Soldatenschicksal aufgeklärt : Die lange Heimkehr des J. W. Herb

Aufnahme von der Ausgrabungsstelle im Juni 2014.  Fotos: privat
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Aufnahme von der Ausgrabungsstelle im Juni 2014.

Identität eines im Frühjahr 1945 abgestürzten US-Piloten ermittelt / Manfred Römer aus Rosien klärte Soldatenschicksal auf

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15. April 2015, 08:00 Uhr

Mehr als 70 Jahre nach seinem Tod auf deutschem Boden findet John W. Herb in seiner US-Heimat seine letzte Ruhe. Der am 13. April 1945 im Forstrevier Bohldamm nach einem Beschuss durch die Wehrmacht in Garlitz mit seinem Jagdflugzeug P-51-D Mustang abgestürzte und dann erschossene Pilot soll im Juni auf dem Nationalfriedhof Arlington beigesetzt werden.

Dass eine Familie in den USA vom Verbleib ihres Angehörigen erfuhr und nun einen Ort für ihre Trauer hat, ist Manfred Römer aus Rosien zu verdanken. Er hatte sich in den vergangenen vier Jahren intensiv um die Aufklärung des Schicksals des Piloten bemüht. Seine Beharrlichkeit führte dazu, dass die sterblichen Überreste des Soldaten im Dezember 2014 als die von Second Lieutenant John W. Herb identifiziert werden konnten.

Als Fünfjähriger hatte Römer das über seinem Dorf hinweg fliegende, brennende Flugzeug gesehen und den Absturz der Maschine in den nahe gelegenen Wald beobachtet. Dieses Bild ließ ihn nie mehr los. „Es stellte sich mir die Frage, was aus dem Piloten geworden ist“, sagt der heute 74-Jährige. Vor allem der Verlust des eigenen Vaters, der nicht aus dem Russland-Feldzug zurückkehrte und von dem die Familie nicht weiß, wo er begraben ist, trieb Römer an. „Ich weiß, was es bedeutet, ein ungeklärtes Schicksal eines Verwandten zu ertragen“, betont er bei einem Vortrag in Lübtheen.

Römer recherchierte, befragte Zeitzeugen, suchte den Absturzort ab. Er bekam Kenntnis von einer unweit liegenden Stelle, wo der Pilot vermutlich begraben worden war. Eine Waldarbeiterin aus Gudow, die selbst Flüchtling war, hatte das Grab viele Jahre gepflegt und dadurch die Erinnerung an den getöteten Soldaten wach gehalten.

Römer schrieb Briefe unter anderem an die US-Botschaft und die Kriegsgräberfürsorge, trat in Kontakt mit einem amerikanischen Wissenschaftler, der in den Archiven der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin ermittelte. Er zog zudem die ehrenamtliche Organisation MAACRT (Missing Allied Air Crew Research Team), die auf Suche nach vermissten, amerikanischen Soldaten spezialisiert ist, hinzu. Drei Jahre nach seinen ersten Nachforschungen war ein Expertenteam zusammengestellt, das die Ereignisse in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs in Garlitz aufklären wollte.

Darin eingebunden war auch die Familie. Manfred Römer, Sohn Sandro und die Enkel Paul und Pauline entdeckten diverse Wrackteile des Flugzeugs, anhand derer Spezialisten Typ, Baujahr und Hersteller bestimmen konnten.

Als sich Hinweise auf noch vorhandene, sterbliche Überreste des Piloten verdichteten, reiste im Juni 2014 ein Team der JPAC (Joint POW/MIA Accounting Command) aus den USA ins Amt Neuhaus. Der Name steht für eine Dienststelle der amerikanischen Streitkräfte, deren Aufgabe die Suche nach Kriegsgefangenen und vermissten Soldaten des US-Militärs und deren Identifizierung ist. Die JPAC-Experten stießen an der mutmaßlichen Grabstätte auf Ausrüstungsgegenstände, Uniformreste und Skelettteile. Die Fundstücke wurden anschließend in den Laboren der JPAC genau untersucht. Über das Ergebnis informierte dieser Tage ein Brief von der Historian Research & Analysis Group: „Herr Römer, wir freuen uns, dass die sterblichen Überreste, die am 19. Juni in Amt Neuhaus mit Ihrer Hilfe geborgen werden konnten, als diejenigen von Leutnant John W. Herb identifiziert werden konnten. (.....) Ihre Forschungen und unermüdliche Hingabe haben direkt zur Bergung eines verschollenen amerikanischen Piloten geführt.“ Identifiziert werden konnte der Tote anhand eines gefundenen Fingerrings, einem „class ring“, und der Zähne. Manfred Römer ist jetzt „innerlich zufrieden“, wie er sagt. 

 

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