Timmendorfer Leuchtturm : Die Farben der Nacht

Mit dem Einbruch der Dämmerung schaltet sich das Leitfeuer des 21 Meter hohen Leuchtturms in Timmendorf ein. Fotos: Holger Glaner
1 von 2
Mit dem Einbruch der Dämmerung schaltet sich das Leitfeuer des 21 Meter hohen Leuchtturms in Timmendorf ein. Fotos: Holger Glaner

Der Leuchtturm von Timmendorf auf der Insel Poel hilft bereits seit 1872 für die sichere Ansteuerung des Wismarer Hafens

svz.de von
16. Mai 2018, 12:00 Uhr

Das faltige braungebrannte Gesicht eines weißbärtigen Pfeiferauchers mit Kapitänsmütze sucht man auf dem Leuchtturm von Timmendorf vergeblich. Leuchtturm-Romantik, das war einmal. Bereits seit Jahrzehnten wird das Seezeichen auf der Insel Poel mittels jeweils moderner Technik betrieben und gewartet. Und auch heute noch, in Zeiten von Satelliten und Radar, wacht der 1872 fertiggestellte Leuchtturm als intaktes visuelles Seezeichen über die sichere Ansteuerung zum Wismarer Hafen.

In den Abendstunden ist sein weißes Licht, das den sogenannten Leitsektor für den richtigen Kurs eines Schiffes kennzeichnet, bis zu 16,5 Seemeilen weit sichtbar. Das sind umgerechnet immerhin gut 30,5 Kilometer. Dabei leuchtet das Lichtsignal des 21 Meter hohen Bauwerks im Hafen von Timmendorf ununterbrochen durch. Die Signal-Taktung von sechs Sekunden mit den rot-weiß-grünen Sektoren wird über rotierende sogenannte Schattenbleche erzeugt. So entsteht ein sogenanntes Leitfeuer, das in diesem Fall neben dem weißen auch noch grünes und rotes Licht aussendet. Erkennt ein Schiffsführer eine dieser beiden Farben, befindet er sich im sogenannten Warnsektor auf falschem Kurs und muss diesen nunmehr hinein in den weißen Leitsektor korrigieren.

Seemannswissen, das Schiffe auch in Zeiten moderner Navigationssysteme beispielsweise bei Ausfall von Technik vor Unfällen oder gar dem Untergang bewahren kann. „Das gilt vor allem für die zunehmende Anzahl von Sportbooten, die Wismar ansteuern. 90 Prozent von denen, aber auch russsische Alt-Tonnage-Schiffe älterer Baujahre navigieren nach visuellen Seezeichen“, berichtet Mario Fröhlich. Als Wismarer Außenbezirksleiter des Wasserstraßen- und Schiffahrtsamts Lübeck wacht der 61-Jährige mit seinem Team über die sichere und funktionierende Fahrwasser-Kennzeichnung mit schwimmenden und festen Schiffahrtszeichen. Und das ist keine einfache Aufgabe. Denn die Tour durch das Wismarer Fahrwasser sei eine anspruchsvolle Revierfahrt, von der Ansteuerung des Fahrwassers über die Umfahrung der Inseln Poel und Walfisch bis hin zum Seehafen Wismar mit gleich mehreren Kurswechseln.

Passiert ist bei der Ansteuerung des Wismarer Hafens bislang glücklicherweis noch nichts. Jedenfalls nichts, was ursächlich mit Schiffahrtszeichen zu tun hat, weiß Mario Fröhlich. Der Schweriner: „Wir handeln hier nach dem Leitsatz ’Wir machen Schiffahrt möglich‘. Und in diesem Sinne sind wir bemüht, die Ansteuerung des Seehafens Wismar immer im funktionsfähigen Zustand zu halten.“ Wird bei der zuständigen Verkehrszentrale der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) in Travemünde vom Timmendorfer Leuchtturm doch einmal eine Störmeldung angezeigt, wird deren Fachgruppe für Nachrichtentechnik in Bewegung gesetzt, um den Fehler zu beheben. Für die bauliche Unterhaltung hingegen ist das Wismarer Team von Mario Fröhlich zuständig.

Der letzte Leuchtturmwärter von Timmendorf war übrigens ein gewisser Richard Golonski. Schon im Jahr 1978 musste dieser aber seinen Dienst quittieren. Der Poeler Autor Jürgen Pump berichtet, warum: „Dann wurde der Turm mit einem Notstromaggregat ausgestattet und der Leuchtturmwärter ,eingespart‘.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen