Gesundheitsförderung in MVs Unternehmen : „Die Köpfe müssen zufrieden sein“

Für den Unternehmerverband ein lohnendes Investment: Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz – mit einer Rückenschule für die Mitarbeiter
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Für den Unternehmerverband ein lohnendes Investment: Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz – mit einer Rückenschule für die Mitarbeiter

Rückenschule und Masseure am Arbeitsplatz: Hunderte Firmen in MV stellen spezielle Gesundheitspläne für ihre Mitarbeiter auf

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21. Juni 2016, 06:00 Uhr

Fit am Arbeitsplatz: Mehrere Hundert Firmen in Mecklenburg-Vorpommern haben in den vergangenen drei Jahren begonnen, ein professionelles Gesundheitsmanagement im Betrieb aufzubauen, um Mitarbeiter motiviert, leistungsstark und gesund bei der Arbeit zu halten. Vom Dienstleister bis zum Hightech-Unternehmen und Handwerker – vor allem kleine und mittlere Unternehmen aus allen Branchen hätten sich über Angebote beraten lassen, ein betriebliches Eingliederungsmanagement für Langzeitkranke aufgebaut oder auch Gesundheitsbeauftragte eingesetzt, erklärte Mandy Wleczyk, Koordinatorin der vor drei Jahren gemeinsam von Arbeitgebern, Gewerkschaften, dem Land, Krankenkassen und Rentenversicherern aufgebauten zentralen Anlaufstelle „AGNetz“, am Montag in Schwerin.

Rückengymnastikschule in der Firma, Massagestunde, Rudertraining oder Laufstunden, schnelle Hilfe bei der Organisation von Reha-Maßnahmen: „Die Köpfe müssen zufrieden sein“, so die Erfahrungen von Thomas Weisener, Chef des Minipumpenherstellers HNP Mikrosysteme Schwerin, mit einem Gesundheitsmanagement in der Firma. Das trage zur Motivation bei. Dabei fielen die Kosten für die Firma kaum ins Gewicht, ermutigte er seine Unternehmerkollegen. Vieles werde ohnehin bereits von Krankenkassen getragen.

Vor allem in Zeiten des Fachkräftemangels könne die Gesundheitsförderung im Betrieb und die Zufriedenheit der Mitarbeiter ein Standortvorteil für die Firmen in MV sein, meinte Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) zum Abschluss des dreijährigen Projektes: „Gesunde Mitarbeiter sind für alle ein Gewinn. Das Unternehmen profitiert durch leistungsfähige und motivierte Beschäftigte. Die Arbeitnehmer fühlen sich an ihrem Arbeitsplatz wohl und bekommen Anerkennung für ihre tägliche Leistung.“

Wohlfühlatmosphäre an der Werkbank: Viele Unternehmen haben den Wert der Gesundheitsförderung im Unternehmen aber noch nicht erkannt. Zu viele sähen das immer noch als Nebensache, kritisierte Ingo Schlüter, stellvertretender Vorsitzender des DGB Nord die Zurückhaltung. In den kommenden Jahren werde sich der Arbeitsmarkt in MV zu einem Fachkräftemarkt entwickeln. Bis 2030 werde das Land angesichts der demografischen Entwicklung Prognosen zufolge noch einmal 257 000 Erwerbspersonen verlieren. Um so wichtiger sei es, dass sich Unternehmen mit guten Löhnen und einem vernünftigen Betriebsklima attraktiv für Fachkräfte machten.

Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz – „für Unternehmer ein lohnendes Investment, dafür Geld auszugeben“, stellte Edgar Wonneberger, Arbeitsmarktexperte der Vereinigung der Unternehmensverbände in MV (VUMV) den Firmenchefs in Aussicht. Bislang sei es Sache der Arbeitnehmer gewesen für die eigene Leistungsfähigkeit zu sorgen. Inzwischen würden die Firmen erkennen, dass auch die Unternehmen gefragt seien.

Mit dem Beratungsprojekt AGNetze waren in den vergangenen drei Jahren knapp 400 Firmen angesprochen, in jedem zweiten konkrete Beratungen durchgeführt worden – kostenfrei für die Unternehmen, finanziert mit 324 000 Euro von Kassen und Rentenversicherer sowie zur Hälfte aus dem Europäischen Sozialfonds. Künftig solle das Beratungsangebot in einem Kompetenzzentrum Nord-Gesundheit unter dem Dach der Unternehmensberatung der Wirtschaft GmbH (UDW) kostenpflichtig fortgeführt werden, kündigte Wonneberger an.

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