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Mecklenburg-Vorpommern

11. Dezember 2017 | 04:57 Uhr

Lewitz Fisch : Die Karpfenernte beginnt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In Norddeutschlands größter Anlage, der Lewitz Fisch GmbH, wird das Wasser abgelassen / Tiere warten in Becken auf Käufer

svz.de von
erstellt am 24.Sep.2014 | 20:22 Uhr

„Die sehen aber schön aus!“ Hermann Stahl, Fischerei-Ingenieur und Chef der größten Karpfenteichwirtschaft Norddeutschlands, begutachtet zufrieden die ersten Ernteergebnisse der Saison. In der letzten Septemberwoche hat in der Lewitz Fisch GmbH Neuhof bei Neustadt-Glewe (Landkreis Ludwigslust-Parchim) das Abfischen begonnen. Dazu werden bis Anfang November nach und nach die 750 Hektar Fischgewässer im südmecklenburgischen Naturschutzgebiet Lewitz abgelassen und mit dem Ablaufen des Wassers insgesamt 300 Tonnen Spiegelkarpfen eingesammelt. Die Jungfische werden aussortiert, sie kommen zum Überwintern in tiefere Teiche und dürfen nächstes Jahr weiterwachsen, wie Stahl erklärt.

Rund 150 Tonnen aber – die eigentliche Speisefischernte – werden in Hälterbecken umgesetzt und bis zum Frühjahr lebend an Fischhändler, Köche oder Privatleute in Mecklenburg, Hamburg und Schleswig-Holstein verkauft. Jeder vierte Lewitzkarpfen, etwa vier Sommer alt und zwei, drei Kilogramm schwer, landet traditionell zu Weihnachten oder Silvester auf dem Tisch – im Ganzen gebacken, gebraten oder „blau“ gekocht.

Sieben Männer braucht es, um das riesige Netz zum Abfischen durchs Wasser zu ziehen. In dem mit nur elf Hektar kleinsten Speisefischteich der 1897 errichteten, einst herzoglichen Teichwirtschaft zählt Meister Rüdiger Groth prächtige Karpfen in eine trichterförmige Waage. „Richtig rund sind die“, lobt er. „Der Sommer war top, nicht zu heiß.“ Bei zu großer Hitze würden die Tiere schlecht fressen, sie blieben dann rank und schlank, sagt Groth. Norddeutsche aber mögen lieber dicke Fische mit großen, gut sichtbaren Gräten. Farbe und Form sind das A und O, wie Hermann Stahl betont. „Dunkelblauer, hoher fleischiger Rücken, rötliche Flossen und ein goldgelber bis bronzener Bauch, so muss ein Lewitzkarpfen aussehen.“ Allein in diesem Sommer hätten die naturnah, ohne Medikamente aufgezogenen Fische jeweils rund 1300 Gramm zugelegt. In den letzten Wochen wurde kein Getreide mehr zugefüttert. „Die gehen nüchtern in den Handel, nicht vollgefressen“, betont Stahl.

Laut Agrarministerium bewirtschaften in Mecklenburg-Vorpommern neun Betriebe zusammen rund 1000 Hektar Karpfenteiche und ernten im Schnitt 500 Tonnen Fisch pro Jahr. Mehr Karpfenflächen gibt es in Brandenburg, Sachsen, Thüringen und Bayern. Bundesweit liegt die Produktion bei etwa 10 000 Tonnen Speisefisch im Jahr. Mit 750 Hektar Betriebsfläche, 150 Tonnen Jahresertrag und neun festen Mitarbeitern gehört die 2006 gegründete Lewitz Fisch GmbH zu den Großen der Branche. Die ersten 20 Hektar Karpfenteiche bei Friedrichsmoor im Süden Mecklenburgs entstanden vor mehr als hundert Jahren in den von Kanälen durchzogenen Wiesengebieten der Lewitz. In den 1950er-Jahren wurden die Gewässer kräftig ausgebaut und in den 80ern rekonstruiert und vertieft, um angesichts der eingeschränkten Hochseefischerei der DDR dennoch frischen Fisch an den Handel liefern zu können.

Der 63-jährige Hermann Stahl arbeitet seit 1975 an den Lewitz-Teichen und zieht dort Spiegelkarpfen groß. Die früher intensive Teichwirtschaft sei nach der Wende mit Rücksicht auf den Schutzstatus der Region in eine extensive Aufzucht umgewandelt worden, erzählt der diplomierte Fischwirt. Teilen mit der Natur müsse er aber auch in anderer Hinsicht, sagt Stahl. Gefräßige Kormorane holten sich nämlich, trotz des inzwischen genehmigten gezielten Abschießens durch Jäger, jedes Jahr einen ordentlichen Teil der Karpfenernte.


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