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Mecklenburg-Vorpommern

17. Dezember 2017 | 22:41 Uhr

Plau am See : „Die Luft wird langsam dünn"

vom

Die Firma Maaß-Reisen GbR hat bei drei Bränden elf Busse verloren - am 13. Februar, 6. März und 19. September 2010. Vier waren es allein beim letzten Mal, für die das Unternehmen beim Kauf rund 305 000 Euro bezahlt hatte.

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erstellt am 10.Jan.2012 | 08:55 Uhr

plau am see | Die Firma Maaß-Reisen GbR hat bei drei Bränden elf Busse verloren - am 13. Februar, 6. März und 19. September 2010. Vier waren es allein beim letzten Mal, für die das Unternehmen beim Kauf rund 305 000 Euro bezahlt hatte. Vorschlag der Versicherung nach der Brandstiftung sei gewesen, nur 246 000 Euro zu erstatten, obwohl ein Bus erst 14 Tage alt war und auch die anderen kaum an Wert verloren hatten, berichtet Senior-Chef Manfred Maaß: "Von dem Verlust für uns hinsichtlich der Erstattung einmal abgesehen ist es zudem so, dass wir auch von dem in Aussicht Geld bisher nichts bekommen haben, weil die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind." Um aber laufende Verträge einhalten zu können und niemanden entlassen zu müssen, habe die Firma auch die zuletzt vernichteten Fahrzeuge ersetzt - zunächst auf eigene Rechnung, was eine zusätzliche Belastung durch neue Kredite bedeutet. "Wir haben zwar Gott sei Dank gut zu tun, aber die Luft wird trotzdem langsam dünn", sagt Junior-Chef Michael Maaß. Er beurteilt den Zustand der gebrauchten (acht von elf), verbrannten Busse wegen guter Pflege als "wie neu", was eine Versicherung nicht tue. Beim Ersatz gehe es ihr um den üblichen Wiederbeschaffungswert: "Wenn zum Beispiel irgendwo im Internet der vom Modell und Alter her gleiche Bus angeboten wird, müssen wir den günstigsten nehmen und der kann nie eine Werkstatt von innen gesehen haben."

Versicherungsprämie im Monat fast verdreifacht

Ein weiteres Problem besteht darin, dass die Versicherung für einen Bus vor der Brandserie rund 350 Euro im Monat gekostet hat, jetzt sind es 1000. Manfred Maaß hoffe innig darauf, dass die Ermittlungen möglichst schnell zum Erfolg führen. "Wie gerade zu merken, interessieren sich für ein kommunales Unternehmen ungleich mehr Leute - unter anderem der Landrat und sogar ein Minister - als für ein privat geführtes. Wir fühlen uns allein gelassen", sagt er. "Fest steht, dass die gegenwärtige finanzielle Last vor allem durch die Kredite ohne zügige Regulierung durch die Versicherung von uns auf Dauer nicht zu tragen ist."

Der zunächst entstandene Eindruck, dass es bei den Anschlägen um eine Art von persönlicher Rache gehe, habe sich mit dem ersten Brand beim Reisedienst Parchim weitestgehend zerschlagen. "Ich denke, es geht einfach mehr darum, etwas groß brennen zu sehen", meint Michael Maaß, der wie auch sein Vater mehrfach Gespräche mit der Polizei geführt hat: "Wir sind froh, dass die Kripo alles versucht. Trotzdem fragen wir uns, wie schnell es hilft, dem Spuk endlich ein Ende zu bereiten."

Unabhängig von allen genannten Umständen sehe Manfred Maaß eigenen Worten zufolge den Reisedienst Parchim keinesfalls als seinen Konkurrenten, sondern viel mehr als Partner in einer besonders harten Phase an: "Dieses Unternehmen hat uns sofort geholfen, als es bei uns gebrannt hatte und jetzt haben wir unsere Hilfe angeboten. Das halte ich für selbstverständlich und freue mich zudem über das Verständnis vieler Fahrgäste und Geschäftspartner."

Die Sicherung der auf dem Firmengelände abgestellten Busse ist nicht mit denen von früher zu vergleichen. Fahrer Thomas Hennings, seit sieben Jahren bei Maaß beschäftigt, wohnt in Plau am See und fährt jeden Tag Schüler. "Wenn nachts mal die Sirene geht, schießen einem sofort die Brände in den Kopf", sagt er. "Warum jemand so etwas macht, werde ich nie verstehen. Was für einen Sinn hat es?"

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