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Spitzenmedizin im Nordosten : Die Gelenkspezialisten von Parchim

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Den "Dr. Operationsroboter" schätzt Chefarzt der Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie in der Asklepios Klinik Dr. Rüdiger Wenzel gar nicht. Nicht alles, was als letzter Schrei vermarktet wird, hilft den Menschen.

svz.de von
erstellt am 16.Dez.2011 | 12:03 Uhr

parchim | Nicht alles, was als letzter Schrei vermarktet wird, hilft der Menschheit. Den Kollegen "Dr. Operationsroboter" schätzt Parchims Chefarzt der Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie in der Asklepios Klinik Dr. Rüdiger Wenzel zum Beispiel gar nicht: "Ich sehe keinen Vorteil für den Patienten, wenn ein Roboter das Hüftgelenk implantiert." Viel wichtiger für die Lebensqualität ist da schon, wie lange so ein neues Gelenk hält. Die maßgenau und zementfrei eingesetzten Implantate, die in Parchim verwendet werden, haben nach 35 Jahren noch eine Standzeit von 98 Prozent. Das ist ein Spitzenwert. Von den in Deutschland jährlich knapp 200 000 implantierten Hüftgelenken werden rund 25 Prozent nach 25 Jahren ausgetauscht, schon nach zehn Jahren müssen statistisch gesehen deutschlandweit sogar fünf Prozent der Operierten erneut unters Messer. Die guten Parchimer Werte spiegeln sich übrigens auch in den überdurchschnittlichen Benotungen im Internetportal Qualitätskliniken.de wider.

"Gelenkchirurgie hat bei uns eine lange Tradition"

Die Patienten der Parchimer Asklepios Klinik können also sicher sein, den medizinischen Fortschritt nachhaltig am eigenen Körper zu spüren. Dafür stehen anerkannte Spezialisten wie Dr. Rüdiger Wenzel, der 1989 den Arbeitskreis "Arthroskopie" in der DDR mitgründete, der 1992 in der Deutschen Gesellschaft für Arthroskopie aufging, einer wissenschaftliche Vereinigung von Ärzten und Firmen.

"Gelenkchirurgie hat bei uns eine lange Tradition", erklärt Wenzel, "1988 waren wir das erste Krankenhaus nördlich von Berlin, das videoarthroskopische Operationen durchführte." Dabei wird mit dem Instrument eine Kamera eingeführt, die digitale Bilder überträgt. Überhaupt war die endoskopische Technik eine regionale "Revolution". Früher bedeutete eine Meniskusoperation drei Wochen Krankenhaus und sechs Wochen Gips. "Heute geht der Patient am nächsten Tag wieder nach Hause. Das war damals unfassbar", erzählt der Chefarzt. Möglich macht das unter anderem der minimal-invasive Zugang. Das bedeutet, dass der Bandapparat und die Muskulatur z.B. des Hüftgelenkes nicht geschädigt werden, so dass nach der Operation eine rasche Mobilisierung bei Vollbelastung möglich wird.

In Parchim steht der einzelne Patient klar im Mittelpunkt des individuellen Gesamtkonzepts der Behandlung. Ob Sportverletzung oder degenerative Erkrankung der Gelenke, die Bandbreite reicht von der konservativen Behandlung bis zum endoprothetischen Ersatz (endo ist griechisch und bedeutet innen), also künstliche Gelenke. Entscheidend für die Behandlung ist der subjektive Faktor. Den gern gehörten Vorwurf, Kliniken verpassten zu schnell neue Gelenke, lässt Dr. Wenzel für Parchim nicht gelten: "Etwa 20 Prozent der Patienten bekommen neue Gelenke, ein Drittel behandeln wir konservativ." Im letztgenannten Fall helfen z.B. Schmerz- und Physiotherapie, neue Einlagen oder Rückengymnastik. Darüber hinaus können die Ärzte z.B. Korrekturen per arthroskopischer Operation vornehmen. Wenn es dann doch ein neues Gelenk sein muss, arbeiten die Parchimer Spezialisten mit Spitzentechnik und Spitzenerfahrung. Hier wurde landesweit die erste zementfreie Endoprothese eingesetzt, das heißt, das Implantat mit dem Schaft wird nicht mit Knochenzement fixiert, sondern auf einer auf die Knochenpfanne aufgesetzten Titanpfanne maßgenau eingesetzt und biologisch verankert.

Ärzte navigieren auf dem Bildschirm durchs Kniegelenk

Absolute Präzision sichert die Kniegelenksnavigation. Dabei vermessen die Ärzte während der Operation die Gelenkgeometrie und sichern die gerade Beinstellung - absolute Feinarbeit, beträgt doch die Varianz des Oberschenkels nur bis zu drei Grad. Der Parchimer Dr. Rüdiger Wenzel hat die entsprechende Software mit entwickelt. Entscheidend für die Langzeitergebnisse ist auch das Material. Titan ist erste Wahl, hat die gleiche Elastizität wie Knochen und ist Metall gegenüber klar im Vorteil, das immer Abrieb produziert. Dr. Wenzel hat seinerzeit in Wien bei Professor Karl Zweymüller gearbeitet, einem Pionier auf diesem Gebiet. Der Österreicher entwickelte und implantierte 1979 den nach ihm benannten Zweymüller-Hüftprothesenschaft aus einer Titan-Schmiedelegierung zur Verankerung ohne Knochenzement.

Was ist der neueste Trend? "Seit fünf Jahren bieten wir Sprunggelenks-Endoprothetik", erklärt Dr. Wenzel, der sich auf diesem speziellen Gebiet in Basel bei Professor Dr. Beat Hintermann ausbilden ließ. Längst ist der Austausch international, die Parchimer bilden Kollegen aus St. Petersburg aus, die ihrerseits Patienten nach Mecklenburg schicken. Der Dirigent der Petersburger Philharmonie hat seine neue Hüfte in Parchim bekommen. Jedes Jahr behandelt das Parchimer Team afghanische Kinder, die mit zum Teil schlimmen Verletzungen aus dem Kriegsgebiet kommen.

Und: Für mehr als drei Wochen wechseln in diesem Frühjahr zwei Ärzte und eine Krankenschwester aus der Asklepios Klinik sowie eine Physiotherapeutin aus Parchim in die Bergwelt Nepals. Dr. Rüdiger Wenzel übernimmt für diese Zeit die Leitung des etwa 1800 Meter hoch gelegenen Krankenhauses von Amppipal. Dort ist Improvisieren angesagt. Seit 2002 engagiert Dr. Wenzel sich bei der privaten Hilfsorganisation Nepalmed. Die Gelenkspezialisten sind also auch noch ganz nebenbei Engagierte in Sachen Menschlichkeit, die längst nicht nur im OP nachhaltige Verbindungen stiften...

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