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Landesmedaille für Courage : Die Lebensretter von Feldberg

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Der 24. Februar 2011 war sonnig. Hans-Joachim Lange schlüpfte in seine Schlittschuhe und fuhr übers Eis. Eine dreiviertel Stunde ging auch alles gut. Dann "erwischte ich die dünnste aller dünnen Stellen", sagt Lange.

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erstellt am 17.Feb.2012 | 08:05 Uhr

Schwerin | Etwas steif steht Hannes Siebeling neben Ministerpräsident Erwin Sellering. Seine Schultern sind gestrafft, die Arme hängen herab. Hin und wieder pult er mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand an der Nagelhaut des Daumens. Er und Selina Holz kamen gestern in die Schweriner Staatskanzlei, ins Büro des Ministerpräsidenten, weil sie Mut hatten. Weil sie Lebensretter sind. Selina Holz lächelt verlegen, als Sellering mit seiner Rede ansetzt. Er spricht von Dank und Anerkennung. Von der großen Not, in der Hans-Joachim Lange vor etwa einem Jahr steckte. Er wäre um ein Haar umgekommen.

Der 24. Februar 2011 war sonnig. Der ehemalige Lehrer schlüpfte in seine Schlittschuhe und fuhr übers Eis. Es war warm und eine dreiviertel Stunde ging auch alles gut. Dann "erwischte ich die dünnste aller dünnen Stellen", sagt der 59-Jährige. Plötzlich wurde um ihn herum alles kalt und nass. Zweimal versuchte er sich aus dem Loch zu ziehen, doch ohne Erfolg. Also "begann ich zu brüllen".

Selina Holz hörte die Schreie. Die damals 16-Jährige wählte sofort den Notruf. "Ich ließ das Telefon fallen und begann zu laufen", erinnert sie sich. Doch nicht nur sie hörte die Rufe. Hannes Siebeling, zu Besuch bei seinen Eltern, wollte ebenfalls auf den See. Er hörte die Not und sah jemanden im Eis. Im Laufschritt eilte der damals 21-Jährige zu der Unfallstelle. Plötzlich ging es um Leben und Tod. Selina Holz und Hannes Siebeling zogen Hans-Joachim Lange mit Hilfe eines Stockes aus dem Wasser. Gemeinsam warteten sie auf Feuerwehr, Sanitäter und Ärzte, versuchen ihn warm zu halten, reden mit ihm. "Alleine hätte ich das nie geschafft", sagt sie. "Meine Ausbildung als Rettungsschwimmer hat mir Sicherheit gegeben", sagt er. Die drei Feldberger kannten sich: Selina Holz und Nachbar Hannes Siebeling. Hans-Joachim Lange war für beide Lehrer, der Klassenlehrer von Hannes Siebeling. Doch dieser Tag hat ein neues Band zwischen den dreien geknüpft. Hans-Joachim Lange blickt seine Retter an und spricht von seinem zweiten Geburtstag. "Sie haben nicht weggeschaut", lobt Ministerpräsident Sellering, "und beherzt zugepackt." Er steckt die Rettungsmedaille des Landes an. Hans-Joachim Lange erzählt, dass er immer wieder darauf angesprochen wird, von der Kassiererin im Supermarkt, beim Bäcker, auf der Straße. Offenbar hat er einen Schutzengel, schließlich war dies nicht das erste Mal, dass er ins Eis eingebrochen ist.

Langsam löst sich die Anspannung bei Selina Holz und Hannes Siebeling. "Ich habe vor lauter Aufregung totalen Hunger", sagt Selina Holz. "Kann ich den jetzt abnehmen?", fragt Hannes Siebeling seine Mutter und fasst an die Medaille. Der ganze Rummel um seine Person scheint ihm unangenehm. Die Lebensretter sind stolz und geehrt. Selina Holz erzählt, wie sie ihren Namen im Radio hörte. Prompt habe sie die Lautstärke aufgedreht. Auch für sie ist die ganze Aufmerksamkeit ein bisschen seltsam. Unwirklich. Schließlich war ihr Handeln doch selbstverständlich.

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