Interview mit Intendant Matthias von Hülsen : Die Festspiele im Wandel

Auch sie gratulieren zum 50. Jubiläum: das Duo Viviane und Nicole Hagner<foto>Tim Kölln</foto>
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Auch sie gratulieren zum 50. Jubiläum: das Duo Viviane und Nicole HagnerTim Kölln

Wandel ist Trumpf - auch bei den Erfolgsformaten der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. So wird Ulrichshusen, das als „Herz" des Festivals gilt, morgen zum Schauplatz eines Wandelkonzerts mit drei Spielorten.

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29. Juni 2012, 10:27 Uhr

Wandel ist Trumpf - auch bei den Erfolgsformaten der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. So wird Ulrichshusen, das als "Herz" des Festivals gilt, morgen zum Schauplatz eines Wandelkonzerts mit drei Spielorten. Susanne Schulz sprach mit Intendant Matthias von Hülsen.

Ulrichshusen hat mit dem Schloss und der Scheune bereits zwei großartige Konzertorte - und nun setzen Sie mit dem Zelt noch einen drauf ...?

von Hülsen: Das Wandelkonzert erfordert wirklich eine logistische Meisterleistung: Auf drei Bühnen wird gleichzeitig musiziert, ohne dass jemand etwas verpasst. In zwei Konzertblöcken - von 15 bis 18 und von 19 bis 22 Uhr - kann das Publikum nach einem ausgeklügelten System flanieren: Im Zelt gibt es vor allem Musik aus dem 20. Jahrhundert, mit tollen Schlagzeug- und Saxophon-Darbietungen; in der Scheune dominiert die große Klassik; im Schloss wartet ein einzigartiges Gesangsensemble auf.

Überhaupt hat Ulrichshusen wirklich besonderen Reiz durch sein Flair, seine Lage, die Bauten und die Stimmung. Und immer wieder gibt es neue Ideen durch die Maltzahns als Gastgeber, die dem Ort zu immer neuen Aufbrüchen verhelfen. Dort wird nicht nur gern geheiratet, es ist auch ein schöner Schauplatz für Geburtstage: Vor zwei Jahren haben wir dort das 20-jährige Bestehen der Festspiele begangen, und nun gratulieren wir zu 50 Jahren Deutsche Stiftung Musikleben.

Worauf geht die innige Verbindung zwischen Festival und Stiftung zurück?

Sie besteht schon seit den Anfangszeiten der Festspiele. Irene Schulte-Hillen, Präsidentin der Stiftung, gehörte damals zu unserem Vorstand. Deshalb gibt es seit jeher eine enge Verbindung zu den Stipendiaten, von denen viele auch unsere zentralen Künstler geworden sind. Der Stiftung ist es gelungen, hochkarätige Instrumente zusammenzutragen und den begabtesten jungen Musikern zur Verfügung zu stellen. Dort habe ich Künstler wie Julia Fischer, Viviane Hagner und Veronika Eberle kennengelernt und nach Mecklenburg-Vorpommern einladen können, als sie ganz am Anfang ihrer Laufbahn standen.

Ebenso wie einige Ihrer Entdeckungen werden am Wochenende auch jetzige Preisträger des Bundeswettbewerbs "Jugend musiziert" zu erleben sein. Was bedeutet ein solcher Auftritt für diese jungen Leute?

Ein erster Preis beim Bundeswettbewerb ist die Voraussetzung, um in diesem Konzert mitzuwirken. Das wird ein reizvolles Zusammentreffen von Musikern, die bereits eine Weltkarriere vorweisen können, und solchen, die vielleicht auf dem Weg dorthin sind.

Wie haben Sie das Spektrum der musikalischen Gratulanten ausgewählt?

Wir haben zum Beispiel Künstler eingeladen, die bei uns schon ihren Karrierestart hatten wie Alexej Gerassimez und Viviane Hagner. Hinzu kommen Künstler mit bemerkenswerten Karrieren wie Clemens Trautmann, der nicht nur ein großartiger Klarinettist ist, sondern als Schüler auch Deutscher Meister im Schwimmen war, bei "Jugend forscht" glänzte, ein Einser-Abi machte, in der Juristerei mit Höchstnoten promovierte und jetzt mit Mitte 30 aus der deutschen Wirtschaft nicht wegzudenken ist. Mit dabei sind übrigens auch zwei Absolventen der Rostocker Hochschule für Musik und Theater, nämlich Nikolai Gerassimez und Lilit Grigoryan.

Wie schaffen Sie es, dass in Ulrichshusen die Festspiele tatsächlich verwurzelt scheinen und nicht als "eingeflogenes" Großereignis wahrgenommen werden?

Das liegt daran, dass wir zusammengewachsen sind, gewissermaßen siamesische Zwillinge wurden. So hat sich Ulrichshusen von einem 30-Seelen-Dorf zu einer Weltmarke in der Musik entwickelt und erhält immer wieder Wachstumsimpulse. Am liebsten würden alle Gäste dort wohnen, aber dazu reicht der Platz nun doch nicht. Daher arbeitet Helmuth von Maltzahn weiter am Nachbarhof Tressow, so dass wir dort im nächsten Jahr mehr veranstalten können.

Wandelkonzert am Sonnabend ab 15 Uhr in Ulrichshusen; Kartentelefon 0385 5918585

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