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Mecklenburg-Vorpommern

22. Oktober 2017 | 16:01 Uhr

Die Last des Einsatzes

vom

svz.de von
erstellt am 11.Apr.2011 | 07:01 Uhr

Rostock | Die Helden von der A 19 kehren zurück in den Alltag. Edgar Marwick aus Kritzkow (Landkreis Güstrow) fuhr gestern für eine Woche zu einer lange geplanten beruflichen Weiterbildung nach Karlsruhe. Die Erinnerung an den Horrorcrash vom vergangenen Freitag, bei dem acht Menschen starben, nimmt er mit. "Der Einsatz war der härteste, den ich je erlebt habe. So etwas kann man nur in der Gemeinschaft verarbeiten", sagte der Mann von der Freiwilligen Feuerwehr Kritzkow.

Noch am Wochenende war der 48-Jährigen auf dem Titelbild vieler deutscher Zeitungen: Ein Feuerwehrmann mit Atemschutzgerät zwischen verkohlten Blechhaufen. Sein Schutzanzug war über und über mit Sand und Asche bedeckt. Der Blick in die Kamera.

Mehr als 130 Feuerwehrmänner aus 30 Wehren retteten Menschen aus dem Chaos, das der Massenunfall mit 80 Fahrzeugen auf der Autobahn hinterlassen hatte. 300 Helfer waren es insgesamt. Ihrem Mut und ihrem Einsatz ist es zu verdanken, dass es bei acht Toten blieb.

"Gedanklich ist noch keiner von ihnen im Alltag angekommen", sagte der Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbandes, Heino Kalkschies, über die Verfassung der Feuerwehrmänner.

Während des Einsatzes seien die Retter viel zu beschäftigt gewesen, um sich Gedanken über die schrecklichen Bilder um sie herum machen zu können. "Man funktioniert. Erst später schlagen die Eindrücke durch", berichtete Kalkschies, selbst seit 30 Jahren bei der Feuerwehr.

Darum sei die Nachbereitung des Einsatzes für alle beteiligten Feuerwehren enorm wichtig. Dabei gehe es nicht allein um eine kritische Analyse der eigenen Leistung, um Erkenntnisse für künftige Einsätze zu gewinnen. "Die gemeinsamen Gespräche sollen auch helfen, das Erlebte zu verarbeiten", so der Vereinsvorsitzende. Für Feuerwehrmänner, die darüber hinaus Hilfe brauchen, stehen Kriseninterventionsteams in jedem Landkreis mit geschulten ehrenamtlichen Helfern bereit. Dennoch erkranken laut Studie drei bis acht Prozent der Feuerwehrmänner nach Einsätzen an Posttraumatischer Belastungsstörung. Heino Kalkschies: "Ein sehr ernstes Problem, für die Betroffenen."

Die meisten der Helden von der A 19 sind ehrenamtliche Mitglieder freiwilliger Feuerwehren. Der Einsatz sei "professionell abgelaufen und habe den hohen Ausbildungsstand unter Beweis gestellt", schätzte der Landesbrandmeister ein.

Gleichzeitig habe der Massenunfall die Notwendigkeit eines flächendeckenden Systems von Feuerwehren gezeigt. Kalkschies: "Sonst wären die 30 Wehren so schnell nicht vor Ort gewesen."

Doch die meisten Wehren befürchten, dass ihnen künftig immer mehr Freiwillige fehlen. Durch den Geburtenknick in den Jahren 1992 bis 1994 ist die Mitgliederzahl in den Jugendwehren in den vergangenen fünf Jahren auf weniger als die Hälfte gesunken.

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