Religion in MV : Die Kirche im Dorf lassen

Der Kirchenbauverein kümmert sich seit Ende der 1990er-Jahre um das Gotteshaus in Bibow.
Der Kirchenbauverein kümmert sich seit Ende der 1990er-Jahre um das Gotteshaus in Bibow.

Immer mehr Fördervereine im kaum religiösen Mecklenburg-Vorpommern

svz.de von
10. Juni 2018, 05:00 Uhr

Immer mehr Menschen in Mecklenburg-Vorpommern engagieren sich für den Erhalt von Kirchen, obwohl die Zahl der Gläubigen weiter abnimmt. Rund 18 Prozent der Bevölkerung im Nordosten waren zuletzt Mitglied einer Kirche, wie der Pressereferent in der Bischofskanzlei Schwerin, Christian Meyer, sagte. Zugleich gebe es landesweit inzwischen fast 200 Kirchbau-Fördervereine – rund 145 im Landesteil Mecklenburg und knapp 50 in Vorpommern.

In den Vereinen engagieren sich nach Meyers Worten auch viele Nichtchristen. „Einer Studie der Universität Rostock zufolge sind mehr als die Hälfte der Mitglieder in den Kirchbau-Fördervereinen keine Kirchenmitglieder“, sagte er. Sie wollten aber, dass die Kirche im Dorf bleibt. Jedes Jahr würden zwei bis drei neue Vereine gegründet. Anlass sei oft die Sanierungsbedürftigkeit des Gotteshauses. Die Vereine sammelten Geld und die Mitglieder packten selber mit an, etwa bei der Beräumung des Dachbodens. Sie blieben meist als Verein zusammen, wenn die Sanierung geschafft sei und engagierten sich dafür, die Kirche über Gottesdienste hinaus mit Leben zu füllen, etwa mit Konzerten und Filmvorführungen.

Klaus-Peter Gauer vom Baudezernat des Landeskirchenamtes bezeichnete den Erhalt der rund 1100 evangelischen Kirchen in Mecklenburg-Vorpommern als gesellschaftliche Aufgabe. Sie seien im ländlichen Raum oft einziger Ort für Kommunikation und kulturelle Events und würden immer öfter für gemeinsame Veranstaltungen mit der örtlichen Kommune genutzt. Fast alle Kirchen – 98 Prozent – stehen nach Angaben der Bischofskanzlei unter Denkmalschutz. Auch für den Tourismus sind sie wichtig.

Heute treffen sich norddeutsche Kirchbau-Fördervereine in Neubrandenburg. Rund 140 Ehrenamtliche, Kirchbaufachleute, Gemeindemitglieder und Pastoren werden erwartet. Neben Vorträgen, etwa zur Glockenvielfalt im Nordosten, sind auch Exkursionen zu den Kirchen Altentreptow und Groß Teetzleben geplant.

Mecklenburg-Vorpommern ist überdurchschnittlich reich mit Kirchen gesegnet. Nach Angaben der Bischofskanzlei gibt es in der Nordkirche 1881 Kirchen und Kapellen. In Schleswig-Holstein und Hamburg zusammen stehen demnach 789 – und in MV 1092.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen