Heiligendamm : „Die Euphorie ist geblieben“

Mit Eigentümer Paul Morzynski, Geschäftsführer Patrick Weber und Hoteldirektor Tim Hansen  (v.l.n.r.) soll das Grand Hotel wieder zum Flaggschiff des  Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern werden.
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Mit Eigentümer Paul Morzynski, Geschäftsführer Patrick Weber und Hoteldirektor Tim Hansen (v.l.n.r.) soll das Grand Hotel wieder zum Flaggschiff des Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern werden.

Vor einem Jahr kaufte ein Wirtschaftsberater aus Hannover das Grand Hotel Heiligendamm – und schreibt schwarze Zahlen

svz.de von
31. Juli 2014, 07:55 Uhr

Wirtschaftsberater Paul Morzynski aus Hannover hat es offensichtlich wieder einmal geschafft. Zuletzt hatte der 63-jährige Unternehmer die Pralinenfabrik „Halloren“ in Halle in Sachsen-Anhalt vor der Liquidation gerettet und die ehemalige DDR-Traditionsmarke auch im Westen bekannt gemacht. 850 Mitarbeiter hat die Schokoladenfirma inzwischen – mehr als in der DDR. Jetzt versucht Morzynski das Grand Hotel in Heiligendamm in sicheres Fahrwasser zu führen.

Das durch den G8-Gipfel vor sieben Jahren weltberühmt gewordene Luxusresort war im Februar 2012 in die Pleite geschlittert. Vor genau einem Jahr übernahm der Unternehmer aus Hannover für 26 Millionen Euro das Grand Hotel. Viele hatten Zweifel, dass ausgerechnet ein Fünf-Sterne-Hotel an diesem ziemlich abgeschiedenen Ort an der Ostseeküste rentabel zu betreiben ist.

„Wir schreiben kleine bescheidene schwarze Zahlen“, sagt Morzynski. 2013 konnte ein Plus von etwa 600 000 Euro erzielt werden. Auch nach einem Jahr habe das Unternehmen ein positives operatives Ergebnis von knapp über einer Million Euro.

Von den 245 Mitarbeitern musste der neue Besitzer keinen entlassen. Und auch die 48 Auszubildenden konnten ihre Lehre fortsetzen. „Wir versuchen sie nach der Ausbildung im Haus zu halten“, meint der Unternehmer.

Gutes Personal sei im Gastgewerbe an der Ostseeküste schon seit Jahren rar.

Die Gästezahlen konnten in dem zurückliegenden Jahr verbessert werden. Mit einer Auslastung von 55 bis 57 Prozent haben wir für dieses Jahr das Klassenziel erreicht“, so Morzynski, der bereits an einem Hotel an der Ostsee beteiligt ist, dem Upstalsboom in Kühlungsborn. Schon im kommenden Jahr seien 60 Prozent Auslastung in Heiligendamm das Ziel.

Doch was macht der Neue anders als die Fundusgruppe um Anno August Jagdfeld, die seit der Eröffnung des Hotels im Frühjahr 2003 immer Probleme mit der Wirtschaftlichkeit hatte und 2012 letztlich die Insolvenz beantragen musste? „Genau genommen nicht sehr viel.“ Aus dem Mund von Morzynski klingt der Satz bescheiden. Richtig ist, dass sich die Bedingungen für den Hotelbetrieb grundlegend verbessert haben.

Jagdfeld hatte durch seine Investitionen in Höhe von 250 Millionen Euro hohe Verbindlichkeiten gegenüber den Banken. Diese Zinslast drückt seit der Insolvenz nicht mehr auf die Rentabilität. Außerdem hatte der Fundus-Chef sich für die 50 Millionen Euro Fördermittel verpflichtet, dauerhaft 350 Mitarbeiter zu beschäftigen. Das waren aber gemessen an den Umsatzzahlen zu viele Stellen. Schon während der Insolvenz wurden 100 gestrichen.

Paul Morzynski hat große Pläne. Zunächst will er die Orangerie und die Burg Hohenzollern, in das Hotel-Ensemble zurückholen. Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum hatte die beiden historischen Gebäude vor einem Jahr beim Verkauf aus dem Angebot herausgenommen. Demnächst sollen sie zwangsversteigert werden.

Außerdem hat der neue Hotelbesitzer für 2015 die dringend benötigte Erweiterung des Spa-Bereichs geplant. So soll der Außenbereich ein Thermalbecken mit verschiedenen Saunen erhalten.

Auch soll die Gastronomie mehr Platz bekommen. Ein neues Restaurant mit italienischer Küche ist in der Orangerie geplant. Ebenso soll die Sushi-Bar erweitert werden. Im großen Speisesaal wurden Teppiche und Polster bereits erneuert. Eine Million Euro hat Morzynski unter anderem in neue Fernseher investiert.

„Die Euphorie ist ein Jahr nach dem Kauf geblieben“, sagt der Unternehmer. Sorgen gibt es dennoch. Die Villen an der Strandpromenade, die „Perlenkette“, verfallen immer weiter und bieten auch Hotelgästen ein unschönes Bild. Die Gebäude gehören weiter Jagdfeld. Der hatte die Sanierung schon vor Jahren angekündigt, doch offenbar fehlt das Geld. Paul Morzynski hat bereits Hilfe angeboten und wäre auch bereit, zumindest einige dieser Villen zu kaufen. Doch zwischen den Preisvorstellungen beider Geschäftsleute sollen angeblich Galaxien liegen.

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