9. Mittsommer-Remise : Die Liebe zu alten Gemäuern

Im Schloss Gamehl bei Wismar befindet sich ein Hotel und ein Restaurant.
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Im Schloss Gamehl bei Wismar befindet sich ein Hotel und ein Restaurant.

58 Schlösser und Gutshäuser beteiligen sich in diesem Jahr an der 9. Mittsommer-Remise

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18. Juni 2016, 07:00 Uhr

Pinkes Dekor an der Suitewand, grünes Design auf dem Himmelbett – wer im Schlosshotel Kaarz (Ludwigslust-Parchim) nächtigt, den empfängt in altem Gemäuer eine hochmoderne Inneneinrichtung. Das einstige Herrenhaus, im 19. Jahrhundert als Rittergut im Besitz der Familie von Bülow, ist eines von sechs Gutshäusern und Schlössern in der Region „Sternberger Seenlandschaft“, die erstmals an der „9. Mittsommer-Remise“ am heutigen Sonnabend teilnehmen.

Insgesamt beteiligen sich 58 Anwesen, darunter kleine wie das Schloss Gamehl (Nordwestmecklenburg), das Renaissance-Wasserschloss Quilow (Vorpommern-Greifswald), das frisch sanierte Schloss Kummerow und erstmals auch Schloss Ivenack (beide Landkreis Mecklenburgische Seenplatte). „Wer als Gast durch Mecklenburg-Vorpommern reist, der sieht viele Backstein-Kirchen und viel Strand“, sagt Robert Uhde, Organisator der Mittsommer-Remise. „Wir wollen das Licht auf die wunderschönen, historischen Häuser im Landesinneren und die Menschen, die sich um sie kümmern, werfen.“ Er nennt die Veranstaltung „Kulturgut-Festival, mit dem ein Stück Geschichte“ getragen werde.

Landesweit gibt es rund 1500 Gutsensembles aus den vergangenen Jahrhunderten. 1080 davon seien denkmalgeschützt, rund 320 saniert und würden touristisch genutzt, erklärt Manfred Achtenhagen, Vorsitzender des Vereins Schlösser, Guts- und Herrenhäuser MV. Der Rest verfalle. Er selbst habe 1998 das Gutshaus Ludorf als zerfallenes Haus gekauft, eineinhalb Jahre lang zum anerkannten „Romantikhotel“ mit 27 Zimmern herausgeputzt. „Ein solches Haus muss man lieben, denn wirtschaftlich ist es Unsinn“, sagt der Hotelbesitzer. „So wenige Zimmer und im Winter müssen wir schließen, weil nur ein, zwei Gäste buchen.“

Achtenhagen wünscht sich vom Tourismusverband mehr Werbung für eine Auszeit in Guts- und Schlosshotels, statt für „Urlaub auf dem Land – auf dem Bauernhof“. „Historisch betrachtet, ist das Quatsch: Auf dem Land gab es keine Bauernhöfe, das waren die Gutshäuser, die wir heute bewirtschaften.“ Die Inhaber von Schlosshotels würden sich mittlerweile „kannibalisieren“, weil es nicht genug Touristen für sie gebe.

Auch Dagmar von Stralendorff-von Wallis, Gutshausherrin auf Schloss Gamehl, kennt das: Die Liebe zum Haus aus Familienbesitz von 1860 und der Kampf um jeden Gast. Denn, so rechnet sie vor, nach Abzug aller Personal- und Sachkosten bleibe fast nichts übrig. Die Juristin aus Berlin hatte mit ihrem Mann 1990 eine Ruine gekauft und ein Hotel mit 19 stilvoll eingerichteten Zimmer daraus gemacht.

Der Landestourismusverband habe ab Mitte der 1990er-Jahre lange Schlosshotels als „touristischen Magnet“ beworben, sagt Sprecher Tobias Woitendorf. „Ab einem bestimmten Punkt haben wir es dann in die Themenwelt ,Genuss und Kultur‘ eingeordnet.“ Es reiche nicht mehr aus, allein die Schlösser zu vermarkten, da müsse alles dazu: Kunst und Kultur. Der Verband schätze sehr die Initiative aller Privateigentümer, auch die Veranstaltungen „Mittsommer-Remise“ sowie den „Schlösserherbst“ von September bis November.  

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