Ausbildung zum Orgelbauer : Die Klangwelt der Orgel in Plau erkunden

Moritz Voss (r.) und Orgelbaumeister Andreas Arnold inspizieren in Malchow eine Friese III Orgel.
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Moritz Voss (r.) und Orgelbaumeister Andreas Arnold inspizieren in Malchow eine Friese III Orgel.

Moritz Voss erlernt bei Meister Andreas Arnold in Plau am See das Handwerk des Orgelbauers

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07. Dezember 2017, 12:00 Uhr

Ein Job mit handwerklicher Prägung, reichlich Abwechslung und Musik: Moritz Voss hat klare Vorstellungen von seinem Beruf und diesen gefunden. Der 18-Jährige erlernt unter dem Dach „Mecklenburger Orgelbau“ das Handwerk des Orgelbauers bei Andreas Arnold in Plau am See. „Ein Job, für den sich nicht jeden Tag ein geeigneter Bewerber finden lässt“, meint Firmeninhaber Arnold. Über Jahre habe er meist erfolglos gesucht. Langes Stehen und die Arbeit in kühlen Kirchgemäuern sei nicht immer für Nachwuchskräfte die Erfüllung, meint er. In seiner Werkstatt seien Fähigkeiten am Computer eben weniger gefragt. Dafür sind Begabungen in der Holzbearbeitung, im Umgang mit Leder, Filz und ein gutes Gefühl für Klangwelten eine wesentliche Voraussetzung.

„Das ist mein Ding“, sagt Azubi Moritz Voss. Er schaut voller Erwartung an der Empore einer Friese III Orgel unter dem Dach der Stadtkirche Malchow hinauf. An diesem Meisterwerk eines Instruments aus dem Jahre 1873 wollen er und sein erfahrener Chef in den kommenden Monaten gemeinsam werkeln. „Nach 144 Jahren gibt es so einige undichte Stellen am Balgen und Risse an den Verbindungen aus Leder“, sagt Andreas Arnold. Im Ergebnis produziere das Instrument nicht die gewünschten Orgel-Klänge. Somit müsse alles zerlegt werden.

Mit Zange und Schraubendreher geht es ans Werk, demontiert Moritz Voss in einem ersten Schritt die Klaviatur der Orgel. Ein fein verdrahteter Aufbau, der Fingerspitzengefühl erfordert.

Von Nervosität keine Spur. Es läuft, gibt der 18-Jährige zu verstehen. „Im Vorfeld der Ausbildung war mir klar, dass ein Studium nicht in Frage kommt. Ein Beruf mit Musik sollte es sein, etwas Handwerkliches mit einer Option auf eine Meisterausbildung“, sagt der junge Mann. In die engere Berufsauswahl rückten somit Instrumentenbauer für Klavier und Orgel - dort wo ein Zusammenspiel von Luft und Mechanik ein Klangwerk ergibt. Die Resonanz auf seine bundesweite Bewerbungstour fiel unterschiedlich aus. Der „Mecklenburger Orgelbau“ lockte mit einer verbindlichen Zusage. „Und das in der Nähe meiner brandenburgischen Heimat“, sagt der junge Mann aus Neuruppin.

Gut dreieinhalb Jahre Ausbildungszeit bis zum Erreichen eines Abschlusses liegen noch vor ihm. Dass die schulische Ausbildung in Stuttgart stattfindet, sei ein Wermutstropfen. Andererseits beginnt für den angehenden Orgelbauer eine Reise durch die Welt der großen Tasteninstrumente. Die Instrumente in der Stadtkirche Malchow und der Marienkirche Greifswald sind sein beruflicher Auftakt.

Orgelbauer Andreas Arnold erinnert sich an seinen Start in die Berufswelt. „1991 bin ich als Orgelbauer gestartet. Acht Jahre später ging es 1999 in die Selbstständigkeit“, erzählt Arnold. Heute blickt er auf 26 Meisterjahre zurück, in denen er das Unternehmen Mecklenburger Orgelbau übernahm.

Ein langer Weg, mit dem sich auch der Azubi anfreunden kann. Mit dem Ausbildungsstart ist der Auftakt gelungen und die Freizeit ist nicht weniger gut getaktet. Voss spielt seit zwölf Jahren Trompete und derlei Begabungen sind in der Kirchgemeinde seiner Wahlheimat schlichtweg gefragt.

„Da liegt es nahe, dass ich im Posaunenchor musiziere“, sagt der 18-Jährige. Dass sein Chef Andreas Arnold mit seiner Posaune im Kreise der Musiker und außerhalb der Werkstatt den Ton angibt, stört Moritz Voss keineswegs. Vielmehr sei solch ein Zusammenspiel Ausdruck eines harmonischen Miteinanders in der Klangwelt der Orgelwerkstatt.

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