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zwei Jahre nach der Pleite : Die letzte Schlecker-Frau

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wenn Christel Hoffmann ins Büro geht, arbeitet sie auf ihre eigene Entlassung hin.

Wenn Christel Hoffmann ins Büro geht, arbeitet sie auf ihre eigene Entlassung hin. Hoffmann war Gesamtbetriebsratschefin bei dem Drogerie-Imperium Schlecker, das vor gut zwei Jahren unterging. Nun arbeitet sie für den Insolvenzverwalter daran, dass dort endgültig die Lichter ausgehen können.

„Ich bin diejenige, die übrig geblieben ist“, sagt die 60-Jährige in ihrem Büro in Pforzheim. Rund 25 000 Menschen hatten nach der Insolvenz bundesweit ihren Job verloren. „Ich vermisse meine Kollegen unheimlich“, sagt Hoffmann. Die letzten Kolleginnen aus dem ehemals 55-köpfigen Gesamtbetriebsrat mussten im vergangenen Herbst gehen.

Außer Hoffmann gibt es nur noch ein paar frühere Mitarbeiter in der Schlecker-Zentrale in Ehingen, die sich um letzte Verwaltungsaufgaben kümmern. Auch sie haben nicht mehr lange Zeit, die Scherben aufzukehren. „Die wesentlichen Tätigkeiten werden wir im Laufe dieses Jahres erledigt haben“, sagt Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Im Vordergrund stünden dabei die ehemaligen Filialen, zuletzt immerhin mehrere tausend allein in Deutschland. „Hier sind noch an zahlreichen Stellen Abrechnungstätigkeiten beispielsweise mit Energieversorgern, Gemeinden sowie Industrie- und Handelskammern durchzuführen“, sagt Geiwitz. Auch die Zentrale in Ehingen und einige Lager stehen noch immer zum Verkauf.

Für Christel Hoffmann soll Ende März Schluss sein. Bis dahin bannt sie das einstige Drogerie-Imperium in Tabellen. Legt Listen von früheren Betriebsräten an, archiviert die Rechtsstreitigkeiten der vergangenen Jahre. Ist das jetzt überhaupt noch wichtig? Hoffmann sieht das pragmatisch. Es müsse alles seine Ordnung haben, sagt sie.

Vor allem leistet sie seelischen und praktischen Beistand: Wenn bei ihr das Telefon klingelt, ist meistens eine frühere Kollegin dran, die Hilfe braucht bei Problemen mit dem Arbeitsamt oder nicht weiß, welche Sozialleistungen ihr zustehen. „Das sind auch Menschen, die ich noch nie im Leben gesehen habe“, sagt Hoffmann, die zuerst durch ihre großen, dunkel geschminkten Augen auffällt.

Die Bundesagentur für Arbeit hat vor gut einem Jahr aufgehört, den Werdegang der arbeitslosen Schlecker-Mitarbeiter zu verfolgen. Nach den letzten Zahlen vom vergangenen März suchten von zunächst 23 476 arbeitslos gemeldeten Menschen noch 9127 einen Job.

Überhaupt wurde es ruhig um Schlecker: Die Filialen sind längst geschlossen, der Versuch eines österreichischen Investors, einzelne Läden wiederzubeleben, scheiterten. Einholen könnten die Ereignisse aber noch den Firmengründer Anton Schlecker. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt derzeit gegen ihn wegen des Verdachts auf Untreue und Insolvenzverschleppung.

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erstellt am 22.Jan.2014 | 19:30 Uhr

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