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Gesicht hinter der Nachricht : Die Frau, die Lehrer ins Land holt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das Gesicht hinter der Nachricht: Christiane Schnippert hatte sogar schon zu Interessenten von den Falklandinseln und aus Tansania Kontakt

Die Anzeigen stachen ins Auge: „Mecklenburg-Vorpommern stellt ein: Lehrer/in für Chemie, Mathe und Kinderträume“ war da zu lesen, oder „Willst du 18 Kinder von mir?“ Auch wenn mancher sich dadurch provoziert fühlte – das Gros der Reaktionen auf die bundesweit angelegte Lehrerwerbekampagne war positiv: 1703 Bewerbungen gingen allein per E-Mail ein, teilte das Bildungsministerium zu Wochenbeginn mit.

„Viele haben uns ausdrücklich für die Kampagne gelobt“, erzählt Christiane Schnippert, die Verantwortliche für die Lehrernachwuchsgewinnung am Institut für Qualitätsentwicklung MV (IQMV). Frech seien die Anzeigen gewesen, sie hätten sich wohltuend vom Einerlei der Lehrerwerbung der anderen Bundesländer abgehoben, sei gelobt worden. Ein Anrufer habe sogar gesagt: „In Mecklenburg-Vorpommern geht also doch nicht die Welt unter.“

44 Prozent der Bewerber auf die mehr als 500 ausgeschriebenen Lehrerstellen kamen aus Mecklenburg-Vorpommern, die Mehrheit aber aus anderen Bundesländern und sogar aus dem Ausland, so Christiane Schnippert. „Es gab sogar Interessenten, die momentan an deutschsprachigen Schulen im Ausland arbeiten und die eine Rückkehr nach Deutschland erwägen“, erzählt Christiane Schnippert. „Einen solchen Anrufer hatten wir von den Falklandinseln. Aber auch aus Neuseeland, den USA und Tansania erreichten uns Anfragen.“

Während der Anzeigenkampagne im März war sie aus ihrem Institutsbüro in den Marstall, den Hauptsitz des Schweriner Bildungsministeriums, übergesiedelt, wo eigens für sie und zwei weitere Kolleginnen ein Büro eingerichtet worden war. „Tag für Tag erreichten uns zwischen 40 und 100 Anrufe und Mails. Viele Interessenten sagten uns, dass sie es zu schätzen wüssten, dass sie bei uns persönliche Ansprechpartner für ihre Fragen hatten.“

Sehr oft hätten Anrufer betont, dass sie gerne wieder in die alte Heimat zurückkommen bzw. in die Nähe der Eltern ziehen würden. „Auch die Möglichkeit zur Verbeamtung spielte eine Rolle, oder die Möglichkeit, die Verbeamtung hierher mitbringen zu können. Aber es gab auch noch viele andere Motive“, erzählt Christiane Schnippert. Die guten Kinderbetreuungsmöglichkeiten seien ebenso angeführt worden wie der viele Platz zum Leben für sich und die Familie. Und mancher habe auch einfach eine Chance gesehen, noch einmal etwas ganz Neues anzufangen .

Bewerber konnten sich über eine interaktive Landkarte im Internet selbst ein Bild davon machen, wo Lehrer gesucht werden – und sich auch direkt an die Schulleiter wenden. Jetzt müsse vor Ort eine Auswahl getroffen werden. „Ich bin sehr gespannt, wie viele Verträge zum Schluss wirklich unterzeichnet werden“, sagt Christiane Schnippert. Sicher werde es an bestimmten Schulen mehr Bewerber als Stellen geben – dann müsse man abwarten, wie viele der abgelehnten Lehrer angegeben hätten, dass sie auch dazu bereit wären, an einer anderen Schule zu arbeiten. „Diese Bewerbungen gehen zunächst an die Schulämter und werden von dort aus weitervermittelt.“

Für Christiane Schnippert ist die Lehrerwerbung damit aber bei Weitem nicht abgeschlossen: Sie argumentiert auf Hochschul-Informationstagen oder Veranstaltungen der Arbeitsagentur für den Lehrerberuf, erarbeitet Broschüren zum Thema und bleibt auch nach Abschluss der groß angelegten Werbekampagne mit Interessenten im Gespräch. Die meisten finden über die Internetseite www.lehrer-in-mv.de zu ihr.

„Lehrer ist ein Beruf, an den man sein Herz hängen muss“, betont Christiane Schnippert. Und „Lehrer bleibt man sein Leben lang.“ Sie weiß genau, wovon sie redet, denn als Lehrerin für Deutsch, Russisch und Englisch hat sie lange an einer Haupt- und Realschule unterrichtet. Später war sie Schulleiterin und ein Jahr lang Schulrätin, bevor sie im letzten Jahr in das IQMV wechselte. „Ich kenne den Beruf also aus allen Perspektiven und auch aus der Sicht einer nicht so beliebten Schulart und kann deshalb authentisch beraten.“ Was sie Interessenten für den Beruf vor allem mitgibt: „Lehrer ist man auch nach Schulschluss, das bleibt man sein Leben lang.“

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erstellt am 12.Apr.2014 | 08:33 Uhr

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