verzögern, unter anderem weil die umfangreiche Telefonüberwachung angehört und noch zusätzliche Zeugen vernommen werden sollen. Der morgige 6. Februar sei der nächste Verhandlungstag. Mit einem Urteil wird nicht vor Ende Februar gerechnet.

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