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Mecklenburg-Vorpommern

18. November 2017 | 02:20 Uhr

Stralsund : Die Lüge: Ausländer töten Hund

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

NPD hetzt mit frei erfundener Geschichte gegen Zuwanderer. Die Fälle vorgetäuschter Straftaten häufen sich.

svz.de von
erstellt am 01.Dez.2015 | 20:55 Uhr

Diese Schlagzeile dürfte ganz nach dem Geschmack der NPD gewesen sein: „Ausländerüberfall in Stralsund: Deutscher angegriffen, sein Hund erstochen.“ Etliche Male wurde der Beitrag auf der Seite des Kreisverbands Nordvorpommern angeklickt und geteilt. Und nun stellt sich raus: Es war alles eine Lüge.

„Es ist bekannt, dass Hunde im Islam als unrein gelten“, war in dem Artikel zu lesen und weiter: „Drei Ausländer haben jetzt in Stralsund ernst gemacht und den Hund eines Deutschen brutal abgeschlachtet, nachdem dieser versucht hatte, seinen Herren gegen die Räuber zu verteidigen“. „Der arme Hund“, kommentierten die einen. „Weg mit dem Abschaum“ und schlimmeres die anderen.

Die Wahrheit jedoch ist: Der Hund wurde nicht durch ausländische Räuber erstochen, sondern durch einen Bekannten des vermeintlichen Opfers. Das teilte die Polizei nun mit. Der 33-Jährige hatte mit zwei weiteren Männern in seiner Wohnung getrunken. Es kam zu einer Rangelei. Als die Hündin anfing zu bellen, griff sich einer seiner Gäste ein Messer und stach mehrfach auf das Tier ein.

Inzwischen hat die NPD ihren Beitrag zum „Ausländerüberfall“ wieder gelöscht – unkommentiert. Vor zwei Wochen jedoch hielt die Partei es noch für ihre „Pflicht, dieses erschreckende Beispiel von Migrantenkriminalität der Öffentlichkeit nicht vorzuenthalten.“ Dabei wurde der Wahrheitsgehalt der Nachricht von Anfang an von einigen Lesern bezweifelt. Denn Beweise für die Straftat gab es vorerst nicht. Das vermeintliche Opfer erstattete zwar Strafanzeige, das jedoch erst einen Tag nach dem Übergriff.

Eventuelle Spuren am Ereignisort konnten somit laut Polizei nicht mehr festgestellt werden. Außerdem erschwerte die Fahndungsarbeiten, dass der Besitzer nicht sagen wollte, wo er seinen Hund vergraben hatte. Bei der Suche nach Hinweisen stieß die Polizei auf weitere Ungereimtheiten: „Über die Zeitung suchten wir nach jemandem mit einer Hundebiss-Verletzung“, sagt Antje Unger, Sprecherin der Polizeiinspektion Stralsund. Jedoch ohne Erfolg. Der entscheidende Hinweis kam schließlich aus der Bevölkerung: „Es meldete sich ein Mann, der zum besagten Zeitpunkt am Tatort gewesen sein will. Von einem Überfall oder ähnlichem habe er jedoch nichts gemerkt“, so Unger. Schließlich gestand der 33-Jährige, dass er sich den Tathergang nur ausgedacht hätte, weil er eine Erklärung für den Tod des Hundes brauchte. Gegenüber seinen Bekannten hätte er die falsche Version zum Tathergang geschildert. Eine politische Motivation für die falsche Tatsachenbehauptung kann die Polizei vorerst nicht bestätigen. Gegen den Stralsunder wird nun wegen Vortäuschung einer Straftat ermittelt.

„In der gegenwärtigen Zuwanderungssituation führen bewusste Falschbehauptungen, die gezielte Verbreitung von Unwahrheiten oder auch unbedachte Informationsverbreitungen im Zusammenhang mit Zuwanderern, insbesondere über die sozialen Medien, zur Verunsicherung der Bevölkerung“, stellte auch Synke Kern vom Landeskriminalamt MV fest. Ähnliche Fälle von Vortäuschung einer Straftat häufen sich derzeit. Im September wurden Flüchtlinge aus Stern Buchholz beschuldigt, Pferde gestohlen und geschlachtet zu haben. Über Facebook verbreitete sich außerdem das Gerücht, dass dem Tierpark in Grimmen eine Ziege entwendet wurde. Beide Fälle stellten sich als unwahr heraus.

Um diesen Verunsicherungs- und Manipulationsversuchen wirkungsvoll zu begegnen, rät das Landeskriminalamt, stets nach dem Ursprung solcher Informationen zu fragen. Sofern dies nicht möglich ist, ist eine Falschinformation zu vermuten, zu deren Weiterverbreitung nicht beigetragen werden sollte. Im Zweifel sollte die Polizei kontaktiert werden.

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