Die Frau des Blauen Reiters

Blauer Himmel, eine grüne Wiese mit rosa Blumen - Gabriele Münter verwendet für ihre Bilder viele Farben. Diese Gemälde heißt 'Jawlensky und Werefkin'.
Blauer Himmel, eine grüne Wiese mit rosa Blumen - Gabriele Münter verwendet für ihre Bilder viele Farben. Diese Gemälde heißt "Jawlensky und Werefkin".

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18. Mai 2012, 11:02 Uhr

Ein Galeriebesitzer in München musste jeden Abend die Gemälde abwischen, weil Besucher sie bespuckten. Man muss sich das einmal vorstellen. Heute kosten die Bilder von Wassily Kandinsky und Gabriele Münter Millionen. Die beiden gehörten zu den Gründungsmitgliedern des "Blauen Reiters". Das war eine Gruppe von Künstlern, die sich im Jahr 1911 in München zusammenfand, um eine neue Kunst zu schaffen: Nicht mehr so düster wie früher, sondern bunt wie der Regenbogen. Damals war das ein Skandal. Weil es neu war. Und mit allem Neuen, tun sich die Menschen schwer. In der Zeitung wurden die Bilder verspottet.

Doch Gabriele Münter und Wassily Kandinsky malten nicht nur zusammen. Sie waren 14 Jahre lang auch ein Paar. Kennengelernt hatten sie sich 1902, als Gabriele Münter bei Kandinsky Malunterricht nahm. Obwohl er schon verheiratet war, kamen sich die beiden näher. Zusammen reisten sie durch Frankreich, Deutschland und bis Tunesien. Scheiden ließ sich der aus Russland stammende Künstler aber erst 1911. Im gleichen Jahr, in dem sich der "Blaue Reiter" gründete, bei dem neben den beiden noch Franz Marc, August Macke, Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky mit von der Partie waren.

Der "Blaue Reiter" nahm Europa im Sturm. Nachdem sich die Leute anfangs noch schwer mit den Bildern taten, wurden sie immer beliebter und die Maler weltberühmt. Fast jeder kennt heute Wassily Kandinsky oder Franz Marc. Gabriele Münter ist nicht ganz so bekannt. Warum? Weil sie eine Frau ist. Und für Frauen galt es damals als unschick, zu malen. Sie sollten lieber am Herd stehen, nicht an der Staffelei. So ein Blödsinn! Aber damals war das so. Frauen durften nicht einmal an den offiziellen Kunstakademien studieren. Sie mussten, wie auch Gabriele Münter, an private Schulen gehen und wurden schon mal abfällig "Malweiber" genannt.

Heute weiß man das besser und findet die Bilder von Gabriele Münter genauso schön wie die von Kandinsky. Genauso hohe Preise erzielen sie zwar immer noch nicht. Aber was sagt schon Geld über ein Gemälde aus?

Gabriele Münter und Wassily Kandinsky kauften sich ein Häuschen in Murnau. Das liegt südlich von München am Alpenrand. Dort lebten sie zusammen bis zum Ersten Weltkrieg. Da musste Kandinsky Deutschland verlassen, weil er ein Russe war und Russland Kriegsgegner. Anfangs wechselten die beiden noch Briefe. Aber Kandinsky schrieb immer seltener. Sein Versprechen, sie zu heiraten, vergaß er. Er lernte eine neue Frau kennen und heiratete sie.

Gabriele Münter floh im Krieg nach Schweden, später nach Dänemark und kehrte danach in ihr Häuschen in Murnau zurück. Sie lebte dort mit einem Philosophieprofessor zusammen und malte weiter bis zu ihrem Tod am 19. Mai 1962. Also vor genau 50 Jahren.

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